Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand (Harald Welzer) – Gedanken aus der Sicht eines Christen, eines Theologen, eines Pfarrers

zukunftI.

Kaum etwas ist neu. Aber manchmal ist es die Mixtur, die einen Cocktail attraktiv macht. Mich hat das  Buch jedenfalls sehr angeregt. Genauer: so zwanzig Seiten, ab S. 132.

a) Selbst denken. Achtsamkeit als Anleitung zum Widerstand

Es gibt eine Bruchstelle. Da habe ich mich gewundert, dann geärgert und erst viel später habe ich verstanden. Das ist die Geschichte mit dem Thunfisch. Welzer berichtet davon, dass er von einem Lunch in einem tollen Restaurant einen kurzen Vortrag zu halten hatte. Danach wurde Thunfisch serviert.

»Aus meiner Sicht gehört es zum kategorischen Imperativ gelebter Zukunftsfähigkeit, sich nicht schuldiger zu machen als unvermeidlich. Und Thunfisch zu essen geht heute einfach nicht mehr. Nun saß ich also da mit einem harten Interessenkonflikt. Sollte ich tatsächlich die soziale Konvention verletzen und die Vorspeise ostentativ nicht anrühren?« (227)

Ich habe mich gefragt: Was soll das jetzt? Erst schreibt Welzer seitenlang vom Selber-denken und serviert dann so eine moralische Geschichte, die mir eigentlich keine Wahl lässt? Thunfisch geht heute nicht mehr. Punkt. Aus. Fertig.
Irgendwann ging mir ein Licht auf. Welzer erzählt einfach vom eigenen Selber-denken und überlässt es mir als Leser, es ihm gleich zu tun. Und nicht einfach nur seine Einsichten zum Kapitalismus, Klimawandel und Konsumismus »einfach so« zu übernehmen, nachzuplappern. Ich kam drauf, als ich einige kritische Kommentare zum Buch las, die darauf hinaus liefen: Gute Darstellung der Problematik, aber wenig substantielle Handlungsvorschläge… Selbst denken.
Das ist anstrengend, spannend, widerständig, riskant. Leicht ist dieser Weg nicht zu haben, er muss erkämpft werden. Gängige Muster, auch (und vor allem) die im eigenen Kopf und Herz (»mentale Infrastrukturen«), halten heftig dagegen. Es braucht daher eine Anleitung zum Widerstand. Als Grundhaltung hält Welzer sinvoll:

»Nicht Effizienz, sondern Achtsamkeit, nicht Schnelligkeit sondern Genauigkeit, nicht Weitermachen, sondern Innehalten, wären Maximen für den Weg in die reduktive Moderne.« (141)

Es gilt, Gegengeschichten zu erzählen. Und dann anfangen, entsprechend zu handeln. Durch »praktiziertes Nichteinverstandensein« (287). Dazu braucht es eine Vision vom guten Leben in der Zukunft und ein Handwerkszeug zum Träumen.

b) Utopien ohne Masterplan

»Utopien sind ein großartiges Mittel, um Denken und Wünschen zu üben: sich einen wünschbaren Zustand in einer denkbaren Zukunft zu imaginieren, macht den Status quo zu lediglich einer Variante von vielen möglichen Wirklichkeiten. (…) Utopien werden gefährlich, wenn sich jemand daran macht, einen Masterplan zu entwickeln, um direkt umzusetzen, was wünschbar erscheint.« (136f.)

Wir sind es gewohnt, Pläne zu entwerfen, Finanzen und Entwicklungen zu berechnen und daraus Kennzahlen für die Entscheidungsfindung zu entwerfen. Masterpläne eben. Auch in der Kirche. Dahinter verbirgt sich die Übernahme des Fortschrittsglaubens der Moderne, dass mit Planung und Entwicklung »alles« erreicht werden kann, konkret: ein immer besseres Leben. Gescheitert ist dieses Projekt schon lange, aber unser Handeln richten wir (noch) nicht danach aus, die sozialpsychologischen Ursachen seziert Welzer an verschiedenen Stellen ausführlich.
Es scheint widersinnig und löst erst einmal Abwehr aus, auch bei mir, auf Masterpläne zu verzichten. Aber Welzer hat schon recht:

