Zwei Engel in Flims – eine wahre Begebenheit

Zehn Jahre ist es her.
Auf den Tag genau.
15. Juli 2008.

Am frühen Morgen fahren wir mit Sessellift und Seilbahn in die Höhe.
Unten Sonne, dann Wolken, dann wieder Sonne.
Am Tag zuvor liefen wir durch frisch gefallenen Schnee.
Heute scheint die Sonne.
Und taucht die Bergwelt in atemberaubendes Licht.

Wir wollen wandern.
Wohin genau ist uns nur grob klar.
Wir sehen Fußspuren im Schnee und folgen ihnen.

Wir sind ganz allein in dieser Welt aus Stein und Schnee.
Wir laufen an schwindelerregenden Abhängen vorbei.
Immer weiter auf der Spur.Mit der Zeit wird uns mulmig.
Lange sind wir von der Bergstation entfernt.
Der Weg zurück wäre weit – und würden wir ihn finden?
Weiter also.

Manchmal müssen wir ein wenig kraxeln.
Oder brechen knietief im Schnee ein.Aber die Aussichten…!

Es macht auch Spaß.
Nirgendwo ist ein Mensch zu sehen
Und die Fußspuren sind mit einem Mal auch nicht mehr da.

An einer Stelle wissen wir nicht weiter.
Laut Karte müssten wir jetzt hier an einem steilen Hang entlang.
Ohne einen Weg zu sehen.
Quer über ein Schneefeld.
Das macht Angst.
Da lang?
Doch haben wir eine Alternative?
Zurück jedenfalls nicht.
Das schaffen wir nach mehreren Stunden nicht.

In diesem Moment geschieht es.
Das Wunder.
Zwei Frauen und ein Hund kommen um die Ecke.
Wo kommen die her?
In dieser menschenleeren Steinwüste?
Stundenlang haben wir niemand gesehen.
Und wir konnten weit über die Landschaft schauen.
Egal.
Für uns sind sie ein Geschenk des Himmels.
Zwei Engel.
Denn sie weisen uns den Weg.
Und der geht nicht über das steile Schneefeld.
Unglaublich.

Erleichtert gehen wir weiter.
Der Weg ist noch weit.
Aber das Ziel haben wir vor Augen.
Wir laufen und laufen und laufen.
Stunde um Stunde.

Endlich kommen wir an einer Almhütte an.
Ausruhen.
Essen.
Trinken.
Und dann weiter zur Mittelstation der Seilbahn.

Die Füße sind schon sehr schwer.
Doch wir haben das Ziel vor Augen.
Dann sind wir da und die Enttäuschung ist riesengroß.
Stromausfall.
Warten.
Warten.
Wie lange?
Kann niemand sagen.

Manchmal neigen wir beide zu spontanen Entschlüssen.
Drei ältere Frauen machen sich auf den Weg nach unten.
Wenn die das riskieren…
Wir stapfen hinterher.
Und bereuen.
Es geht steil bergab.
Lange.
Unsere Waden schreien.
Laut.
Irgendwann kommen wir unten an.
Wir kommen an der Talstation vorbei.
Und sehen den Sessellift sich gerade wieder in Bewegung setzen.
Zu spät.

*

Wir haben die Geschichte oft erzählt.
Wie uns da oben zwei Engel begegnet sind.
Völlig unverhofft in einer absolut menschenleeren Welt.
Bei strahlendem Sonnenschein um Schnee oberhalb von Flims.

(Dieses Foto entsteht während des Abstiegs. Es wird später mein Jahreslosungsfoto 2009: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ – Lukas 18,27)

Einige der Fotos sind von Christine Jung gemacht worden.

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