Jahresrückblick 2020 in Bildern

Nun schon im neunten Jahr: Mein Jahresrückblick in Bildern.
Am Ende folgt mein Fazit 2020 – in Worten.

Das Jahr beginnt mit einem runden Geburtstag – meine Frau feiert Anfang Januar ihren 60. im Gemeinschaftsraum unseres Wohnprojektes.

Auch in diesem Jahr führt mich die erste Dienstreise des Jahres nach Berlin zur Grünen Woche. Neben Standdienst am Kirchenstand besuche ich eine Veranstaltung der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft. Hochspannende Referent:innen, mutig zusammengestellt, denn was da zur Zukunft der Landwirtschaft zu hören war, wird nicht allen im Saal gefallen haben. Im Bild Prof. Nick Lin-Hi aus Vechta, dem ich wenig später noch einmal begegnen werde.

Emden. Mein Kollege Michael Schaper verabschiedet sich im Rahmen einer abwechslungsreichen und sehr gelungenen Veranstaltung in den Ruhestand.

Demo „Bunt statt braun“ in Hannover. Mit „Abstand“ betrachtet kommt mir das fast unwirklich vor, so eng neben Menschen gestanden zu haben…

Der Bundesausschuss Arbeit und Technik unseres Verbands KWA trifft sich in Frankfurt. Zwischendurch besuchen wir die großartige Ausstellung „Fantastische Frauen“ in der Schirn Kunsthalle. Und dann stehe ich plötzlich Aug in Aug mit Frida Kahlo…

Ende Februar bin ich in Ettlingen zur Konferenz des Vereins „Agile Verwaltung“. Da gab es schon das erste Corona-Raunen…

Anfang März in Cloppenburg bei einer Tagung treffe ich erneut auf Nick Lin-Hi. Diesmal ist der Rahmen viel kleiner als in Berlin und die Diskussionen um seine provokanten Themen sind intensiver. Mich regt er sehr zum Nachdenken an und so finden seine Thesen auch später Eingang in mein Buch. Zu dieser Tagung reisen nicht mehr alle an, Corona ist mittlerweile in Deutschland angekommen.

Und dann ist es so weit, am 16. März werden wir von der Landeskirche ins Home-Office geschickt, eine Woche später beginnt der erste Lockdown. Es war damals unwirklich und ist es in der Rückschau noch immer, das ganze Land macht dicht. Draußen erwacht die Natur und zugleich zeigt ein Virus uns unsere Verletzlichkeit auf. Später werde ich im Anschluss an Franz von Assisi von „Schwester Corona“ sprechen – aber im März ist das noch weit weg.

Einmal am Tag spazieren gehen ist erlaubt, so lautet die Ansage. Das machen wir, sonst ist es in der Wohnung kaum auszuhalten. Hier laufen wir an den Ricklinger Teichen entlang.

Dabei entdecken wir nach und nach viele Ecken in Hannover, die uns vorher unbekannt waren. Hier zB stehen wir auf dem Kronsberg.

Und auch den Hiroshima-Hain lerne ich kennen. Irgendwer postet auf Instagram ein Foto von den blühenden Kirschbäumen, das fand ich so toll, dass ich geschaut habe, wo der Hain liegt und bin noch am selben Vormittag mit dem Rad hingefahren.

Zum 1. Mai produzieren meine Kolleginnen Waltraud und Laura und ich ein kleines Solidaritätsvideo und wir stellen es ins Netz – unser erster digitaler Beitrag in diesem Jahr, viele folgten. Ins Zentrum stellen wir Menschen, die in diesen Wochen besonders vom Lockdown bzw. der Pandemie betroffen sind. Wer wird (gerade) übersehen? So lautet die Frage, die uns im KDA Hannover das ganze Jahr begleitet und auch 2021 auf der Agenda bleibt.

Keine Demos am 1. Mai, keine Kundgebung, kein Solidaritätsfest. Aber mit Kreide kann Solidarität auch ausgedrückt werden, ich male diese Worte frühmorgens auf die Fahrradstraße am Klagesmarkt. 

Anfang Mai verlassen wir erstmals im Lockdown die Stadt und fahren mit einem Leihwagen in den Deister und laufen durch einen Bärlauchwald, unglaublich, diese Teppiche von Weiß auf Grün..

Der Lockdown wird gelockert, Museen öffnen wieder und wir besuchen die Da-Vinci-Ausstellung n Hannover. Mit Abstand und regulierter Besucher:innenzahl, trotzdem großartig, mal wieder was ganz anderes zu sehen.