»Die Zukunft wird nur auf einem Weg zu erreichen sein, der selbst durch Irr- und Abwege, unpassierbare Stellen, gute Passagen, Steigungen und Gefälle, kurz: durch alles andere als Gradlinigkeit gekennzeichnet ist. (…) Die Heuristik einer nachhaltigen Moderne ist deshalb ein Utopisches-bis-auf-Weiteres und kennt daher auch Handlungsmaximen, die der nichtnachhaltigen Moderne völlig wesensfremd sind: probieren, abbrechen, aufhören, innehalten, pausieren. Kein Masterplan also, sondern immer nur ein Patchwork aus unterschiedlichen Experimenten.« (139)

Klingt beängstigend und befreiend zugleich. Dennoch scheint mir hier mehr Leben und Hoffnung drinzustecken als in der Blutleere des Immer-weiter-konsumieren. Aber es braucht auch ein Woraufhin, eine Richtung.

c) Geschichte(n) vom hypothetischen Leben in Future Zwei erzählen

Welzer erzählt hintereinander zwei unterschiedliche Zukunftsgeschichten, eine »optimistischere« (154ff.) und eine »pessimistischere« (160ff.). Beide beziehen sich auf Eckdaten heutiger Wissenschaft. Beide Geschichten sind, so Welzer, gleich wahrscheinlich. Es kommt darauf an, was ich, was wir aus meinen, unseren Möglichkeiten machen. Welche Geschichte ich erzähle, hängt dabei stark von meinen Wertvorstellungen ab. Welzer schlägt als Handwerkszeug vor, solche Zukunftsgeschichten im Future Zwei zu erträumen:

»Stellen Sie sich selbst im Tempus Future Zwei vor: Wer werde ich gewesen sein? Das hilft: Vieles von dem, was im einfachen Futur als unbequem und lästig erscheint, wird im Future zwei plötzlich interessant und attraktiv. Future-zwei-Imaginationen verändern Wertigkeiten. Sie fangen an, zu überlegen, wie Sie gut gewesen sein werden.« (133)

»Vorerinnerungen« nennt Welzer das im Anschluss an Edmund Husserl,

»das sind mentale Vorgriffe auf etwas erst in der Zukunft Existierendes. Sie spielen als Orientierungsmittel für die Ausrichtung von Entscheidungen und Handlungen in der Gegenwart eine mindestens so wichtige Rolle wie der Rückgriff auf real oder vorgestellt erlebte Vergangenheiten. (…) Sich nach vorwärts zu erinnern – darin besteht die Heuristik des Zukünftigen, und das wird mehr sein als eine banale ›Gegenwart plus‹, die ein bisschen technologisch aufgepimpt ist. Es muss schon besser, gerechter, schöner und nachhaltiger zugehen in unserer vorerinnerten Zukunft.« (136f.)

Es handelt sich im Kern um eine Vision, eine Vorstellung vom guten Leben in der Zukunft. Geträumt und erzählt wirkt sie zurück auf die Gegenwart. Auf meine Wahrnehmung, mein Handeln.

II.

Noch mal: Selbst denken. Nun bin ich dran.
Kirche (und Religion) kommt in Welzers Buch (fast) nicht vor. Das ist gut so.
Zum einen wird so sehr deutlich, dass von Kirche und Theologie an vielen Stellen keine wegweisenden Impulse mehr für die Bewältigung der Zukunft erwartet werden. Das ist schmerzlich, aber ehrlich. Und hilft »uns« zum zweiten, uns nicht darauf auszuruhen, dass wir als Faktor berücksichtigt werden. Das wäre ja die Gefahr, wenn Kirche und Theologie eine Rolle zugeschrieben werden. Wir könnten sagen: Da ist unser Platz, unsere Nische. Die füllen wir aus. Und sind zufrieden.
Ich sage: Nein. Das wäre zu viel und zu wenig.
Vielleicht ist es ja eher ein Hoffnungsschimmer, dass wir in der Analyse eine verkorksten Gegenwart nicht vorkommen. So nährt sich die Hoffnung, dass Kirche doch nicht so untrennbar dem Kapitalismus verbunden ist, wie es manchmal, zumal und vor allem in unseren reichen Kirchen in Deutschland erscheint. Aber vor allem wird eine Herausforderung beschrieben. Wir haben ja schon etwas zu sagen. Aber wir sind nicht mehr automatisch oben auf dem Podium, da, wo die Musik spielt. Nein, wir stehen unten. Unter den Menschen. Sitzen nicht in den Sesseln von Jauch, Maischberger und Co. Wie gesagt, das ist vielleicht ganz gut so. Freier sind wir, werden wir zu denken, zu handeln und zu träumen. Selbst denken eben.
Daher nun drei Gedanken eines Christen, eines Theologen, eines Pfarrers.

