Zeitenwende

Heute früh stand ich auf, kochte wie jeden Morgen Kaffee und las die aktuellen Nachrichten. Die Nachricht vom Überfall Putins auf die Ukraine fuhr mir direkt in die Glieder. Zeitenwende, dachte ich sogleich.

Im nächsten Moment erinnerte ich mich an den Morgen des 16. Januar 1991. Damals machte ich den Fernseher an und erfuhr vom Angriff der USA und ihrer Verbündeten auf die irakischen Besatzungstruppen in Kuwait. Seinerzeit war die Sorge groß, dass Saddam Hussein die Ölfelder anzündet und damit eine globale Katastrophe auslöst. Gott sei Dank, es kam anders. Die Ölfelder brannten zwar, aber nicht lange.

Im Januar 1991 war es gerade zwei Monate her, dass wir als Familie ins Pfarrhaus gezogen waren und ich meine erste Pfarrstelle angetreten hatte. Ich dachte an diesem Morgen: Was soll jetzt werden? Was werden meine Kinder jetzt und in Zukunft erleben?

Diese Gefühle standen mir heute wieder vor Augen. Ich bin zwar dreißig Jahre älter, und unsere drei Kinder auch. Aber mein Enkel ist erst wenige Monate alt.

Zeitenwende.

Wie wird die Welt aussehen, in der er groß wird, meine Kinder ihr halbes Leben leben werden und meine Frau und ich, nun ja, wer weiß, wie viele Jahre uns noch vergönnt sein werden. Oder werden wir sie erleiden?

Zeitenwende, das Gefühl werde ich grade nicht los. Vielleicht irre ich mich. Wie „wir“ uns 1991. Aber auch damals wurde keineswegs alles gut, auch wenn die globale Verdunkelung nicht kam. Zehn Jahre später krachten Flugzeuge ins World-Trade-Center.

Wenn wir heute an einem Scheidepunkt stehen, dann hoffe ich, dass wir kluge Entscheidungen treffen. Als Politiker:innen, als Verantwortliche, als Bürger:innen. Da bringt einer, Wladimir Putin, gerade unsägliches Leid über Frauen, Kinder, Männer in der Ukraine. Und in Russland. Ich hoffe und bete, dass seine Taktik nicht aufgeht, „uns“ in Angst auseinander zu treiben. Bleiben wir in Furcht und Angst beieinander, dann können wir widerstehen.

(Foto: Pixabay)

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