Reinventing Organizations visuell – eine Rezension

Reinventing Organizations visuell – eine Rezension

Vor ein paar Jahren habe ich „Reinventing Organizations“ von Frederic Laloux gelesen, was sag ich, verschlungen.
Ein faszinierendes und äußert anregendes Werk, allerdings hoch verdichtet und daher nicht leicht zu lesen.

Nun hat sich Laloux zusammen mit Etienne Appert im letzten Jahr etwas Tolles einfallen lassen: „Reinventing Organizations visuell“, eine im Text deutlich kürzere Fassung, dafür mit Grafiken unterschiedlicher Art. „Ein illustrierter Leitfaden sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit“ heißt es im Untertitel und genau das ist es, um was es geht. Ja, es sieht wirklich nicht aus wie ein Managementbuch (wie es wörtlich in der Einleitung heißt), aber es ist genau das. Es geht um Fragen, die andernorts unter Stichworten wie „New Work“ verhandelt werden oder in den Augenhöhe-Filmen in Interviews beleuchtet werden. Anders aber als in machen Ratgebern und Beiträgen zu New Work geht es nicht um eine individualistische Sicht auf menschliche Arbeit, sondern es stehen die Organisationsformen im Mittelpunkt.

Hier wird zunächst ein Bogen durch die Zeit geschlagen und die Entwicklung der unterschiedlichen Organisationsmodelle von impulsiv über konformistisch, leistungsorientiert und pluralistisch nachgezeichnet, am Ende steht das neueste und aktuelle (oder besser: im Werden befindliche) Modell der integralen und evolutionären Organisation. All das findet sich auch in dem ersten Buch auf 350 Seiten, hier ist es mit Stichworten und Grafiken unterstützt auf wenigen Seiten dargestellt. Auch die vielen Unternehmen, die Laloux besucht hat, um zu lernen, was integral-evolutionäre Organisationen auszeichnet, werden in eben dieser textlichen Kürze und grafischen Prägnanz vorgestellt. Etienne Appert hat dabei hervorragende Arbeit geleistet, das erkennen diejenigen schnell, die sich durch die vielen hundert Seiten des ersten Werks durchgearbeitet haben.

Ich erspare es mir, hier weitere inhaltliche Stichworte zu benennen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil ich die Gefahr sehe, dass Stichworte aus dem Inhalt allein viel zu banal klingen – weil sie eben erst im Zusammenspiel von Bild und Text ihre Wirkung erzeugen.

Von daher belasse ich es bei einem längeren Zitat aus dem Schlussteil des Buches, um noch etwas Appetit zu machen:

„Evolutionäre Praktiken sind eigentlich die intuitive, natürliche und einfache Arbeitsweise. Die meisten von uns sehen sich danach, in natürlichen Hierarchien zu arbeiten, hoffen auf Gemeinschaften, in denen wir unser ganzes Wesen zum Ausdruck bringen können, und sehen sich nach einem Sinn, der uns Orientierung und Ausrichtung gibt. In Wirklichkeit gehen wir durch einen Prozess, im dem wir viel verlernen müssen, um bei einer einfacheren Arbeitsweise anzukommen.“

Die schlechte Nachricht lautet: Es sind noch viel zu wenige Unternehmen in diese Richtung unterwegs.
Die gute Nachricht lautet: Es gibt Pioniere und von ihnen kann gelernt werden.
„Reinventing Organizations visuell“ ist durch die geniale Kombination von Text und Grafik für einen Einstieg in Theorie und Praxis dieser Pionierarbeit hervorragend geeignet.

Link zum Buch auf der Verlagsseite