a) Der Christ als Selber-Denker

Die Formulierung klingt urprotestantisch. Traditionell gesprochen: der/die rechtfertigte Sünder/in ist befreit zum dankbaren Dienst an der Welt. Keine Macht der Welt hat mir etwas zu sagen, meine Anbindung liegt im Himmel. Das ureigene Gottesverhältnis im Glauben befreit und ermöglicht Widerstand. Die Formulierung »Selbst denken« eröffnet die Möglichkeit des Gesprächs über Werte und Letztbegründungen. Ich meine das nicht im Sinne eines Überbietens, Korrigierens, Zurechtrückens, sondern als offene Frage: Woran machst du dich letztendlich fest? Was treibt dich in der Tiefe an? Welche Werte und Grundüberzeugungen lassen dich offenbar zu ähnlichen Handlungsweisen wie mich kommen?
Als Christ sage ich: Ich darf selbst denken. Ich kann selbst denken. Ich muss es aber auch! Glaube eröffnet einen Horizont (»Utopie«), der mir den Protest ermöglicht, mich dazu auffordert. Der Protestantismus ist eine Widerstandsbewegung. Vielleicht muss ich mir das heute als Teil einer der reichsten Kirchen dieser Welt erst einmal selber sagen lassen. Und es ist eine Frage an mich – wo ist, wo bleibt dein glaubensmotivierter Widerstand? Wo ist, wo bleibt dein Selbst-denken? Es ist gefährlich, riskant, denn:

»Man kann nicht bequem eigener Meinung sein, es sei denn, sie wäre identisch mit der aller anderen.« (239)

In einem zweiten Schritt eröffnet dies dann den Dialog. Ich weiß nun, was ich selber denke. Habe selber nachgedacht, in aller Vorläufigkeit.
Ich würde Harald Welzer dann z.B. fragen, was er von subversivem Widerstand hält. Mir fiel beim Lesen auf, dass er den sozialen Netzwerken wie Facebook nicht nur misstraut, sondern sie als Werkzeuge eines geschmeidigen Kapitalismus versteht, dem es so gelingt, uns alle freiwillig dazu zu bringen, unsere Daten preiszugeben. Das mag und wird so sein. Aber dennoch sage ich: Wenn mir das bewusst ist, dann kann ich dies auch subversiv nutzen. Um jetzt mal bei Facebook zubleiben, selbst denken heißt: Dieses Medium nutzen, um mich mit anderen zu verbinden, auszutauschen, zu vernetzen, zu organisieren und zu lernen. Wohl wissend, das Facebook mithört. Aber genau darin liegt der entscheidende Widerstandspunkt: Wohl wissend. Widerstand braucht Kanäle und die vorhandenen muss ich nutzen. Widerstandskämpfer/innen haben zu allen Zeiten gewusst, sich zu tarnen und zu bewegen vor den Augen der Öffentlichkeit.
Selbst denken ist entscheidend. Und Handeln da, wo ich es kann – und wo ich meine, mir einigermaßen über meine Beweggründe und mögliche Konsequenzen bewusst zu sein. Ich drücke mich da bewusst vorsichtig aus, weil ich schon damit rechne, dass die andere Seite auch Gegenspionage ins Feld führt. Scheitern, Fehler und Irrwege sind erlaubt, sagt Welzer, wenn ich das als evangelischer Christ nicht unterschreiben kann. Pecca fortiter machte Luther seinen Zeitgenossen Mut, sündige tapfer! Jawohl. Und dann neu anfangen. Immer wieder.