An Pfingsten trauen wir uns, steigen in die Bahn und fahren nach Berlin. Wir wollen unsere Kinder besuchen. Die Stadt ist so was von leer…

Neben unseren Kindern wollen wir die Hannah-Arendt-Ausstellung besuchen und sind durchaus beeindruckt, mit kleinen Abstrichen, wir hätten uns an der ein oder anderen Stelle einen etwas kritischeren Blick gewünscht, so wird u.a. die bei Hannah Arendt kaum vorhandene Auseinandersetzung mit der Genderfrage irgendwo „hinten“ platziert.

Zum Geburtstag von K3 fahren wir nach Bochum. Und besuchen erstmals (!) das Bergbaumuseum, eigentlich unglaublich, nachdem wir ein Vierteljahrhundert am Rand des Ruhrpotts gelebt haben.

Im Juni beginnt das dann so richtig nach und nach mit den digitalen Veranstaltungen via Zoom und so weiter. Schon irre, was wir in dieser Zeit alles gelernt haben und uns mittlerweile schon selbstverständlich scheint. Damals war noch die Frage: Wie geht das mit Zoom? Heute frage ich mich: Wie bewege ich mich auf dem Bildschirm richtig? Und bin ich gut ausgeleuchtet?

Frankfurt, Skyline. Mit meiner Frau fahre ich zwei Tage in die Main-Metropole.

Wir schauen uns die Ausstellung mit den Frauen in der Schirn an (hier im Bild der „Heilige Geist“). Auch beim zweiten Besuch beeindruckend – mit Sicherheit spielt hier mit, dass diesmal viel weniger Frauen und Männer in der Ausstellung anwesend sind als bei meinem Besuch im Februar.

Und wir suchen auf der Zeil den Standort des Hauses, in dem meine Mutter 1938 geboren wurde und die ersten Jahre lebte. Im Krieg ist von dem Haus nichts übrig geblieben, heute steht da dieses rote Geschäftshaus.

Anfang Juli unterschreibe ich bei oekom den Buchvertrag für mein Buch „Unverbundenes verbinden“. Der Aufriss steht, jetzt geht es ans Überarbeiten.

Ich mache mit bei einem Charity-Lauf der Diakonie Garbsen, als Sponsor für mich gewinne ich den Geschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller.

Dann folgt das Highlight des Jahres – mit sieben Frauen und Männern aus der evangelischen Jugend Hannover fliege ich Anfang August nach Katerini, in der Nähe von Thessaloniki zu einem Workcamp in dem bürgerschaftlichen Projekt „O topos mou“. Unglaublich, dass das wahr wurde, die Flüge waren gerade erst wieder aufgenommen, zugleich begannen die Infektionszahlen in Griechenland allmählich zu steigen und erste Einschränkungen wurden vorgenommen. Zwei Wochen später hätten wir abgesagt. Beschrieben ist das alles auf dieser Website: Workcamp 2020.

Die jungen Leute gingen zB alle 13.000 vorrätige Medikamente in der Solidarischen Apotheke durch, während ich nebenan in der Solidiarischen Bibliothek saß und die letzten Korrekturen an meinem Buch vornahm. Nebenbei entdeckte ich, wir Café Freddo – eine griechische Erfindung.

Zurück im heißen Deutschland ging ich an einem Abend in die illuminierten Herrenhäuser Gärten, wunderbare Lichteffekte.

Und dann doch noch eine Tagung mit echten Menschen, so vor Ort. Mystik und Widerstand, dazu hatte die Ev. Akademie in Neudietendorf im September geladen. Es ging ganz gut mit dem Abstand und endlich wieder mal mit ganz anderen Menschen so in echt sprechen..

Und noch ein weiterer Museumsbesuch: die Duckomenta ist zu Gast in Hannover!

Anfang Oktober ist es so weit: Der Karton mit meinen Autorenexemplaren kommt. Mein Buch ist erschienen!

Auch unser bereits im Januar geplanter und gebuchter Urlaub in den Herbstferien kann im Oktober stattfinden. Wir sind in Mittenwald und haben Sonne, Regen, Schnee, Kälte, Wärme – und tolle Aussichten auf unseren Wanderungen. Kurz danach werden touristische Übernachtungen in Bayern untersagt.

Im November fahren wir mal wieder raus aus Hannover und entdecken das Ohlsdorfer Moor, eine tolle Landschaft und Stimmung.

