Fünf Bücher, die mich 2018 beeindruckt haben

Gerade schreiben viele über die Bücher, die sie in diesem Jahr mit Gewinn gelesen haben. Ich lese diese Listen gerne. Vielleicht geht es auch anderen so und daher habe ich überlegt, welches meine fünf literarischen Highlights 2018 sind.

Als erstes nenne ich Kate Raworth: „Die Donut-Ökonomie“. Viel Neues stand für mich nicht drin, aber das geniale ist der Ansatz, komplizierte und komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge durch Bilder und Grafiken anschaulich werden zu lassen, wie eben zB durch den Donut. Da ich ein Mensch bin, der stark auf visuelle Impulse anspringt, fand ich das Buch toll. Mehrere der von Raworth verwendeten Bilder haben sich mir tief eingeprägt und stehen mir in Gesprächen und Diskussion vor Augen und helfen so, Sachverhalte zu beschreiben.

Ich glaube es war Baukje, die mich auf „Utopien für Realisten“ von Rutger Bregmann aufmerksam gemacht hat. Der Untertitel sagt schon fast alles aus: Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen. Das sind Utopien, klar, aber Bregmann ist der festen Überzeugung, dass wir Utopien brauchen, um Zukunft gestalten zu können. Und er ist der Meinung, dass die von ihm beschriebenen Utopien grade für die ökonomische Entwicklung höchst sinnvolle Zielperspektiven darstellen. Ich habe das Buch in einem Zug gelesen, buchstäblich, zwischen Hannover und Meran.

Und noch eine Urlaubslektüre: Hartmut Rosa: „Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung“. Kein anderes Buch hat mich 2018 so nachhaltig beeindruckt wie dieser 800-Seiten-Wälzer. Ich habe ihn im Urlaub in Südtirol gelesen, morgens, mittags, abends, er steckte jeden Tag im Rucksack auf den Wanderungen (wer es nicht glauben mag, frage meine Frau Christine). Pünktlich auf der Rückfahrt habe ich die letzten Seiten gelesen. Eine (!) Frucht der Lektüre habe ich später hier aufgeschrieben: Gedankenspielerei über den Leuchtende-Augen-Index von Hartmut Rosa

Catrin Misselhorn ist Professorin für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie an der Uni Stuttgart. Wir hatten sie zu einem Gespräch über ethische Aspekte von künstlicher Intelligenz und Robotik eingeladen und führten eine spannende Diskussion. Sie erzählte, dass im Herbst bei Reclam ein kleines Büchlein von ihr erscheinen würde: „Grundfragen der Maschinenethik“. Präzise schreitet sie dort das Feld von Grundlagenaspekten bis hin zu konkreten Anwendungsbeispielen wie autonomen Fahren und Militärroboter ab. Ich fand´s klasse, aber es ist schwere Kost, so einfach nebenbei und zwischendurch weg lesen geht nicht.

Zuletzt, vor ein paar Tagen, habe ich ein Buch gelesen, dass ich lieber nicht gelesen hätte. Nicht, weil es schlecht geschrieben wäre, im Gegenteil: Stefan Rahmstorf und Hans-Joachim Schellnhuber schildern den Stand der Erkenntnisse zum Klimawandel in ihrem jetzt schon in achter Auflage erschienenen, völlig neu bearbeiteten schmalen Taschenbuch: „Der Klimawandel“ in aller Schärfe und Klarheit. Aber sie bleiben nicht dabei stehen, sondern schlagen auch Lösungswege vor. Der letzte Satz im Buch lautet und ich stelle ihn hier an den Schluss meines kleinen literarischen Rundgangs, weil er zugleich einen (utopischen?) Blick auf 2019ff wirft:

„Unsere moderne Weltgesellschaft mit ihren nahezu unbeschränkten Möglichkeiten der nachhaltigen Zukunftsgestaltung sollte den Geist der ökonomischen und sozialen Erneuerung aus der Flasche lassen. Die Kräfte, welche die Industrielle Wende zur Nachhaltigkeit hervorbringen können, stehen bereit und müssen endlich befreit werden“ (134).

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