b) Der Theologe als Utopist

Utopie ohne Masterplan. Ende des Fortschrittsglaubens. Ende der Zeit zielgerichteter Planung zur Verbesserung von Lebensverhältnissen aller Menschen. Ende eines Traums, der einige Jahrhunderte geträumt wurde, viele Verbesserung von Lebensumständen geschaffen hat, aber auf Kosten der Zukunftsfähigkeit. Von einer Wachstumsreligion spricht Welzer, die auch die Innenwelt der Menschen infiziert hat (59). Ich glaube, auch die Theologie hat sich von dieser Hoffnung infizieren lassen. Der Mensch als Krone der Schöpfung. Schöpfung wurde lange als fortschreitender Transformationsprozess aufgefasst, der nie an ein Ende kommt. Bewahrung der Schöpfung, so lautete einer der innerkirchlichen Parolen, die aber häufig so missverstanden wurde, als sei es Aufgabe des Menschen, die Schöpfung zu bewahren, ein theologischer Irrtum (Vgl. in meinem Buch »Entgrenzung und Begrenzung von Arbeit«, S. 217-219). Diese theologische Erkenntnis, genauer: Unterscheidung gilt es heute auf allen Ebenen unseres kirchlichen und theologischen Lebens neu durchzubuchstabieren. Wir stehen da noch sehr am Anfang, fürchte ich. Und hoffe es.
Die Diskussionen um die »Große Transformation«, die z.B. 2012 auf dem Transformationskongress in Berlin geführt wurden, haben mir das vor Augen geführt. Wir suchen nach Plänen, nach einem Schlüssel, der uns die Zukunft zielgerichtet aufschließt. Wir sehen den Untergang kommen – und verfallen in mehr oder weniger hektische Aktivität, die letztlich ins Leere führt. Der direkt nach dem Kongress stattfindende Gipfel in Rio hat dies wieder deutlich gemacht. Utopie ohne Masterplan – der Ansatz des Kongresses war gar nicht verkehrt: Bündnispartner zu suchen. Im Denken, im Handeln. Und dabei um die eigenen Begrenzungen wissen, so schmerzlich sie sind. Aber Weltrettung ist nicht verheißen. Damit bin ich wieder ganz nach bei Welzer. Widerstands-Regel 8: Schließen Sie Bündnisse. 10: Sie haben keine Verantwortung für die Welt. 11/12: Wie ihr Widerstand aussieht, hängt von ihren Möglichkeiten ab. Und dem was Ihnen Spaß macht.
Spaß ist nun in der Kirche und in der Theologie ein verdächtiges Wort. Traditionell reden wir lieber von Pflicht. Allerdings meine ich, dass »Spaß« ein sehr schillerndes Wort ist. Es franst aus zu »Fun« und »Freude« und »Leidenschaft«. In den letzten beiden Begriffen sehe ich die Brücke. Spaß macht das, was mich zutiefst antreibt und zum Denken und Handeln bringt. Nach meinen Möglichkeiten, versteht sich. Für mich gehört dazu der Spaß an der Theologie. Am Schreiben. Anregen. Reflektieren, kommentieren, verbinden. Auch eine Form von Handeln. Eine von meinen.