Gelaufen bin ich das ganze Jahr über, es steckte mir dabei in der Nase, doch wenigstens einen Halbmarathon zu laufen. An einem Freitag im November hat es dann geklappt, dreimal um den Maschsee und dann ab nach Hause. Das hat lange richtig Spaß gemacht, auf jeder Runde wurde es dunkler, was für eine schöne Stimmung. Nur die letzten zwei Kilometer zurück zum Klagesmarkt, die taten richtig weh, da fehlten ein paar Körner. Am Ende war es genauso egal wie die Zeit, Hauptsache, geschafft!

Aus einer Eingebung heraus schrieb ich Steffi Eichel an, die seit Jahren den Silvesterlauf in Hannover organisiert und frage sie, ob sie sich vorstellen könnte, mit mir über einen speziellen Charity-Lauf nachzudenken. Sie hat sofort „ja!“ gesagt, und herausgekommen ist diese wunderbare Idee des Stadionlaufs, den wir allerdings jetzt nicht durchführen können. Virtuell laufen wir trotzdem auch zur Jahreswende, aber jede:r für sich, und die Einnahmen kommen dem Projekt zugute. So bin ich zum ersten Mal in meinem Leben Schirmherr bei einer Veranstaltung, gemeinsam mit Rainer Müller-Brandes, dem Stadtsuperintendenten von Hannover.

Am Tag vor dem neuerlichen Lockdown habe ich mir noch neue Laufschuhe gekauft, die Ziellinie 2021 ist in Reichweite.

Mein persönliches Fazit 2020, zunächst Rück-, dann Ausblick.

Rückblick:

  • Ich war überaus dankbar, dass meine ganze Familie bislang unbeschadet durch die Pandemie gekommen ist. Wir haben keine Großeltern mehr oder andere Risikopersonen, wenn ich von anderen höre, was diese Zeit hier an Belastungen mit sich gebracht hat und weiter bringt, kann ich nur sagen, all das blieb uns erspart.
  • Zwei meiner Herzensprojekte konnten in diesem Jahr verwirklicht werden: Ich habe das Buch geschrieben, das ich schreiben wollte und mit dem ich schon 2019 angefangen hatte. Und es wurde möglich, das Workcamp in Katerini durchzuführen und die Kontakte dorthin zu intensivieren.
  • Meine Begeisterung für digitale Werkzeuge hat einen schweren Dämpfer erhalten, das ist vielleicht die für mich überraschendste Erkenntnis des Jahres. Lange habe ich darauf hingewirkt, dass so etwas wie Video-Konferenzen auch im kirchlichen Feld möglich werden, weil ich mir davon die Überwindung des Raums versprochen habe. Stimmt auch, ich bin heute visuell mit Menschen über die Datenleitung verbunden, mit denen ich vorher höchstens telefonieren konnte. Und es sind tolle neue Formate entstanden. Aber für mich geht da sehr, sehr viel an Präsenz und nonverbaler Kommunikation verloren, das hätte ich vorher nicht erwartet. Mir fehlt der Plausch bei einer Tagung zwischendurch, das Reisen und Bahnfahren.

Ausblick:

Was kommt? Schwer zu sagen, daher fällt mir der Ausblick schwer. Drei Zielräume nenne ich mal in aller Vorsicht:

  • Ich hoffe auf ein neues Verhältnis von Präsenz und Digitalität, wenn wir uns so weit mit dem Virus engagiert haben. Und ich bin gespannt, wie sich dieses neue Verhältnis konkret ausgestalten wird.
  • Die für dieses Frühjahr genehmigte Studienzeit darf ich – so Gott will und wir leben – von Juli bis September 2021 „nachholen“. Das Thema wird die Circular Society sein, mit der ich mich wissenschaftlich auseinandersetzen will. Auf die noch junge Bewegung der Circular Society bin ich im Herbst bei einer der vielen digitalen Konferenzen aufmerksam geworden und das schließt an das Thema meines Buchs an, dass ich dieses Jahr geschrieben habe.
  • Mein Buch „Unverbundenes verbinden – Dialog und Spiritualität in der sozial-ökonomischen Transformation“ wird gerade Tag für Tag aktueller, so mein Eindruck, obwohl das Manuskript bereits im Sommer abgeschlossen wurde. Ich bin gespannt wie die Stichworte: Verletzlichkeit, Verbundenheit, Vertrauen, Sünde im nächsten Jahr weiter diskutiert und mit Leben gefüllt werden. Ich freue mich und hoffe auf spannende Diskussionen über die Thesen meines Buchs in 2021!

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