Sechs Bücher, die mich 2021 beeindruckt haben

Ein Ritual in den letzten Jahren: Zwischen Weihnachten und Silvester sechs Bücher auswählen, die mich im zu Ende gehenden Jahr besonders beeindruckt haben. Meine Liste für 2021 sieht so aus, ich skizziere die Bücher in der Reihenfolge, in der ich sie gelesen habe:

Harald Sommerfeld, Mit Gott in der Stadt: Ein dickes Buch mit vielen Beobachtungen und Erfahrungen, die mich angeregt haben. In diesem Buch stoße ich u.a. auf das Konzept von Mark Granovetter, in dem er die Stärke der schwachen Beziehungen beschreibt – für mich eine wissenschaftliche Bestätigung, dass meine Leidenschaft für Treffen im Café Sinn ergibt.

Robin Wall Kimmerer, Geflochtenes Süßgras: Das Buch war für mich eine spirituelle und sprachliche Horizonterweiterung. Mehr dazu habe ich hier geschrieben: Selbst eine verwundete Welt hält uns, schenkt uns Momente des Staunens und der Freude. Freude ist mir lieber als Verzweiflung. Ich bin gespannt, wo mich das in den nächsten Jahren hinführen wird.

Ioannis Zelepos, Kleine Geschichte Griechenlands: Nach dem Studienaufenthalt in Griechenland wollte ich mehr über die Geschichte des Landes erfahren. Dieses kleine Buch hat mir da sehr geholfen. (Parallel lese ich Hedwig Richter zur deutschen Geschichte. Und die Festschrift der Evangelischen Kirche Deutscher Sprache in Griechenland, Gemeinde Thessaloniki, die ihr 125jähriges Bestehen feiert. Mit einer Mischung aus Faszination und Erschrecken lese ich von den vielfältigen Verbindungen zwischen den beiden Ländern, das führt auch zu einem vertieften Wahrnehmen der eigenen Geschichte.)

Mariana Mazzucato, Mission: Ich finde es großartig, groß zu denken. Mariana Mazzucato analysiert und reflektiert das Apollo-Programm und versucht von dort aus, Linien zu skizzieren, wie „wir“ die nötigen Transformationen anpacken können. Es ist zu schaffen, daher ein ermutigendes Buch. Aber auch die Widerstände werden im Rahmen einer solchen „großen“ Vision/Mission deutlicher sichtbar als sonst.

Eva von Redecker, Revolution für das Leben: Am Ende meiner Studienzeit bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Engagiert, provozierend, wütend untersucht die Autorin die Protestbewegungen der Gegenwart, ein Paukenschlag folgt auf den nächsten. Ihre These, dass das Verständnis von Eigentum maßgeblich den (zerstörerischen) Kapitalismus prägt und Veränderungen auch hier ansetzen müssen, zeigt mir die Größe der Herausforderung, vor der „wir“ als Menschheit stehen – allein eine Welt ohne Eigentum zu denken, bringt mich an die Grenze meiner Vorstellungskraft und löst massive emotionale Widerstände in mir aus.

Harald Welzer, Nachruf auf mich selbst: Eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit im Horizont der Gegenwart. Harald Welzers Gedanken begleiten mich mittlerweile zehn Jahre, aber er schafft es immer noch, mich zu überraschen. „Sinnlosen“ als Verb und damit als Tätigkeit ist in meinen Sprachgebrauch übergangen, vielleicht „mein“ Wort des Jahres.

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