c) Der Pfarrer als geschichtenerzählender Träumer

Und damit bin ich beim letzten Punkt. Als Pfarrer habe ich die wunderbare Möglichkeit, Sonntag für Sonntag auf der Kanzel die uralten Traditionen und Texte der Bibel auszulegen. Über Glaube und Gott und die Konsequenzen zu reden, die daraus folgen. Und unsere biblischen Traditionen sind voller Utopien und Visionen, die Menschen seit Jahrtausenden inspiriert und fasziniert haben. Es gilt »lediglich« die alten Schätze zu heben, den Texten zuzuhören und dann Geschichten von der Zukunft zu erzählen. Die biblische Tradition steht dabei in der Spannung zwischen »Schon jetzt« und »noch nicht«. Eine unauflösbare Spannung, die aber stets Menschen angetrieben hat und weiter antreibt.
»Schwerter zu Pflugscharen« eine Parole der Friedensbewegung.
Die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, die Vision vom friedlichen Zusammenleben in der Schöpfung (Jürgen Ebach sprach einmal vom Paradiesgarten als »utopischer Erinnerung«).
Die scharfen Bildworte eines Amos und Jesajas und Ezechiels, die Menschen den Atem verschlugen, sie aber nicht losließen.
Die Provokationen von Jesus von Nazareth, der von den Arbeitern im Weinberg genauso sprach wie vom Weltgericht, wo alle nicht an ihrem Glauben, sondern an ihrem Handeln gemessen werden.
Und all dies immer wieder verbunden mit scharfer, manchmal beißender Kritik an Herrschaftsverhältnissen, am Verhalten von Reichen, Königen und Priestern.
Wir haben als Pfarrerinnen und Pfarrer Schätze, die wir auslegen dürfen. Und auch gegen uns selbst ins Feld zu führen haben. In und durch diese Tradition sind wir aufgefordert, herausgefordert, ermächtigt, befähigt, geschichtenerzählende Träumer/innen zu sein. Nicht nur als Pfarrer/in. Kaum überbietbar einst in den Worten von Martin Luther-King formuliert – I have a dream. Bis heute faszinierend und anregend. Zum Träumen von – wenn nicht einer besseren Welt, dann doch – einem guten Leben. Die Bibel, der Glaube erzählen Gegen-Geschichten. Vielleicht sollten wir als Christinnen und Christen auf dieser Grundlage mehr Mut fassen als bisher, von einer guten Zukunft zu träumen und die Sorge und die Angst vor dem Untergang nicht in den Vordergrund zu stellen. Angst motiviert nicht.

»Es ist die Zukunft, die die Kriterien bestimmt, nach der in einer Gegenwart zu handeln ist,und da wir wissen, dass wir diese Zukunft nicht mit Expansion meistern werden, hätten wir schon mal ein Kriterium für das, was wir nicht mehr gebrauchen und aus dem Möglichkeitsraum aussortieren können. (…) Dieses Ziel, der gute Umgang mit der Welt, lässt sich rational nicht begründen und hat mit Wissen nicht viel zu tun: Es ist ein normatives Ziel. (…) Es gründet sich auf Hoffnungen, Wünsche, Träume und Gefühle – und auf eine Praxis, die solche Produktivkräfte des Zukünftigen ernster nimmt als alle Technik- und Machbarkeitsphantasien.« (246f.)

6 Gedanken zu “Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand (Harald Welzer) – Gedanken aus der Sicht eines Christen, eines Theologen, eines Pfarrers

  1. Ich weiss nicht, ob ich das Buch von Welzer selber lesen wollte, aber was du an Punkten herausstellst ist wirklich interessant:

    Sein Leben in Futur2 zu sehen->
    mache ich heute besonders wenn ich mich über Kleinigkeiten aufrege, um die Verhältnismäßigkeit herzustellen.

    Als Christ selber denken->
    sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein;
    bei der großen Menge der Informationen und Entscheidungen,mit denen wir uns täglich auseinandersetzen müssen, aber eine Herausforderung!

    Geschichtenerzählender Träumer
    -> das ist eine wunderbare Umschreibung von Verkündigung!
    Da fühle ich mich direkt angesprochen!

    Gefällt mir

  2. Grüß dich Matthias! Jetzt bin ich über Google auf deinen Artikel hier gestoßen. Ich habe Welzer letzten Freitag in Göttingen live erlebt bei einer Lesung. Hier ist er auch zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=GkKj7Xoe6dQ
    Sein Buch lese ich seit ein paar Wochen und freue mich, dass diese Gedanken nun „en vogue“ sind (ich hatte sie ebenfalls auch schon vorher, wie du es ebenso hier angedeutet hast). Mal sehen wie es weiter geht (auf dem Weg zum Transformationsdesign). Bis bald wieder!

