Brot und Wein, Leib und Blut, Fülle und Notwendigkeit

Predigt zu Markus 14, 12-25
Gründonnerstag 2015 in der Katharinenkirche in Osnabrück

Einen langen Weg haben sie zurückgelegt.
Nun sind sie hier.
Mit Jesus.
In Jerusalem.
Während des Passahfestes.
Am Ort des Tempels.

Ein großer Saal.
Bequeme Sessel.
Geschmückte Tische.
Kerzen.
Wein, Lamm und Brot.
Ein Festmahl.
Sie lassen es sich gut gehen.
Doch wie sieht es in ihren Herzen aus?

Und dann fallen die Worte.
Sie werden die Welt verändern:
Brot und Wein.
Mein Leib und Blut.
Für euch gegeben.
Nehmt und esst,
nehmt und trinkt.
Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Zweitausend Jahre später haben wir uns daran gewöhnt.
Das Abendmahl kennen wir seit Kindertagen.
Die Worte sind uns vertraut.
Die Jünger treffen sie unvermutet.

Brot und Wein.
Essen und trinken.
Die Worte stehen für die Fülle des Lebens und für den Lebensunterhalt.
Stehen für Feier und Notwendigkeit.

Jesus bindet das Gedächtnis an ihn an Worte, die unser Leben umfassen.
Mein Leib.
Mein Blut.
Ich.
In Brot und Wein.
Lebensunterhalt und Fülle des Lebens.
Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Ob die Worte in ihren Ohren geklingelt haben?
Und der Blick auf Brot und Wein?
Ist ihnen in diesem Moment klar geworden, was kommen wird?
Dass sie nie mehr mit Jesus zusammen feiern werden?

Das Lamm ist bereits verzehrt, die Knochen liegen auf dem Tisch.
Die Gläser noch halb voll vielleicht, die Krüge leer.
Mitten im Leben malt Jesus sich ins Herz seiner Anhänger.
Ich, sagt er.
In Brot und Wein.
Denkt daran, später.
Wenn ihr wieder zusammen feiert.

Denkt daran, wer ich bin.
Was ich gesagt habe.
Und getan.
Hier, in Brot und Wein, ist alles enthalten.
Das ganze Leben zwischen Feier und Notwendigkeiten.
Denkt daran.

Leben ist mehr als Notwendigkeit.
Wenn wir genug zu essen und zu trinken haben und ein Dach über dem Kopf –
das ist noch nicht genug.
Nach Gottes Wille ist der satte Bauch allein noch nicht Leben in seiner Fülle.
Was heißt das für die Höhe von Hartz IV?
Oder für die Summen, die Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden, noch einmal weit darunter?

Leistung muss sich lohnen, Leistung muss belohnt werden.
Ja, vielleicht.
Doch dafür hätte Jesus nicht sterben müssen.
Dafür hätte er sich nicht mit den Reichen und Mächtigen anlegen müssen.
Doch er sagte:
Mag sein, das mit der Leistung, mag sein.
Aber, Leute, guckt euch doch um.
Lohnt sich die Leistung der Menschen?
Das Ackern und Rackern von früh bis spät?
Lohnt es sich für die Reinigungskraft, die Hotelzimmer für Hotelzimmer putzt und doch nicht über die Runden kommt?
Lohnt es sich für den Schlachter aus Rumänien, der für 1,3 Cent ein Schwein auseinander nimmt?
Lohnt es sich für die Langzeitarbeitslose, die Woche für Woche Bewerbungen schreibt?

Ja, Leistung ist toll.
Jede und jeder leistet gerne etwas.
Ist doch gar keine Frage.
Und doch stellen wir fest:
Es reicht für viele nicht.
Der eine kann nicht, die andere darf nicht.
Das Ergebnis ist gleich.
Es reicht nicht.
Zum Feiern schon gar nicht und oft genug auch nicht zum Lebensunterhalt.

Jesus sagt:
Leben ist mehr als Leistung.
Leben ist Essen und Trinken und Feiern.
Für alle.
Ob sie etwas leisten können oder nicht.
Leben ist mehr als nur trocken Brot und Wasser.
Der Wein lässt das Herz aufleben, im Bild gesprochen.
Gebt euch nicht mit weniger zufrieden.
Und gesteht es allen anderen auch zu.
Sagt Jesus.
Sozusagen.

Brot und Wein, Leib und Blut.
Worte, die in uns wirken.
Wir spüren und ahnen ihre Wahrheit.
Deswegen hat es sich gehalten, das Abendmahl.
Weil es uns nicht nur untereinander verbindet.
Sondern auch an den Grund unseres Daseins erinnert:
Wir sind, weil Gott uns ins Leben gerufen hat und darin erhält.
Tag für Tag.
Niemand hat sich selbst auf diese Welt gebracht.
Diese Leistung vermag niemand für sich zu beanspruchen.
Deswegen ist alles, was wir tun und lassen, umfangen von einem Geschenk.
Geschenke machen froh.
Sie sagen mir:
Ich mag dich.
Du bist mir etwas wert.
Das Leben ist ein Geschenk.
Brot und Wein, Leib und Blut seine sichtbaren Zeichen.
Auch dafür ist Jesus gestorben,
dass wir das begreifen, in Kopf, Herz und Bauch:
Leben ist mehr als nur Kampf und Notwendigkeit.
Leben ist Fülle und Feier.
Für mich.
Für euch.
Für alle.

Ärgerlich klingt das.
In den Ohren derer, die so sehr auf Leistung setzen.
Und schnell vergessen, dass sie ihre Stellung oft auch nur geerbt haben,
geschenkt bekamen also.

Am Gründonnerstagabend feierten Jesus und seine Jünger.
Das Leben.
Das Geschenk Gottes.
Und mitten hinein stellt Jesus Brot und Wein auf den Tisch.
Seht her, mein Leib und mein Blut.
Für euch gegeben, für euch vergossen.
Damit ihr aufatmen könnt und leben.
Nehmt und esst,
nehmt und trinkt.
Verbindet euch mit mir –
für immer und ewig und immer wieder neu.
Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Damit die Welt ein klein wenig schöner wird.
Amen.

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