7 Paletten in 9 Stunden…

… für Euböa.

Gestern konnte ich, konnten wir – Charly, Corazon, Jan, Nils (alles erwachsene Ehrenamtliche von der Ev. Jugend Hannover) und ich – hier miterleben, welche Wirkung ein Projekt wie O topos mou innerhalb kürzester Zeit erzielen kann. Um 11 Uhr kommt Elias und erzählt uns, dass er nach einem Aufruf im griechischen TV mit einer von den verheerenden Bränden auf Euböa betroffenen Kommune telefoniert hat, deren Bewohner:innen evakuiert wurden. Aufgrund der Notlage soll ein Transport von Katerini organisiert werden. Ein Presseaufruf und ein Newsletter an ein paar tausend Abonnent:innen gehen raus, erwünschte Hilfsgüter sind Windeln, Verbandsmaterial, Wasser, Küchenpapier, Konserven usw. Hintergrund: „Die Regierung bringt die Leute zwar in Hotels unter, aber sie brauchen für die nächsten Tage auch noch andere Dinge des täglichen Bedarfs, dafür sammeln wir und bringen es persönlich dorthin, das ist unser soziales Kapital – die Menschen vertrauen uns“, sagt Elias.

Die Presse und das TV sind als erste da, sie führen Interviews, auch mit einigen von uns, Elias übersetzt, sie wollen wissen, wer wir sind und warum wir hier sind. Wir warten mit einigen anderen aus dem Projekt in der Hitze und bereits nach einer Stunde fahren die ersten vor und laden mehr oder weniger viel aus dem Auto aus. Es wird sofort sortiert, damit das Verpacken später schnell geht. „Wir haben mittlerweile – leider – viel Erfahrung mit solchen spontanen Hilfseinsätzen, der Ablauf ist klar strukturiert, das spart eine Menge Zeit.“ Wir fünf aus Deutschland integrieren uns, nehmen Tüten entgegen, sortieren. So ab 17 Uhr nimmt die Zahl der Spender:innen erheblich zu, die Siesta-Zeit ist vorüber.

Gegen Abend fangen wir an, Paletten zu packen. Die Idee vom Vormittag, einen Anhänger vollzupacken und selbst zu fahren, ist inzwischen verworfen, zu groß ist der Berg an Spenden mittlerweile. Am Ende sind es sieben Paletten, die um 20 Uhr gepackt am Eingang stehen. Eine Spedition wurde gefunden, die die Paletten am Freitagmorgen abholt und nach Euböa bringt. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, zu welcher Solidarität Menschen bereit und in der Lage sind, in Deutschland haben wir das nach der Flut vor drei Wochen auch erlebt.

Abends lese ich, dass Robert Habeck bei Maischberger in deutlichen Worten die Situation beschrieben hat, in der wir als Weltgemeinschaft mittlerweile stecken: Es wird eben nicht mehr „besser“ werden, sondern wir haben nur noch die Chance, dass es nicht noch viel schlimmer wird. „Habeck überrascht, der erste Politiker, der es laut und deutlich ausspricht“, titelt eine Zeitung. Ich hatte keine Zeit, die Aufzeichnung anzusehen, aber: Die Verwunderung, die Sandra Maischberger gezeigt haben soll, kann ich nicht glauben, eine gute Journalistin hat doch gelesen, was Stand der Wissenschaft ist, Habeck sagt nichts anders, als Greta und Fridays for Future und viele andere seit Jahren. Egal: Nicht noch schlimmer werden? Heute früh lese ich, dass weitere Brände bei Athen ausgebrochen und außer Kontrolle sind. Die Stromversorgung muss teils unterbrochen werden, unter anderem laufen Klimaanlagen dann nicht mehr und die Hitze in Wohnungen steigt und steigt…

Die Bildergalerie zeigt im Zeitraffer die neun Stunden.

Jan filmt die ganzen Tage fleißig, hinterher soll ein Video zum Workcamp entstehen. Hier ein kurzer Einblick vom späten Vormittag, die Presse ist schon da.

Ein Hinweis noch zu den Bildern und zum Video: Wir haben die Erlaubnis, auf dem Gelände auch Personen zu fotografieren, die ehrenamtlichen Helfer:innen sowieso, aber auch Gäste.

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