    Gefällt mir

  3. Hallo Sebastian, freut mich! 🙂
    Für mich geht es erst mal so weiter, dass ich dabei bin, aus den Gedanken von Welzer und anderen heraus ein Buch zu schreiben, was diese und andere Ansätze für das Leben der Kirche(ngemeinden) bedeuten können.

    Gefällt mir

  4. Ich vermute einmal Welzer zielt mit „Achtsamkeit“ und „selber denken“ auf buddhistische Prinzipien (Kalama Sutta), auch im Sinne der „Buddhist Economy“ des E.F. Schumacher (1966). Zitat: „Buddhist economics must be very different from the economics of modern materialism, since the Buddhist sees the essence of civilization not in a multiplication of wants but in the purification of human character. Character, at the same time, is formed primarily by a man’s work. And work, properly conducted in conditions of human dignity and freedom, blesses those who do it and equally their products.“

    Das Paper ist frei im Netz verfügbar und auch in „Small is Beautiful“ abgedruckt.

    Die Kirchen – ist es nicht so, daß „Die Wirtschaft“ längst eine eigene Religion geworden ist, die alle anderen Religionen mit all ihrer vermeintlichen Wahrheit, Absolutheit und Alternativlosigkeit verdrängt? Geld und Glaube sind eng verwoben, wie es der Anthropologe David Graeber in seinem umfangreichen Weltbestseller „Debt – the First 5000 Years“ haarklein darlegt – ebenso eng wie Geld und Kriegshandwerk. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, daß die Marketing- und Manipulationsmethoden wirtschaftlicher Akteure denen der Kirchen historisch sehr ähnlich sind. Macht- und Absolutheitsanspruch drücken sich auf vielen Ebenen aus, von Lobbyarbeit über Monumentalarchitektur (ich finde der Commerzbank Tower in Frankfurt hat etwas kirchenhaftes an sich, besonders golden beleuchtet bei nacht) bis hin zu Korruption und umfassenden Verbrechen, da man sich jenseits der Gesetze wähnt, die für gewöhnliche Menschen gelten. Dabei wissen viele der Hohenpriester der Glaubensgemeinschaft der Ökonomen (Binswanger) sehr wohl, daß sie ein Lügengebäude bewohnen. Wie sieht das bei den Kirchenleuten aus? Menschen benötigen Spiritualität, Richtung, Gemeinschaft – all das kann Kirche bieten. Aber was ist mit all den Menschen, die schlicht nicht an etwas glauben können, das bronzezeitlicher Phantasie entsprungen ist? Kann Kirche sich so weit reformieren, daß sie auch noch ins 21ste, 22ste und 24ste Jahrhundert passt und auch die, (nennen wir sie mal so) technisch wissenschaftliche „Intellektuelle Elite“ mitnimmt? Ich kann mir das nicht vorstellen, auch wenn ausgerechnet von katholischer Seite über Franziskus ja zumindest Signale kommen die auf Anpassung der Glaubenslehre an die Wirklichkeit hoffen lassen. Ich bin Atheist, aber mir ist auch klar, daß sehr viele Menschen einen Halt benötigen, ohne den sie ziellos umherirren. Nicht jeder kann dem Blick von Nietzsches Abgrund standhalten. Geistig gesunde Menschen brauchen das Gefühl, Teil von etwas zu sein, und für die meisten Menschen ist dieses Gefühl wiederum Voraussetzung dafür, geistig gesund zu bleiben. Die Konsumwelt ist allerdings seelenlos. Eher ein Seelenfresser der ein Loch in unser Innerstes beißt, daß wir dann mit immer mehr Konsum füllen sollen – was niemals klappt. Ein spirituelles Loch lässt sich mit materiellen Dingen nicht stopfen – mit Dingen, an die man unmöglich glauben kann, aber ebenfalls nicht.

    Gefällt mir

  5. Pingback: Stadt, Land, Überfluss « Verrückte Wissenschaftler

  6. Pingback: Die Kraft der Vorerinnerung oder: Kirche und Zukunftsforschung | matthias jung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s