Sport, Sonntag, Auferstehung – oder auch: spielerisch, leicht, gemeinsam leben

Predigt am 3. März 2019

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Bewahre den Sabbat!
Halte ihn heilig.
So wie Gott es dir geboten hat.
Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk verrichten.
Doch der siebte Tag gehört Gott.
Da verrichte keinerlei Werk.
Weder du.
Noch dein Sohn und deine Tochter.
Noch dein Sklave und deine Sklavin.
Noch dein Rind, dein Esel und all dein Vieh.
Noch deine Fremdlinge in deiner Stadt.
Damit dein Sklave und deine Sklavin ihre Ruhe haben.
So wie du.
Erinnere dich daran:
Als du selbst ein Sklave, eine Sklavin in Ägypten warst:
Da führte dich Gott mit starker Hand und mit erhobenem Arm von dort heraus.
Darum gebietet dir Gott, den Sabbat zu begehen.
(Deuteronomium 5,12-15, Bibel in gerechter Sprache)

Liebe Gemeinde!
Sport verbindet.
Sport macht Spaß.
Sport ist gesund.
Sport und Spiel hängen untrennbar zusammen.
Und Spiel mit Leichtigkeit und Kreativität.
Ich bin sicher:
Auch das Volk Israel hat in der Wüste Sport betrieben.
Miteinander gespielt und viel Spaß gehabt.
Es kann gar nicht anders gewesen sein.
Denn es ist so menschlich.
Sport ist leicht und spielerisch und begeistert die Herzen.

Vielleicht war es früher eher im Tanz, im Ritual.
Da sind die Grenzen fließend.
Noch im Mittelalter gab es rituelle Ballspiele im Gottesdienst.
Am Ostermorgen spielten die Priester vor dem Altar Ball miteinander.
Sie warfen sich den Ball hin und her.
Und symbolisierten so:
Auferstehung ist leicht und spielerisch und lebendig.
Und ich traue mich und sage:
In diesem Sinne ist auch die Auferstehung sportlich.

Heute ist der Tag des Internationalen Tag des freien Sonntags.
Spitz könnte man sagen:
Es gibt einen Gedenktag für irgendetwas?
Dann steht es in aller Regel schlecht darum.
In der Tat:
Der freie Sonntag steht unter Druck.
Holzschnittartig gesagt:
Unternehmen wünschen sich möglichst flexible Produktionszeiten.
In der globalen Zusammenarbeit gibt es keinen globalen Ruhetag.
Irgendwo wird immer gearbeitet und ich muss mich dem anpassen.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen sich am Sonntag shoppen gehen zu können.
Da haben wir Zeit.
Andere schätzen die Sonn- und Feiertagszuschläge sehr.

Ich gehe mal einen Schritt weiter und frage:
Ist es nicht letztlich egal, wann ich meinen freien Tag in der Woche habe?
Hauptsache, ich habe ausreichend Ruhe in meinem Leben?
Diese Einstellung passt in unsere Zeit.
Margret Thatcher hat sie vor dreißig Jahren in die Worte gegossen:
„There ist no such thing as society.“
Auf deutsch:
„So etwas wie die Gesellschaft gibt es nicht.
Es gibt nur einzelne Männer und Frauen und es gibt Familien.
Keine Regierung kann existieren, ohne dass die Menschen zunächst für sich selbst sorgen.“
(Thatcher in einem Interview1987)
Immerhin, die Familie kommt noch vor.

Keine Frage, der Individualismus ist auf dem Vormarsch.
Seit Jahrzehnten.
Sinnbildlich für mich in der berühmten sogenannten „Losgröße 1“.
Jede und jeder bekommt das Auto, die Küche, die Kleidungsstück in einer einmaligen Art und Weise.
Weil wir eben so einmalig sind, brauchen wir einmalige Autos und Kleidungsstücke. Losgröße 1 eben.
Nichts mehr von der Stange.
Von allen Dingen gibt es genau eins.
Meins.
Individualismus auf die Spitze geschrieben.
Keinesfalls überall verwirklicht, klar.
Aber die Richtung stimmt.
Und das beeinflusst mein Denken und vor allem:
Mein Fühlen.

