Gedanken zu und Bilder aus dem Münster in Bad Doberan

Jutta Piveckova hat in einem Kommentar auf Facebook zu meinen Blogbeitrag:
Darf man(n) noch HERR für Gott sagen…? auf ihren eigenen, wunderbaren Text: HOCHGOTIK: Pein und Heim. Das Münster in Bad Doberan hingewiesen. Darin beschreibt sie ihre Eindrücke beim Besuch dieser Kirche in Mecklenburg. Zwiespältige Gefühle sind es, die sie bewegen.

Über einen Satz bin ich gestolpert, er setzte sich mit einem Widerhaken in mir fest und ließ mich nicht mehr los:

»Wann immer sich eine Tür öffnet zu einer Kirche dieser Art, kehrt die Sehnsucht zurück danach, sich klein zu machen, den Kopf zu neigen und die Knie zu beugen: Hier bin ich, nimm mich hin in deine Hände.«

Ich dachte: Bei dir ist das anders. Ich empfinde eher den Impuls zu schweigen. Solch ein Raum verschlägt mir die Sprache.

So war es auch im Münster in Bad Doberan. Ein sonniger Spätnachmittag im September. Farbenpracht. Formenvielfalt, von streng bis verspielt. Klare Linien, die meine Augen gen Himmel ziehen. Ich habe die Bilder noch mal angeschaut und die Atmosphäre war sofort wieder da.

Zwei Fragen fielen mir ein:

Es geht mir keineswegs in jeder Kirche so. Aus Notre Dame in Paris bin ich vor ein paar Wochen fast geflüchtet. Der Dom in Brixen hinterließ im Juni gar keine Gefühle. Was ist es, das mich hier verstummen lässt – und mich andernorts achselzuckend zurück lässt?

Ich bin mir nicht sicher, aber ich vermute, es hat sehr mit der Farbgestaltung zu tun. Das warme Rot des Sandsteins löst etwas in mir aus, das viele Gold des Barocks dagegen nicht.

Und:

Liegt in dem unterschiedlichen Empfinden – Jutta Piveckova empfindet Sehnsucht danach, sich in solch einem Raum klein zu machen, ich möchte schweigen – eine typische Differenz im Empfinden von Frauen und Männern? Oder liegt es nur an individuellen Unterschieden zwischen uns beiden? Ich weiß es nicht.

Ich habe aber versucht meinem Empfinden nachzuspüren. Ich habe mir die Bilder angesehen und mich an den Ort zurückversetzt. Ja, ich bin klein angesichts dieses Raumes, dieser Höhe und Weite. Aber ich habe eher das Gefühl, an der Größe Anteil zu haben, sie färbt auf mich ab, macht mich nicht klein, im Gegenteil, sie richtet mich auf. Was draußen war, gilt hier drin nicht oder scheint verändert. Der Raum, der Stein, die Farben, die Formen atmen etwas von der Geistkraft Gottes ein und aus.

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