Am Ende war es ganz leicht – in memoriam Wilhelm Jung

Am Ende war es ganz leicht – in memoriam Wilhelm Jung

Am Ende war es ganz leicht
Ein paar letzte Atemzüge
Ganz friedlich lag er da
Und dann war es vorbei

Am Ende war es ganz leicht
Der Weg dahin war schwer
Schmerzen ohne Ende
Und langsam immer weniger werden

Am Ende war es ganz leicht
Ein Glücksfall
Sechs Wochen im Hospiz
Und dort gut aufgehoben

Am Ende war es ganz leicht
So viel Besuch
Von Freund/-innen und aus der Familie
Und von uns an jedem Wochenende

Am Ende war es ganz leicht
Er wusste es und wir auch
Doch er sprach nicht über den nahenden Tod
Und es war gut so wie es war

Am Ende war es ganz leicht
Doch für uns war jeder Abschied schwer
Schade sagte er einmal als wir gehen mussten
Und winkte uns aus dem Fenster nach

Am Ende war es ganz leicht
Noch zuletzt grinste er verschmitzt wie immer
Freute sich riesig über sein neues Fairphone
Und über süßen Kuchen jeden Nachmittag

Am Ende war es ganz leicht
Ihn los zulassen
Bei aller Traurigkeit
Und voller Dankbarkeit

Am Ende war es ganz leicht
Er schaut nun was er geglaubt hat
Eine blühende Landschaft voller Freude
Und Glück

Wilhelm Jung 10.05.1939 - 01.12.2017

Wilhelm Jung 10.05.1939 – 01.12.2017

Bestattungskultur damals und heute – Fazit einer Studienreise nach Paris mit Friedhofserkundigungen

Die diesjährige Studienreise des KDA/Niederrhein und Mitarbeitenden aus dem Kirchenkreis Leverkusen ins Foyer le Pont/Paris hatte das zunächst sperrig klingende Thema: Bestattungs- und Friedhofskulturen im Wandel. Doch schon kurz nachdem Prof. Reiner Sörries, Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel, mit seinem Vortrag über den Umbruch im Bestattungsverständnis Anfang des 19. Jahrhunderts gestartet war, zeigte sich, wie hochaktuell diese Frage ist.

Um 1800 ändert sich viel im Verständnis von Bestattungen und dem Denken darüber. Und Paris, so Sörries, war seinerzeit Kernort europäischen Denkens über den Tod. Von daher formulierte er pointiert: „Bestattungskulturell sind wir alle Kinder der Französischen Revolution.“

Napoleon regelt das Bestattungswesen neu. Bestattung wird nun als kommunale Aufgabe verstanden. Es durfte nicht mehr in den Städten und Kirchen beerdigt werden, sondern nur noch vor den Städten. Ein radikaler Umbruch. Honorationen und Zünfte, die in den Kirchgebäuden ihre Graborte hatten, waren entsetzt. Man stelle sich vor, so Sörries, man würde heute unsere vertrauten Friedhöfe auflösen und eine gänzliche andere Form der Bestattung vorschreiben, dann kommt man in etwa an die Gefühlslage heran. Aber nicht nur in Frankreich, überall in Europa vollziehen sich ähnliche Entwicklungen, unter Napoleon allerdings zugespitzt, weil er die Aufsicht durch die staatliche Obrigkeit verfügt und Kirchen Macht ein Geldeinnahmequellen entzieht.

Eckpunkte waren in Frankreich: Es musste Abstand zu bewohnten Flächen eingehalten werden, jede Beerdigung fand ab nun im eigenem (Reihen-) Grab statt, eine Ruhezeit wurde eingeführt. (5 Jahre). Der uns heute vertraute Satz: „Trauer braucht einen Ort“ gilt erst seit 200 Jahren. Früher war der Trauerort die Kirche und fand vor allem im spirituellen Totengedenken statt.. Hier begann durch die eindeutigen, persönlichen Gräber die Ablösung des spirituellen durch ein materielles Gedenken. Erst heute, so Sörries, wird die Radikalität dieses Neuansatzes erkennbar bzw. ist sie im Empfinden der Bevölkerung verankert, zur Gewohnheit geworden. Und zwar in der Vielfalt der Besttatungsformen und dem Wunsch, immer individueller handeln zu wollen. Allerdings gibt es auch Entwicklungen, die dem „Friedhof für alle“ unter der staatlichen Aufsicht entgegenlaufen. Menschen, die im Leben verbunden waren, suchen nach Möglichkeiten, an gemeinsamen Orten begraben zu werden. Dies beginnt beim HSV-Grabfeld und endet noch lange nicht beim AIDS-Friedhöfe.

Die Diskussion begann mitten im Vortrag durch – gewünschte – Zwischenfragen und Statements, welche die ganze Bandbreite der Fragen von Bestattungen, Trauerfeiern und Trauerverständnis und -formen berührten. Nur ein paar Stichworte aus der Diskussion:

– Trauer braucht ihre Zeit, ja – aber wie lange? Steht Trauer so nicht  in der Gefahr, Trauer „unnötig“ auszuweiten? Das altherkömmliche Trauerjahr macht so gesehen Sinn.

– Gibt es Ideen, Ansätze, evangelische Friedhöfe erkennbar evangelisch sein zu lassen und so zu einer „corporate identity“ beizutragen? Derzeit unterscheiden sich konfessionelle Friedhöfe in den Vorschriften zur Grabgestaltung kaum (mehr) von kommunalen Friedhöfen.

– Welche Aspekte machen aus einer Trauerfeier eine evangelische Trauerfeier? Sörries vertrat die Auffassung, dazu gehören Hinweis auf die Vergänglichkeit, Hinweis auf die Hoffnung und die Biografie des/der Verstorbenen. Nach seiner Beobachtung unterschreiten viele Trauerfeiern evangelischer Pfarrer/-innen diese Standards.

– Wie verändert in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Digitalisierung unserer Welt auch den Trauerprozess, das Verständnis von Leben und Tod bzw. der Hoffnung angesichts der Endlichkeit?

Am zweiten Tag besichtigten wir mit Führungen den Cimeterie de Montmartre und Père Lachaise. Die Vielfalt der Grabgestaltungen und die sehr unterschiedlichen Anlagen ließen mich an vielen Stellen noch einmal die Diskussionen des Vortags Revue passieren und die Gespräche untereinander bei den mehrstündigen Rundgängen vertieften diese Eindrücke ebenfalls. Die drei Bildergalerien auf diesem Blog von den beiden Friedhöfen spiegeln daher wieder, was mir auf diesem Hintergrund ins Auge fiel.

Die drei Bildergalerien:

Cimeterie de Montmartre

Père Lachais (I)

Père Lachais (II)