Jahresrückblick 2016 in Bildern

Jahresrückblick 2016 in Bildern

2014 war aufregend, 2015 spannend, 2016 brachte noch mal eine Steigerung. Hätte mir vor drei Jahren jemand gesagt, ich wäre Ende 2016 Landessozialpfarrer der hannoverschen Landeskirche und Fachbereichsleiter Kirche. Wirtschaft. Arbeitswelt im HkD in Hannover, dann hätte ich vermutlich gesagt: „Schön wärs ja vielleicht, aber…“. Und nun ist es so gekommen. Aber der Reihe nach.

Januar

Den Jahreswechsel verbringen wir in Berlin, vor dem Brandenburger Tor. Es war kühl und eng, aber schon ein einmaliges Erlebnis.

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Zurück aus Berlin beginnt das neue Jahr mit Urlaub, mit Ausruhen, Nachdenken, Spazieren gehen. Das Foto entsteht an einem Nachmittag in der Nähe unserer Wohnung, an der Bahnlinie, die von Osnabrück nach Münster und weiter ins Rheinland führt. Gut möglich, dass ich da auch über die Bewerbung nachgedacht habe, die bis Ende Januar in Hannover eingehen muss.

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Februar

Ein erstes berufliches Highlight – die Grubenfahrt in Ibbenbüren. Die Erinnerungen an die Zechen im Rheinland verbinden sich mit der Bergbautradition hier in der Region, spannend ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu beschreiben. Zugleich ist es das letzte Mal, dass ich in eine Steinkohlenzeche einfahren kann, bevor Ende 2018 Schluss ist …

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Etwas später im Monat: die Zeitkonferenz der Allianz für den freien Sonntag in Berlin. Für zwanzig Minuten wird die Tauentzienstraße für uns, unsere Liegestühle und unsere Trillerpfeifen gesperrt. Kommt gut an, etliche Passant/-innen kommen auf uns zu und meinen, setzt euch bitte weiter dafür ein, dass die Ladenöffnungszeiten nicht noch weiter ausgeweitet werden! Inhaltlicher Höhepunkt war der Vortrag des ehemaligen Verfassungsrichters Papier zur Rolle des Sonntag im Grundgesetz.

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Weil es so schön war, hier auch noch mal das kurze Handy-Video von mir, während ich da in meinem Liegestuhl saß:

Auch noch im Februar, unser Besuch bei Kuka in Augsburg mit dem KDA-Bundesauschuss „Arbeit und Technik“. Das war ein spannender Einblick in die Technik als auch die Ethik im Unternehmen. Die Gespräche anschließend in unserer Runde über Sinn und Unsinn der Digitalisierung waren allerdings noch spannender.

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März

Andrea Nahles lädt zum Grünbuch-Kongress „Arbeiten 4.0“ nach Berlin. Interessante Vorträge, spannende Workshops. Nachhaltig beschäftigt mich bis heute die Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“, die vorgestellt wird.

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Mit einer Männergruppe aus Belm besuche ich die Roboter-Ausstellung in Dortmund bei der DASA. Wir erhalten eine überaus engagierte und uns nachdenklich machende Führung: Wie lange ist ein Mensch ein Mensch, wenn ihm immer mehr „Ersatzteile“ eingesetzt werden (können), die zunehmend auch noch „mehr“ können als die „originalen“ Körperteile…?

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Mai

  1. Mai in Osnabrück. Nach einer kleinen ökumenischen Andacht im Kreuzgang von St. Johannis vor dem DGB-Umzug werden Domkapitular Reinhard Molitor und ich vor dem DGB-Haus interviewt. Die ganze Geschichte ist wieder einmal ein Zeugnis für das außerordentliche gute Verhältnis der beiden Konfessionen in dieser Stadt.

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Juni

Ich fahre zwei Tage und hundertfünfzig Kilometer mit dem Rad durch Berlin, ein längerer Traum wird wahr. Der Höhepunkt: Kreuz und quer übers Tempelhofer Feld radeln.

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Mit dem Bundesausschuss Arbeit und Technik fahren wir nach Frankfurt. Neben Gesprächen über Digitalisierung und Äppelwoi besuchen wir die Diakoniekirche, beeindruckend, Gebäude und die Arbeit, die dort getan wird.

