Arbeit(en) 4.0 in Paris – Besuch im Musée des Arts et Métiers

 

Studienreise Paris 2015 01

Eigentlich hatte ich dieses Jahr nicht vor, etwas über die jährliche Studienreise des KDA Duisburg/Niederrhein nach Paris zu bloggen. Ich hatte im Frühjahr vorgeschlagen, dass wir uns diesmal mit dem Thema Industrie/Wirtschaft/Arbeit 4.0 befassen. Dazu hatte ich einen einführenden Vortrag entwickelt, der von vornherein darauf abzielte, keine Antworten zu geben, sondern die Fragen, die uns hier bewegen, überhaupt erst einmal bewusst zu machen. Die Thematik ist so groß, Packenden gibt es nicht oder kaum. Und so verlief der erste Nachmittag denn auch – Fragen, Verwirrung, Unbehagen… Und darüber schreiben? Nein.

Dann aber besuchten wir am Dienstagvormittag das Musée des Arts et Métiers, mit einer fachkundigen Führung. Das war hochspannend, und als ich heute früh meine Fotos vom Handy auf den PC übertrug, dachte ich, das ist dann doch einen Blogbeitrag wert.

Das Museum ist riesig (obwohl von 80.000 Exponaten „nur“ 5.000 ausgestellt sind) und beherbergt u.a. auch das Foucaltsche Pendel.

Foucaultsches Pendel

Foucaultsches Pendel

Das war im Blick auf unser Thema nicht so interessant. Aber die Zusammenstellung der Entwicklungen von Kommunikation, Bautechnik, Transport, Handel, Maschinen – das hat uns beeindruckt. Weil wie vieles wiederentdeckten, was in meinem Vortrag schon angeklungen war. Arbeit/Wirtschaft/Industrie 4.0 steht hier am Ende von ganz vielen Entwicklungslinien. Und es schien zumindest in meinem Kopf so, als liefen diese Linien an vielen Stellen in der Digitalisierung zusammen, vermischen und verwirren sich und entwickeln zugleich ungeahnte neue Potentiale – mit den entsprechenden Chancen und Risiken. Ein paar Beispiele, die ich auch mit dem Handy festgehalten hatte.

Studienreise Paris 2015 03

Lochkarte im Webstuhl. Auf der Basis von 0 und 1 wird das Muster übertragen. Jeder Computer arbeitet auf dieser Basis.

Der Webstuhl, der das Muster für die Stoffe mit zwei Zeichen über eine Lochkarte weitergibt. Faszinierend zu sehen, weil wir ja wissen, in der Digitalisierung beruht alles ebenfalls auf 0 und 1. Mehr braucht es nicht.

Studienreise Paris 2015 02

Früher IBM-Computer

Computer, so groß wie Kleiderschränke und doch mit einer Speicherkapazität, die meilenweit unter jedem Smartphone liegt. Das war mal der Technik letzter Schrei. Im Museum steht auch ein Gray 2, ich kann mich noch dunkel daran erinnern, als er damals in Zeitungen und im Fernsehen vorgestellt wurde. Triumph des Fortschritts.

Studienreise Paris 2015 04

Telegraphenmasten, noch mechanisch

Kommunikationstechnik wurde in einem Raum dargestellt. Ganz am Anfang wurden Signale über den Telegraphen ausgetauscht, zunächst noch auf der Basis der Sichtbarkeit und dann elektronisch und immer so weiter bis zum modernen Telefon. Die ganz aktuellen Smartphones fehlen aber – doch bei dem gegenwärtigen Tempo könnte grade in diesem Saal jedes Jahr eine neue Vitrine hinzukommen.

Nun, das ist alles im einzelnen überhaupt nicht neu und wir alle haben das schon tausend Mal gelesen, gehört, im Film gesehen. Faszinierend war aber für uns diese geballte Darstellung auf „engstem“ Raum. In jedem Saal ging es von vorne los, ob es nun um die Entwicklung von Messtechniken (Meter, Uhren) ging oder um Kommunikation (Telegraph, Telefon, Handy), um Rechenmaschinen, Druckmaschinen, Computer, Techniken des Handwerks, Transport, Fotografie oder auch das Fliegen.

Studienreise Paris 2015 05

Flugapparat von Clément Ader

Immer wieder wird die gleiche Erfahrung beschrieben: Anfangs dauerte die Entwicklung von der Idee zur „Marktreife“ schon mal hundert Jahre, später zehn und heute springen wir im Jahresrhythmus in der Entwicklung voran. Kein Wunder, dass es uns Menschen viel zu schnell geht. Das war auch einer der Befunde unserer Diskussion, der Besuch im Museum hat uns das eindrücklich vor Augen gestellt.

Studienreise Paris 2015 06

Als Fahrradfahrer konnte ich hier nicht vorbei gehen, ohne ein Foto zu schießen: Die Entwicklung des Rads in den letzten Jahrhunderten auf fünf Metern ausgestellt.

Gerne wären wir noch länger geblieben (obwohl wir die Zeit schon deutlich überzogen haben und 90 Minuten zu spät zum Mittagessen kamen…). So blieb es am Ende bei einem eher meditativ-ruhigen Betrachten des berühmten Pendels im Saal vor dem Ausgang. Die Geschichten und Eindrücke haben aber unsere weitere Diskussion  geprägt. Beim Besuch der Deutsch-französischen Industrie- und  Handelskammer, bei einem Rundgespräch am Mittwoch, bei den verschiedenen Restaurantbesuchen, abends/nachts beim Wein und nicht zuletzt auf der Rückfahrt im Thalys nach Köln. Nur ein paar Stichworte:

  • Was macht all diese schnelle Entwicklung mit uns Menschen?
  • Wer verdient eigentlich an der Wirtschaft 4.0?
  • Die Zwiespältigkeit war immer wieder Thema – fast jedes Detail hat eine helle und eine dunkle Seite
  • Wie schaffen wir Entschleunigung ohne Verweigerung – oder ist diese angesagt?
  • Übernehmen eines Tages die Maschinen den Menschen oder nicht?
  • … und wie stehen wir als Kirche/Theologie zu all dem …?

 

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