Radfahrerin und Radfahrer am See in den Bergen

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Bin grade mal wieder am Bilder schauen.
Was habe ich vor zehn Jahren, also 2007, so vor der Linse gehabt.
Und ich sehe dieses Motiv.
Eins meiner absoluten Lieblingsfotos.
Es drückt eine Menge von dem aus, was mir wichtig ist.

Zweisamkeit.
Radfahren.
Wasser.
Berge.

Aufgenommen im September 2007.
In Ascona, am Lago Maggiore.

40.000 Kilometer zwischen Voerde und Hünxe

Nachdem ich vorgestern mein Rad letztmals Richtung Rhein lenkte, ging es gestern Richtung Osten. Seit ich 1993 anfing, mir meinen Traum vom Radfahren in den Bergen zu erfüllen, bin ich unzählige Male hier lang gefahren.

Ich las damals in einem Radreiseführer, bevor man sich in die Alpen wage, solle man mindestens 2.000 Trainingskilometer in den Beinen haben. Gesagt, getan. Im Januar ging es (wieder) los, raus aus Voerde, Richtung Hünxe. Anfangs fast immer Richtung Hünxer Schleuse, später etwas erweitert und variiert zur „Golfplatzrunde“. 20, 25 Kilometer, in den Trainingsmonaten zwischen zwei und fünf Mal die Woche, im Herbst weniger, im November und Dezember pausierte ich (und nahm prompt einige Kilo zu). Es scheint mir kaum glaublich, aber das summiert sich in den Jahren auf etwa 40.000 Kilometer zwischen Voerde und Hünxe. Einmal um den Erdball, sozusagen.

In den ersten Jahren fuhr ich immer allein, später begleitete mich meine Frau ein bis zweimal in der Woche. Das Training erweiterte sich schnell zur Meditation. Es war eine Auszeit am Tag, zum Nachdenken, Probleme wälzen und oft lösen, einfach nur Licht, Wärme und Farben genießen oder im kalten Nieselregen die Kilometer zählen, bis ich zurück in der Dusche war.

In diesem Revier habe ich ein ganz neues Gespür für die Jahreszeiten entwickelt, lernte auch das Wetter „lesen“, nur selten bin ich wirklich nass geworden.

Kritisch wurde es immer im Frühjahr, wenn nach dem Frost neue Löcher in der Strecke auftauchten, die mein Unterbewusstsein noch nicht gespeichert hatte. Denn zumeist fuhr ich auf Autopilot, strampelte die Strecke herunter und war mit meinen Gedanken ganz woanders. In diesem Jahr gab es an einer Stelle ein großes neues Loch und ich bin zweimal nur haarscharf einem Sturz entgangen, danach war es im Kopf. Gestürzt bin ich drei oder viermal, nie auf meinen Reisen (da war die Konzentration ganz anders), immer zwischen Voerde und Hünxe.

Gestern war es das letzte Mal. Ich habe mit dem Handy für mich charakteristische Blickwinkel festgehalten, einige Bilder habe ich unter den Beitrag gepackt. Ich freue mich zwar sehr darauf, demnächst neue Strecken zu fahren, aber diese werde ich vermissen. Weil sie so vertraut war „einfach nur“ zu fahren brauchte und ich hier viele Einsichten und Ideen für private und dienstliche Dinge in dieser Gegend zwischen Voerde und Hünxe erhielt.

 

Noch mal am Rhein radeln …

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Gestern Abend bin ich nach Sonnenuntergang noch mal auf dem Deich mit dem Rad gefahren. Ein letztes Mal, bevor ich morgen vor dem anstehenden Bahnstreik mein Rad mit dem Zug in die neue Heimat bringen werde. Ich radelte in der Dämmerung von Götterswickerhamm nach Mehrum und zurück und dachte, den Rhein, den werde ich vermissen in Osnabrück.
Nun ist die Landschaft am Niederrhein nicht so ganz die meine, ich mag es hügeliger bis steil, wie unschwer auf meiner Website nachzuvollziehen ist, wenn mann/frau sich die Ziele meiner Radreisen vor Augen stellt. Insofern ist der Teutoburger Wald schon eine deutliche „Verbesserung“, aber den Strom, den gibt es da nicht.