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Danach findet das Bewerbungsgespräch in Hannover statt und wie es ausgeht, wisst ihr ja schon. Kurze Zeit später ist erst mal Urlaub angesagt. Er beginnt mit einer Reise nach Kitzingen zum Usertreffen des Weltfussballmanagers. Am Samstagmorgen sitze ich längere Zeit allein am Main und versuche zu begreifen, was gerade geschieht.

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Danach geht es mit Christine nach Arnstadt in Thüringen, dahin, wo der junge Bach wirkte und ihm ein Denkmal gesetzt wurde.

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Urlaub, dieses Mal eine Mischung aus Wandern und Kultur. Erstmals kommen wir nach Eisenach und steigen natürlich hinauf auf die Wartburg …

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… und in Weimar besuchen wir u.a. die weltberühmte Bibliothek der Herzogin Anna Amalia.

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Juli

Danach geht es weiter und in Hannover neu los. Bald jeden Werktag fahre ich nun die Strecke mit der Bahn. Gut geeignet zum Schreiben von Texten und Mails.

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Ansatzweise erkunde ich in den Mittagspausen auch die Stadt, oder sagen wir, die Umgebung des Büros.

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August

Der Weg nach Paris mit dem KDA Duisburg führt auch in diesem Jahr über Köln. Ich sitze am Abend stundenlang am Rhein, direkt gegenüber vom Dom und sehe dem Sonnenuntergang zu. Eine wunderbare Stimmung.

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Paris war in diesem Jahr vor allem eins: heiß. Solche Inseln mitten in der Stadt kommen jetzt erst so richtig zur Geltung. Das Programm litt ein wenig unter Temperaturen bei 35 Grad …

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September

Der September startet in München, mein Vater hatte meinen Bruder, meine Frau und mich eingeladen. Wir sehen so einiges, u.a. auch die Gedenkstätte für die Weiße Rose:

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Dann wird es wieder richtig heiß. Genau zur KDA-Bundesdelegiertenkonferenz in Rothenburg ob der Tauber. Ich habe Glück und bekomme ein ziemlich kühles Zimmer, himmlisch. Vormittags ging es im Tagungsraum, aber je mehr die Sonne drauf stand, desto unangenehmer wurde es. Unser Bundesausschuss hat Glück: Wir dürfen uns morgens um 9.30 Uhr präsentieren. – Ein touristischer Aspekt im weitesten Sinn ist immer auch dabei, diesmal eine Nachtwanderung mit Nachtwächter durch die Gassen von Rothenburg.

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Ende September bin ich wieder in Berlin, mit dem Bundesausschuss Arbeit und Technik führen wir Gespräche im Arbeits- und Wirtschaftsministerium. Davor besuche ich mit meinem Sohn das Deutsche Technikmuseum. Echt klasse, die Ausstellung mit den Eisenbahnwaggons und Loks, da werden Erinnerungen wach!

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Aber deswegen sind wir eigentlich da, das Plakat stach uns direkt vor dem Wirtschaftsministerium ins Auge.

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Und quasi nebenbei (durch einen Freund von mir vermittelt) bekommen wir eine ziemlich spezielle und sehr spannende Führung auf der Baustelle der U5.

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Oktober

Meine Kollegin Sonja zeigt Christine und mir Hannover und fährt mit uns auch mit dem schiefen Fahrstuhl hinauf auf die Kuppel des Neuen Rathauses:

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Baltrum, wieder Bildungsurlaub, wieder mit Christine. Ein Nachmittag ist frei, Zeit für einen Strandspaziergang.

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Von meiner Einführung Ende Oktober habe ich keine (eigenen) Bilder, dafür aber von meinem neuen Büro:

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Das Reformationsjubiläumsjahr beginnt am 31. Oktober, in Osnabrück mit einer Lichtinstallation an der Marienkirche (Foto) und am Dom, Zeugnis des guten Verhältnisses der Konfessionen in der Friedensstadt.