Auch im Sport erleben wir das.
Ich selber bin auch so jemand:
Ich drehe meine Runden am liebsten allein um den Maschsee
Mein Tempo, meine Gedanken, meine Musik, mein Podcast.
Ruhe und Erholung pur.
Oft auch Inspiration.

Und doch.
Da gibt es noch etwas anderes.
Das Gemeinschaftsgefühl.
Das Gefühl, wenn viele etwas gemeinsam tun.
Oder auch lassen.
Der Sonntag ist nach wie vor ein gemeinsamer Ruhetag.
Trotz aller Aufweichungen.
Gehen Sie mal sonntags durch Hannover oder irgendeine andere Stadt.
Es ist in der Regel – ruhig.
Ruhiger als am Montag oder Samstag.
Und das tut gut.

Deswegen sind die Gemeinschaftserlebnisse im Sport so schön, so spannend, so hilfreich.
Gemeinsam Handball oder Volleyball spielen.
Oder auch gemeinsam Fußball gucken.
Und auch die Marathonläuferin träumt doch davon:
Einmal zusammen mit den Abertausenden durchs Brandenburger Tor laufen.
Sie wird den Moment ihr Leben lang nicht vergessen.
Warum?
Weil sie mit vielen anderen gemeinsam durchgelaufen ist.

Sport gehört für mich zum Ruhetag.
Und der gemeinsame Sport ist für mich ein Zeichen der Freiheit.
In unserem Predigttext wird der Ruhetag an die Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten gebunden.
Sklaverei?
Völlig fremdbestimmtes Arbeiten und Leben.
Freiheit?
Selbst bestimmen können.
Sonntag?
Sich erinnern können.
Die Hamsterräder stehen still.
Es ist ruhig.
Wir kommen zur Ruhe.
Wir können uns gemeinsam erleben.

Es heißt im Predigttext:
Der Sabbat gehört Gott.
Es gibt einen Tag, der anders ist als alle anderen.
Der wird freigehalten von ökonomischen und anderen Zwängen.
Arbeit soll nicht versklaven.
Arbeit ist nicht alles im Leben.
Auf dieser Linie liegt in Israel auch die Tradition des Jubel- oder auch Erlassjahres:
Die Befreiung von Schulden nach sieben mal sieben Jahren.
Denn niemand soll ein Leben lang versklavt leben.
Der Sabbat, der Sonntag ist das Symbol der Befreiung.
Befreiung von den Zwängen, die versklaven.
Befreiung von etwas ist aber immer zugleich Befreiung zu etwas.
Befreiung zur gemeinsamen Unterbrechung der alltäglichen Abläufe und Zwänge.

Ruhe pur und die Herzen werden leicht.
Sport ist eine wunderbare und so spielerische Art und Weise, diese Freiheit gemeinsam zu leben und zu feiern.
Ich erinnere noch mal an dieses skurril klingende Ritual im Ostergottesdienst:
Die Priester spielten Ball miteinander.
Ich kann mir das überhaupt nicht anders vorstellen, als dass die Gemeinde sofort anfängt zu lachen und mitzufiebern.
Und vielleicht die Arme ausstreckt und ruft:
Hey, wir wollen auch mit spielen.
Ich habe hier einen Ball,.
Lasst uns mal die Probe aufs Exempel machen.

  • Spontanes Ballspiel im Kirchraum –

Genau darum geht es.
Gemeinsam lachen.
Gemeinsam spielen.
Gemeinsam die Befreiung feiern.
Gemeinsam sich an der Auferstehung freuen.
Jeden Sonntag neu.
Zeichen des Lebens in einer oft so lebensfeindlichen Welt.
Amen.


Während des Gottesdienstes führten Pastorin Christine Schröder und ich ein Interview mit Jennifer Schütze (aktive Handballerin) und Norbert Engelhardt (stellv. Vorsitzender des Landessportbundes Niedersachsen).

Hier gibt es einen Mitschnitt zum Nachhören:

Interview hören oder downloaden

Jennifer Schütze und Norbert Engelhardt

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