Privat, öffentlich, persönlich, dienstlich.

»Was ist privat?
Was ist zugänglich?
Was ist öffentlich?
Und für wen?
Es entsteht eine ganz neue Zwischenform: Social Media ist persönlich, aber nicht privat.«

(Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach)
Social Media ist für eine missionarische Kirche notwendig (Folie 15)

Anlass

Letzten Freitag auf dem Facebook-Round-Table der EKiR ging es auch wieder um die Abgrenzung zwischen privat und dienstlich, öffentlich und privat, persönlich und privat, persönlich und dienstlich.

Jenseits der logischen Konsequenz, dass sich Amtsträger/innen über ihre jeweilige Rolle im Klaren sein müssen und diese entsprechend deutlich kommunizieren, stellt sich für mich die Frage nach der Abgrenzung und Beschreibung der Begriffe. Dabei ist mir die Slideshow von Wolfgang Lünenburger wieder eingefallen. Schon beim ersten Betrachten vor einiger Zeit war ich an dem Satz hängengeblieben:

Social Media ist persönlich, aber nicht privat.

Die Diskussion am Freitag zeigte mir noch einmal auf, dass hier oftmals noch unklar gedacht, geredet und geschrieben wird, privat z.B. häufig mit persönlich verwechselt wird. Daher mache ich für mich den Selbstversuch von Beschreibungen und stelle sie zur Diskussion.

Privat

Privat ist all das, was ich nur meiner Familie oder den engsten Freund/inn/en erzähle. Das hat nichts in der weltweiten Öffentlichkeit zu suchen. Dazu gehören auch Anteile des Glaubens (Matthäus 6,6 BigS: » Wenn du also betest, geh in dein Zimmer, verschließe die Tür und bete zu deinem Gott, dem Unsichtbaren. Gott, Vater und Mutter für dich, sieht das Unauffällige und wird es dir anrechnen« ), und das gilt auch für uns Pfarrersleute, die wir ständig über (unseren) Glauben sprechen und zu sprechen haben. Die Grenzziehung ist hier allerdings stets individuell und d.h., ich habe es bei anderen Menschen zu respektieren, was für sie als privat gilt. Und hoffe umgekehrt darauf, dass auch mit mir so umgegangen wird.

Öffentlich

Öffentlichkeit ist ein Killerwort… Unendlich groß, mit unzähligen Assoziationen, Facetten und Emotionen verbunden. Streng genommen tendiert alles, was ich nicht privat bewusst für mich behalte, zur Öffentlichkeit. D.h., ich muss damit rechnen, dass alles, was ich sage oder tue tendenziell öffentlich werden kann (aber nicht muss). Übers Internet, über die Tageszeitung, über die Gerüchteküche in der Gemeinde… Öffentlich heißt dann: Es kann irgendwer »irgendetwas« von mir sehen, hören, wahrnehmen – und damit auch aufnehmen, weitergeben, bewerten. Die entscheidende Frage lautet daher, wie ich mich persönlich in Szene setzen möchte.

Persönlich

»Persönlich« ist immer eine Inszenierung. Persona war die Maske oder die Rolle des Darstellers, der Darstellerin im griechischen Schauspiel. Ich inszeniere mich als Person bewusst oder unbewusst. Manchmal gezielt, manchmal intuitiv. Ich erzähle von mir, poste Texte, Bilder, Videos etc. Als Leitlinie in der Diskussion stellte sich am Freitag für mich heraus:

Rede und schreibe in den Sozialen Netzwerken nicht anders als in der Gemeinde.

Von daher muss ich die Regularien der Kommunikation im Social-Media-Bereich kennen, um mich persönlich verhalten zu können, genauso wie das für andere Kommunikationszusammenhänge gilt. Auf dieser Linie liegt Sinn und Zweck der Social Media Guidelines, deren Entwurf wir am Freitag diskutiert haben, eine Art »Knigge« für Facebook, Twitter und Co.
Aber es gibt auch ein Problem: Wir sind häufig in der Lage, auch zwischen den Zeilen zu lesen. D.h. auch nonverbal vermittele ich »Botschaften« von mir und über mich: durch meine Haltung, meine Gestik, Mimik und Stil – und so kann auch »Privates« überkommen. Dies ist aber ein grundsätzliches Problem von Kommunikation, nicht nur im Social Media Bereich. Aber die dauerhafte Speicherung der Texte, Bilder, Videos ermöglicht hier auch gezielte »Auseinandersetzung« mit meiner Ausstrahlung, meiner Person etc. Dies ist aber ein unlösbares Problem.

Dienstlich

Dienstlich ist all das, was ich im Rahmen meiner Beauftragung und d.h. für mich als Pfarrer im Rahmen meines Ordinationsversprechens tue. Insofern ist für mich als Pfarrer die persönliche Inszenierung Teil des Dienstauftrages, auch wenn es in vielen Fällen keine »direkte« Beauftragung für dies und jenes durch den/die »direkten« Dienstvorgesetzte/n und/oder das Presbyterium gibt. Beispiele: seelsorgerliche Anfrage per Mail aus Schwerin oder Lindau auf eine Predigt von mir, Teilnahme am Facebook-Round-Table der EKiR, theologische Reflexion über Gegenwart und Zukunft von Kirche in einem Blogbeitrag.

Fazit

Es ist nicht möglich, zwischen den vier Begriffen trennscharf zu unterscheiden. Es ist vermutlich auch kaum möglich, sie in Kürze hinreichend zu definieren. Zur Frage, was persönlich ist oder Öffentlichkeit bedeutet, sind schon dicke Bücher geschrieben worden. Es geht eher darum, im eigenen Kommunikationsverhalten diese vier Ebenen oder auch Dimensionen überhaupt im Blick zu halten. Ich habe es als Pfarrer mit allen vier Bereichen von Kommunikation ständig zu tun. Allein dies im Bewusstsein zu halten, führt für mich schon zu mehr Achtsamkeit bei dem, was ich rede oder schreibe, wo auch immer.

13 Gedanken zu “Privat, öffentlich, persönlich, dienstlich.

  1. Reblogged this on Θ TheoNet.de and commented:
    Wer bin ich auf Facebook? Privatperson oder dienstlicher User? Wer auf Twitter? Welche Fotos teile ich auf Flickr an wen? Welche Videos lade ich nach YouTube hoch? Wer kann was sehen? Wie gruppiere ich meine Kontakte? Was soll für alle zugängliche sein, was ist privat, was persönlich und was dienstlich? Matthias Jung gibt in seinem Blogpost wichtige Hinweise.

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  3. Lieber Matthias,

    das hast Du gut zusammen gefasst! Wichtig ist, dass man sich in seiner Kommunikation (egal in welchem Medium) immer klar sein muss, in welcher Rolle man mit wem kommuniziert: Ich kann mich noch in den 70ern an die Diskussion erinnern, als der Gemeindepfarrer seine parteipolitische Bindung an seinem Privat-PKW mittels Aufkleber kund tat…

    Im Netz muss man „nur“ beachten, dass es nichts vergisst, und man nicht, wie in einem Gespräch, seine Äußerung erklären oder notfall relativieren kann.

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  4. Kann man schon, aber nicht direkt und deswegen können dann die Emotionen wabern. Wobei: So was gabs „früher“ auch schon bei der Schneckenpost, dass du tagelang gegrübelt hast, wie die- oder derjenige das wohl gemeint haben könnte…

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