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November

Und noch mal Berlin, diesmal zur Weißbuch-Konferenz von Andrea Nahles. Spannender war aber der Spaziergang mit meiner Tochter durchs adventliche Berlin, wir schauen es uns von oben an und spazieren durchs Brandenburger Tor. Dieses ist vermutlich eins der meist festgehaltenen Motive aller vorweihnachtlichen Berlin-Besucher/-innen:

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Der Europäische Stationenweg macht Halt in Wolfsburg und der KDA ist dabei: Feel the spirit!

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Dezember

Das Wetter ist gemischt, mal kalt, mal warm, mal bedeckt mal wolkenlos. Und es gibt spektakuläre Sonnenauf- als als auch Sonnenuntergänge:

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Das war 2016, aus der biografischen Sicht. Was mich insgesamt zu diesem Jahreswechsel bewegt, werde ich Anfang 2017 in einem eigenen Beitrag bloggen.

Sonntagsgedanken

Sonntagsgedanken

Sonntag, am späten Vormittag.
Das Essen bruzzelt auf dem Herd.
Ich sitze in der Küche an meinem liebsten Platz:
An der Theke, auf dem Hocker.
Mir schwirrt so viel durch den Kopf.

Vor zwei Tagen um diese Zeit wartete ich auf die Fähre von Baltrum zurück aufs Festland.
Eine Bildungsurlaubswoche lag hinter mir, uns.
Spannende Gespräche und tiefe Einblicke in das Arbeitsleben.
Zufrieden im Job – aber wie?
So lautete das Thema.
Aus bestimmten, guten Gründen durfte ich diese Woche zusammen mit Christine, meiner Frau, gemeinsam gestalten.
Das war toll.
Aber mir geht noch viel nach.
Wohin geht es mit unser aller Arbeit und Wirtschaft…?

Heute früh, wie immer beim Kaffee, erst mal Twitter an.
Antwortlichkeit springt mir entgegen.
Ein Blogbeitrag von Ina Praetorius.
Ein neues Wort.
Der Versuch, etwas in Sprache zu fassen, was bislang ungesagt geblieben ist.
Schöpferische Arbeit.
Schön, anregend.
Unverzichtbar wichtig.

Dann schlage ich die ZEIT auf.
Die Lektüre gehört für mich oft zum sonntäglichen Ritual.
Wo mehr Zeit ist und der IC nach Hannover um 8.05 Uhr (nicht) auf mich wartet.
Die Artikel lösen in ihrer Gesamtheit Speiübelkeit in mir aus.
Heidegger schickte die neueste Hitlerrede und fand ihn ganz toll.
Unsere Gefühle werden digital vermessen und der PC versteht mich bald besser als…
Der Betriebsrat bei BMW drängt offenbar Leiharbeiter/-innen, in die IG Metall einzutreten, denn sonst wird das nichts mit der Festanstellung.
Ich lese, der DGB-Vorsitzende will CETA und auf der gegenüberliegenden Seite geht es um die transatlantische Feindschaft.
Ja, und Trump wäre eine Katastrophe – aber mit Clinton können wir Europäer/-innen uns auch auf so einiges gefasst machen…
Was ist los mit unserer Welt?
War es „früher“ besser?
Oder anders?

Ich schreibe noch „schnell“ einen Text über die Ausstellung Bitter Oranges in Hannover.
Ja, ja, ich weiß, es ist Sonntag.
Der muss aber geschrieben werden.
Ich bin schon überfällig.
Eine ganz andere Welt.
Ausbeuterische Arbeit.
Mitten in Europa.
Kaum zu glauben, aber leider wahr.
(Und ich frage mich – was bedeutet es, dass ich meine, den Text jetzt schreiben zu müssen…?)

Wir gehen auf den Flohmarkt am Moskaubad.
(Ja, das heißt wirklich so.)
Wir finden nichts.
Das ist nicht so schlimm.
Aber ich frage mich die ganze Zeit:
Das ganze Zeug hat doch irgendwann einmal jemand gekauft.
Und vorher wurde es für unseren „Bedarf“ produziert.
Kaum zu glauben.
Oder einfach nur irre?!

Sonntagvormittag.
Ich sitze in meiner Küche am Tresen.
Die kommende Woche wird auch wieder interessant.
Viele Termine.
Und das macht mir viel Spaß.
Gerade die Unterschiedlichkeit.
Und dennoch.
Was ist das mit unserem Leben?
Wo wollen wir hin?
Wohin sind wir unterwegs…?

