Social Media soll Pfarrer/inn/en Spaß machen

Heute hatte ich mit Ralf-Peter Reimann ein Gespräch in unserem Kirchenkreis über die Frage: Facebook für Kirchenkreis, Diakonisches Werk, KiTa-Trägergesellschaft – ja oder nein?

Dabei warf Ralf-Peter irgendwann den  »Entwurf  der Social Media Guidelines«  an die Wand.  Und da heißt es an einer Stelle:

„Haben Sie Spaß! Machen Sie nichts, was Ihnen grundsätzlich unangenehm ist, aber bleiben Sie offen für Neues. Probieren Sie auch mal was aus. Nutzen Sie ihre Gaben. Bleiben Sie authentisch.“

Es gab eine überraschte Reaktion einer Teilnehmerin:

Wie, Spaß soll das auch noch machen?!

Ja.

Aber ich verstehe auch die Reaktion. Social Media, Facebook, Twitter, Google+ – all das kommt irgendwie, so scheint es, noch oben drauf auf das schon nicht kleine Päckchen, das Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch andere Mitarbeitende zu schultern haben. Die Sinnhaftigkeit der kommunikativen Präsenz im Netz wird durchaus gesehen, aber noch mehr wird sie als Last empfunden. Ach du meine Güte, noch eine Aufgabe…

Das rührt an ein Grundproblem unserer pfarramtlichen Existenz in der Gegenwart. Vor vielen Jahren habe ich mal irgendwo gelesen, Pfarrerinnen und Pfarrer seien so etwas wie „Universaldilettantist/inn/en“. Alles und jedes sollen wir können und das allermeiste können wir logischerweise  nur dilettantisch. Ich fand das sehr einleuchtend. Ob wir für bestimmte Aufgaben begabt sind oder sie gelernt haben, danach fragt in Zeiten der Parochie kaum jemand. Man freut sich über die tollen Dinge, die mir gelingen und leidet unter den Sachen, die ich nicht so gut kann. So weit, so gut oder schlecht, je nach Blickwinkel.

Die Parochie wird aber zunehmend durchlässiger und das bietet Chancen. Für Pfarrerinnen und Pfarrer, aber vor allem für Gemeindeglieder oder auch die Ungetauften oder wie auch immer.

Natürlich gibt es nach wie vor so etwas wie eine parochiale Grundversorgung. Aber in der gegenwärtigen und noch kommenden Zeit von Social Media werden die Grenzen löchriger. Das bietet Chancen für die Dinge, die Spaß machen. Es gibt „Aufgaben“ in meinem pfarramtlichen Alltag, die mir Spaß machen und andere, die ich nicht mag. Sie liegen mir nicht, ich habe das Gefühl, sie nicht wirklich zu können und so weiter und so fort. In einer Zeit fortschreitender digitaler Vernetzung und Entgrenzung entstehen hier Chancen.

Chancen, das zu tun, was Spaß macht. Nicht nur, klar. Keine Arbeit kann nur Spaß machen. Aber vielleicht mehr als „früher“? Dann sind die einen im Netz präsent und andere vermehrt in der Welt vor Ort.

Kein Pfarrer, keine Pfarrerin muss auf Facebook sein. Aber alle sollten es einmal ausprobieren. Denn vielleicht macht es überraschenderweise doch Spaß? Von vielen Seniorinnen und Senioren höre ich das. „Ich  hätte nie gedacht, wie interessant das ist.“ „Ich krieg meinen Mann nicht mehr vom Comupter weg, seitdem der Internet hat.“ Und wenn nicht, dann ist es auch gut.

Also, lasst uns doch experimentieren. Ich bleibe im Netz präsent und beantworte gerne die Fragen aus Lindau oder Schwerin und andere Kolleg/inne/en machen dafür mehr Geburtagsbesuche oder eine Kinderbibelwoche mehr oder, oder, oder. Hauptsache, es macht Spaß. Denn was uns Spaß macht, das strahlt aus. Und darauf kommt es doch an, oder?

7 Gedanken zu “Social Media soll Pfarrer/inn/en Spaß machen

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  2. Schöner Beitrag 😉
    Spaß – auf jeden Falle! Aber auch die Sache mit der Kompetenz ist wirklich wichtig, man kann es nicht oft genug betonen. Es ist wichtig, dass einem die Sachen liegen. Das hat ja auch eine theologische Dimension: Begabung und Berufung.
    Eine Sache sehe ich etwas anders. Ich erlebe nicht, dass Pfarrer alles machen SOLLEN (solche Meinungen gibt es sicherlich, aber ich denke, damit kann man umgehen). Ich erlebe es sehr oft, dass Pfarrer alles machen WOLLEN. Und dass sie dabei eine Haltung haben, als wenn sie auch tatsächlich alles können würden (das theologische Examen schließt schließlich sämtliche Examina dieser Welt mit ein… 😉 ). Das erlebe ich als „Nicht-Pfarrer“ im beruflichen Umgang mit Pfarrern oft als sehr anstregend.
    Liebe Grüße, Martin

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  3. …aber dann müssten sie alle doch auch bei Facebook sein… (Sorry, der Konter musste sein 😉 ).
    Ich glaube, das hat mit der sehr zentralen Stellung des Pfarramtes in unserer Tradition zu tun. Vielleicht gewöhnt mann/frau sich diesen Habitus so schnell an… Ich kenne solche Anwandlungen auch von mir… ;(

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  4. Wir können alles, aber nix richtig, nicht mal Kritik einstecken… *duck*
    Manchmal hab ich das Gefühl, ich bin der „Hans im Schnokeloch“:

    Der Hans im Schnokeloch hett alles, was’r will. Und was’r will, des hett’r nit, und was’r hett, des soll’r nit, der Hans im Schnokeloch hett alles was’r will.
    Der Hans im Schnokeloch macht alles, was’r soll. Und was’r soll, des macht’r nit, und was’r macht, des soll’r nit…

    (Das war Elsässisch light.)
    Es gibt einiges, was Spaß macht, aber von der Gemeinde nicht erwartet wird, und anderes, was keinen Spaß macht, aber unbedingt zu sein hat. Und je presbyterialer die Kirche ist, um so mehr Päpste hat man, die einem unfehlbar sagen, was man zu tun hat, aber nicht tut…

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