Schon als ich die zwei Jahre im Vikariat in Düsseldorf wohnten, übte Deutschlands mythischer Fluss eine große Anziehungskraft auf mich aus und das war in Voerde nicht anders. Ich fand es immer toll, in einer Stadt zu wohnen, die direkt am Rhein liegt. Bin immer wieder gerne zu allen Jahreszeiten auf dem Deich spazieren gegangen, alleine oder mit meiner Frau. Habe Sonnenuntergänge und Steine fotografiert, mir den Wind um die Nase wehen lassen, den typischen Geruch eingeatmet, dem träge dahinfließenden Wasser genauso zugeschaut wie ehrfurchtsvoll dem reißenden Hochwasser.

Als ich dann irgendwann vor zehn, zwölf Jahren in Frankfurt an der Oder stand, dem anderen großen Grenzfluss, konnte ich erstmals durch eigene Anschauung erahnen, was es heißt, Land zwischen Rhein und Oder.

Die Hälfte meines Lebens habe ich nun in Orten gewohnt, die direkt am Rhein lagen und die Faszination hat nie nachgelassen. Jedesmal, wenn ich mit dem Auto über eine Rheinbrücke gefahren bin, war das ein besonderer Moment, noch intensiver die wenigen Male, wo ich mit dem Rad mit der Rheinfähre von Walsum nach Orsoy übergesetzt habe. Mit dem Meer kann ich nichts anfangen, aber Flüsse haben mich immer fasziniert. Eines meines Lieblingsbücher war vermutlich auch deshalb der Flussweltzyklus von Philipp Jose Farmer.

Was macht die Faszination aus? Wahrscheinlich ist es die Symbolik der stets weiterlaufenden Zeit, Anfang und Ende, Irrungen und Wirrungen, mal im Schweinsgalopp, mal im Schneckentempo.

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Einmal den Ortler sehen … Jubiläumsradreisebericht

Cover OrtlerDie Fotos habe ich logischerweise schon letztes Jahr im Juni gemacht, aber auch der Text ist weitgehend während der Radreise entstanden.

Den Entwurf habe ich dann aber liegen gelassen. Ich dachte, im Frühjahr, kurz bevor die Saison beginnt, die (Renn-) Räder aus Kellern und Garagen geholt werden und die Radler/-innen über den Karten brüten, wohin es dieses Jahr gehen kann und soll, da macht es mehr Sinn, einen Radreisebericht zu veröffentlichen.

2013 jährte es sich zum zwanzigsten Mal, dass ich mit meinem Rad in die Berge fuhr. Nahezu alle „wichtigen“ Pässe habe ich in dieser Zeit befahren, manche auch mehrfach. Ich habe im Winter 12/13 überelgt: Wie könnte ein „Jubiläumsradtour“ aussehen?

Schnell dachte ich, es wäre schön, wenn sich Anklänge an die ersten Reisen finden lassen, die mich vor allem nach Südtirol führten. Und dann fielen mir zwei Träume ein, die ich seit langem gehegt habe:

– Einmal von Deutschland kommend mit dem Rad das Ötztal hinauf fahren, übers Timmelsjoch hinüber und hinunter nach Meran rollen

Und:

– Einmal auf das Stilfser Joch fahren und den Ortler sehen. Zweimal war ich mit dem Rad schon oben, in Regen, Schnee und Kälte.

Die beiden Träume wurden wahr. Allerdings verlief diese Radtour nicht ohne Hindernisse und Umwege. Sie begann in Mittenwald und führte durch Österreich nach Meran und von dort aus zurück nach Innsbruck.

Von alledem berichte ich in dem kleinen Büchlein auf 80 Seiten mit mehr als 60 Fotos. Das war auch so ein Traum: Einmal einen Reisebericht nicht „nur“ im Netz zu veröffentlicht, sondern gedruckt (oder so). Hier war dann auch die Gelegenheit, einige Reflexionen über Sinn und Zweck anzustellen, die das Radfahrens (nicht nur in den Alpen) mittlerweile in meinem Leben hat.

Die Printversion kostest 13,99 €, das Ebook 7,99 €

Links zu einigen Shops:

Printausgabe:

Shop auf fairbuch.de

http://www.amazon.de/Einmal-den-Ortler-sehen-Deutschland/dp/3735787681/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1395394960&sr=8-1&keywords=einmal+den+ortler+sehen

Ebook:

Shop auf iTunes

http://www.amazon.de/Einmal-den-Ortler-sehen-Deutschland-ebook/dp/B00J50K22M/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1395394960&sr=8-2&keywords=einmal+den+ortler+sehen

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Bilder und Texte zu meinen früheren Radreisen finden sich auf meiner Website:

radfahren. Mehr als nur Sport