Arbeitswelt 4.0

Thesen des KDA-Bundesausschusses Arbeit und Technik

Drei Jahre lang haben Referent/innen des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung in der Arbeitswelt befasst. Als wir 2015 anfingen, lautete unsere Leitfrage: Was ist eigentlich „Industrie 4.0“? Wir waren bei Bosch und Kuka, bei VW und Still, wir haben mit Wissenschaftler/innen und Gewerkschaftler/innen gesprochen und vor allem untereinander heiß diskutiert. Der Fokus verschob sich von Industrie 4.0 über Wirtschaft 4.0 hin zu Arbeitswelt 4.0. – und das ist eine inhaltliche Aussage.

Als Zwischenergebnis unseres Reflexionsprozesses haben wir sechs Thesen verfasst, die mittlerweile vom Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt der EKD (KWA) mit Grafiken schön aufbereitet wurden. Ich dokumentiere hier die sechs Thesen, die dazu gehörenden Erläuterungen finden sich in der vollständigen PDF, der Link steht unter den Thesen. Wir freuen uns über Rückmeldungen, Kommentare, kritische Anmerkungen, weil es uns wichtig erscheint, dass das riesengroße Trendthema umfangreich, ausführlich und kontrovers diskutiert wird.

Zum 1. Mai wird auch das neue Themenheft des KWA erscheinen, an dem unser Bundesausschuss Arbeit und Technik (so lautet die Bezeichnung unseres Arbeitskreises) mitgewirkt hat. Es hat den Titel: „App in die Zukunft – den digitalen Wandel gestalten“ – und auch hier zeigt sich allein im Titel erneut, dass die Diskussion fortschreitet.

1. These Ungleichzeitigkeiten und Ungleichheiten
Wir beobachten mehrfache Ungleichzeitigkeiten in der digitalen und gesellschaftlichen Entwicklung. Diese haben Auswirkungen auf die Ungleichheiten in der Gesellschaft, Menschen und Unternehmen sind unterschiedlich betroffen. Dieser Trend wird sich fortsetzen und verstärken.

2. These Potentiale
Ausgehend von dem Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, ist es Aufgabe der evangelischen Kirche und des KDA, sich für eine gute Lebensgrundlage für alle Menschen einzusetzen. Daher unterstützen wir Initiativen von Personen und/oder Unternehmen, die (neben dem Mainstream) mit alternativen Ansätzen kreativ auf die Ungleichheiten und die Herausforderungen einer Transformation im digitalen Zeitalter reagieren.

3. These Verschärfung von bereits vorhandenen Spaltungen
„The winner takes it all“ – dieser Satz bewahrheitet sich auch im Zuge der Digitalisierung. Wer Standards setzen kann, bestimmt die Entwicklung und erzielt gigantische Erlöse (Google, Facebook usw.). Die Spaltungen in unseren Gesellschaften verschärfen sich und mit der Digitalisierung aller Lebensbereiche werden zugleich neue Spaltungen geschaffen („digital divide“). Die soziale Ungerechtigkeit wird zunehmen.

4. These Notwendige Ordnungs- und Gestaltungspolitik
Die Potenziale der Digitalisierung sind sowohl geeignet, Beiträge zur notwendigen zukunftsfähigen Transformation von Wirtschaft und Arbeit zu leisten als auch den Prozess der Zerstörung und Aufheizung des Planeten weiter anzufachen. Die Implementierung digitaler Systeme muss daher ordnungspolitisch durch Regelsetzung begleitet und unter Mitwirkung der Menschen auf allen Ebenen gestaltet werden. Hier muss auch die Mitbestimmung in Betrieben überdacht und angepasst werden, um Arbeitnehmerrechte zu stärken und zu schützen. Ebenso sind die Auswirkungen der Digitalisierung auf die sozialen Sicherungssysteme im Blick zu halten, um den Spaltungstendenzen entgegenzuwirken.

5. These Herausforderung: Organisationen neu denken
Herkömmliche Vorstellungen von Organisationen lösen sich in der 4.0-Welt auf. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf das Verständnis von Betrieb als Ort des Wirtschaftens, sondern wird sich auch auf andere Organisationsformen (Staat, Verbände etc.) auswirken und stellt am Ende auch kirchliche Strukturen vor ungeahnte Herausforderungen.

6. These Neujustierung von Persönlichkeitsrechten
Alle Menschen hinterlassen im Zeitalter der Digitalisierung Datenspuren im virtuellen Netz. Die fehlende Kontrolle über die vernetzte Verbreitung personenbezogener Daten weckt Ängste und Widerstände. Dieser entgrenzenden Entwicklung muss wirkungsvoll mit gesetzlichen Regelungen und ethischer Bewusstseinsbildung begegnet werden, um eine informationelle Selbstbestimmung zu sichern. Solche datenschutzrechtlichen Fragen müssen interdisziplinär diskutiert und beantwortet werden.

Link zum vollständigen Text: Arbeitswelt 4.0

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