Rezension: Martin Dreyer, Jesus Freak: Leben zwischen Kiez, Koks und Kirche

Spätestens seit dem Erfolg der Volxbibel ist Martin Dreyer einem größeren Publikum bekannt. Christliche „Insider“ erinnern sich aber auch an die Jesus-Freaks, die um die Jahrtausendwende von sich reden machten und deren Gründer und Leiter Martin Dreyer war. Nun hat er eine bemerkenswerte Autobiografie vorgelegt.

Bemerkenswert ist das Buch in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist die Lebensgeschichte Dreyers spannend wie ein Krimi. Erfolge und Niederlagen, Sex, Drogen und Musik. Keine einlinig verlaufende Lebengeschichte und auch keine simple „vorher-nachher“ Bekehrungsgeschichte. Nein, es geht auf und ab, der erfolgreiche Jesus Freak ist 1999 fast am Ende, trotz all seiner Glaubenserfahrungen.

Zum anderen ist Dreyer unglaublich ehrlich und offen in seinen Schilderungen. Ich bin mir zwar sicher, dass er die ein oder andere persönliche Erfahrung für sich behält oder einige Dinge verschleiert darstellt (er gibt auch selbst Hinweise darauf), aber auch das, was er beschreibt, verschlägt einem mehr als einmal den Atem.

Seine Liebe und Verehrunng gilt Jesus, dem er sein Leben verdankt, wie so viele andere, die im Drogensumpf versunken waren. Auch wenn ich an manchen Stellen theologisch anders denke und formuliere, ich kann erahnen, was diese Form der Frömmigkeit, die Dreyer einst im Umfeld der charsimatischen Bewegung kennengelernt hat, für ihn bedeutet.

Am Ende sitzt – das Bild ist tatsächlich im Buch – ein nachdenklicher Mensch und Christ auf dem Sofa und hält seine einjährige Tochter im Arm. Einer, der mit den Jahren ruhiger und entspannter geworden ist, aber an seiner Leidenschaft festhält, Menschen, vor allem jungen Menschen Jesus und damit den christlichen Glauben weitergeben zu wollen und zu können. Mit der Volxbibel ist er da schon sehr erfolgreich, diese Biografie ist geeignet, Menschen von der Macht und der Möglichkeit des Glaubens zu überzeugen oder sie doch zumindest nachdenklich zu machen. Dreyer findet Worte und Wege zu Menschen, die andere so nicht finden. Und das finde ich schön und auch etwas erleichternd, denn  – so kann ich nicht mit Jugendlichen sprechen. Neben der Volxbibel kann ich aber jetzt auch auf diese Biografie verweisen, und das werde ich tun, trotz der theologischen Unterschiede, die ich – wie schon gesagt – sehr wohl sehe (mit der charismatischen Bewegung musste ich mich vor 25 Jahren im Examen auseinandersetzen, daher sind mir Pfarrer wie Wolfgang Kopfermann und viele der von Dreyer beschriebenen Phänomene nicht unbekannt).

Kleine persönliche Anmerkung. 2011 hatten wir Martin Dreyer zu einer Lesung und einer Predigt im Jugendgottesdienst in unsere Gemeinde eingeladen. Zwei sehr schöne Veranstaltungen, zwischendurch hatten wir ein sehr entspanntes und lockeres Gespräch bei uns im Wohnzimmer. Unvergeßlich bleibt mir dann aber, wie er im Jugendgottesdienst aufsteht, seinen Laptop nimmt, ihn auf unser Stehpult stellt, aufmacht – und die Predigt vom Display abliest. Den zahlreichen Jugendlichen und den ebenfalls etlichen anwesenden Erwachsenen fielen fast die Augen aus dem Kopf. So ist er. Und das ist gut so!

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