Als wir den Flohmarkt verlassen, ist strahlendes Wetter.
Wir gehen über den Parkplatz.
Und machen Fotos.
Die Sonne lacht vom wolkenlosen Himmel.
Die Blätter leuchten gelborange.
Ich frage mich:
Was ist wirklich, wirklich wichtig und wertvoll im Leben?

Paris, im August 2016 – Studienfahrt des KDA Duisburg-Niederrhein

Paris, im August 2016 – Studienfahrt des KDA Duisburg-Niederrhein

Die Fahrt versprach heiß zu werden.
37 Grad waren angekündigt für den Samstag, am Freitag kaum weniger.
Und das Thema der diesjährigen Studienreise des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) Duisburg-Niederrhein war auch heiß:
Wie sieht es in Frankreich aus, nach Terroranschläge und vor Wahlen?

Um es kurz zu sagen, die Hitze forderte ihren Tribut.
Die Diskussionen waren nicht so leidenschaftlich wie sonst.
Verteiltes Papier wurde vornehmlich zum Fächeln verwendet.
Und die erste Frage lautete zumeist:
Habt ihr auch Wasser?

Aber nichtsdestotrotz:
Interessant war es schon.
Benjamin Schreiber von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Paris vermittelte uns kursorisch einen Eindruck.
Seine Quintessenz:
Die Menschen in Frankreich verlieren mehr und mehr das Vertrauen, dass die politischen und gesellschaftlichen Institutionen Lösungen finden und umsetzen können.
Bei aller Verschiedenheit zwischen Deutschland und Frankreich, das klang doch sehr vertraut.

Der Höhepunkt für mich war der Besuch der protestantischen Gemeinde in Houilles, einem Vorort von Paris.
Der aus Deutschland stammende Pfarrer Rüsen-Weinhold arbeitet dort seit zwei Jahren.
Vorher war der ehemals zur rheinischen Kirche gehörende Kollege in Südfrankreich als Pfarrer tätig.
Es war überhaupt nicht spektakulär, was wir hörten und sahen.
Aber es war wieder einmal dieser große Kontrast zwischen einer Minderheiten-Kirche und unserer Volkskirche.
250 gelistete Familien zählt die Gemeinde.
Sie lebt in einem Gebiet, in dem 130.000 Menschen leben.
Die Gemeinde hat Glück:
Aus Paris ziehen viele in die Vororte.
So konnte vor kurzen der Kirchssaal vergrößert werden, weil die Gemeinde wächst.
Und doch…

Gespräche mit den Kolleg/-innen der evangelischen Kirche in Frankreich halten mir immer den Spiegel vor.
Diakonisches Engagement?
Ja, aber strikt getrennt vom Rest der Gemeinde.
Dazu braucht es einen eigenen Diakonie-Verein.
Religionsunterricht?
Gibt es nicht, das müssen wir selber in den Gemeinden machen.
Und so weiter und so fort.

Nachdenklich hat mich die Bemerkung gemacht:
Flüchtlingskrise in Europa?
Kein aktuelles Thema, ganz anders als bei uns in Deutschland.

Den Abschluss bildete der Besuch des Gottesdienst in der Christuskirche in der rue blanche, in der deutschen Auslandsgemeinde.
Und ein anschließendes, leider viel zu kurzes Gespräch mit einem ehemaligen Kirchenvorstandsmitglied.
Seine Antwort auf die Frage, ob er seit den Terroranschlägen mehr Angst hat:
Nein.
Und das empfinden seiner Meinung nach viele Französinnen und Franzosen ähnlich.
Aber er wäre vor einiger Zeit in München gewesen.
Dort hätte ihn die durch Medien und Politiker geschürte Hysterie entsetzt.

Wie gesagt, es war heiß, sehr heiß.
Wir haben diesmal wenig diskutiert.
Interessant war es trotzdem.
Und das Essen war wieder hervorragend.
Genauso wie die Betreuung durch das Foyer le Pont.

Und hier noch ein paar Eindrücke vom Samstagnachmittag, vom geführten Stadtrundgang: