Paris, Juni 2017 im Foyer le Pont. Ein Plädoyer für Studienfahrten

Paris, Juni 2017 im Foyer le Pont. Ein Plädoyer für Studienfahrten

Es dauert so zwanzig Minuten, dann ist es wie immer: Ich sehe buchstäblich, wie sich die Rädchen in den Köpfen meiner Mitreisendenzu drehen beginnen. Wir sind in Massy, einem Vorort von Paris, und besuchen die Cimade, ein christliches Flüchtlingswerk. Wir, das ist eine Gruppe von Pfarrer/-innen und Diakon/-innen aus dem Kirchenkreis Osnabrück, für die ich eine Studienfahrt nach Paris ins Foyer le Pont organisiert habe.

Gruppenbild der Studienfahrer/-innen mit den Mitarbeitenden der Cimade

Seit knapp zwanzig Jahren existiert das Foyer und seither war ich bestimmt zwanzig Mal dort mit Gruppen zu Gast. Denn das Konzept ist präzise und ausgereift, so dass ich sage: Ich gebe euch eine Erfolgsgarantie, die Fahrt wird euch beeindrucken, wahrscheinlich sogar begeistern – weil genau das immer wieder geschieht, was heute Morgen in Massy passiert: In meinem Kopf beginnt sich etwas zu drehen, Vertrautes sehe plötzlich mit anderen Augen.

Sonja Laboureau , die Leiterin des Standorts der Cimade, macht nichts anderes, als von ihrer Arbeit mit Flüchtlingen zu erzählen. Die Cimade unterhält hier ein relativ großes Wohnheim für anerkannte Asylant/-innen, ist darüber hinaus in der Rechtsberatung aktiv und besucht Flüchtlinge in Abschiebegefängnissen. Sonja erzählt von den Veränderungen in der Flüchtlingsarbeit über die Jahre, von vermuteten oder nachweisbaren Strategien des Staates, es Flüchtlingen schwer zu machen. Sie erzählt von Traumata, die gerade dann aufbrechen, wenn Frauen, Männer und Kinder mit dem Status anerkannt zu sein, erstmals nach einer langen Zeit zur Ruhe kommen in Massy. Sie erzählt von Solidarität und starker ehrenamtlicher Unterstützung. Und ich merke – und das geht eben nicht nur mir so -, ich beginne zu vergleichen: Wie ist das bei uns in Deutschland, in Osnabrück, in Hannover? Wo und wie ist Kirche hier in der Flüchtlingsarbeit aktiv, wie ist die Stimmungslage in der Bevölkerung, wo liegen die Unterschiede zwischen Front National und AfD, wie reagiert der Staat bei uns auf Menschen, die Zuflucht suchen? Ich entdecke Gemeinsamkeiten und stelle zugleich Unterschiede fest, und das hilft mir, mein eigenes Eingewobensein in Deutschland, Niedersachsen, Osnabrück gleichzeitig zu reflektieren als auch präziser wahrzunehmen. Und ich weiß jetzt schon, zurück in Deutschland, werden mir zu gegebener Zeit die Bilder aus Massy vor Augen stehen und die Erfahrungen werden einfließen in Worte und Handlungen.

Genau solche internationale Begegnungen zu ermöglichen ist ein Pfeiler des Konzept des Foyers. Träger ist die Vereinigte Protestantische Kirche Frankreichs, die Evangelische Kirche im Rheinland ist ein enger Partner, der das Foyer auch finanziell stark unterstützt. Dies geschieht aber nicht so, dass das Geld direkt überwiesen wird, sondern es wird als Zuschuss an Gruppen gegeben, die aus dem Gebiet der rheinischen Kirche dorthin fahren. Eine Fahrt wird so nicht teurer als eine Klausurtagung in der Eifel, mal so über den Daumen gepeilt.

Mein Kollege Jürgen Widera vom KDA Duisburg/Niederrhein hat daraus ein Erfolgsrezept gestrickt und organisiert mindestens eine Fahrt pro Jahr, manchmal auch zwei. Etliche Male war/bin ich als Teilnehmer dabei (gewesen), eine Reihe von Fahrten für Ehrenamtliche aus Gemeinden haben wir zusammen organisiert, diese Reise im Juni 2017 ist die erste, die ich nach meinem Wechsel in die hannoversche Landeskirche allein organisiert habe und als Reiseleiter begleite.

Wobei, allein organisiert, das klingt so groß und ist dabei so einfach. Denn es gehört zum Prinzip des Foyers, Gruppen intensiv zu unterstützen bei der Programmplanung. Ich möchte eine französisch-protestantische Gemeinde in Paris besuchen? Kein Problem. Wir möchten die Christuskirche besuchen, die deutsche Auslandsgemeinde in Paris? Machen wir. Wir möchten uns mit den Unterschieden in der Kindergartenpädagogik zwischen Deutschland und Frankreich befassen? Es wird ein Besuch in einer Kita organisiert (was ein Hammer ist, weil da normalerweise auch Eltern nur einmal im Jahr rein dürfen). Und so weiter und sofort. Ob es inhaltliche Aspekte sind, ob wir für Themen Gesprächspartner/-innen haben möchten oder ob es um so profane Dinge wie die Reservierung von Restaurants geht, all das ist im Konzept des Foyers als Dienstleistung vorgesehen und wird gemacht. Und aus der Erfahrung von über zwanzig Fahrten kann ich sagen, fast immer waren wir mindestens zufrieden, nur sehr selten stellte sich ein Referent/-in am Ende als langweilig heraus. Ein Highlight für Gruppen ist auch der Rundgang durch das protestantische Paris, in dem die Geschichte der Protestant/-innen in Frankreich seit der Reformation lebendig wird – und zum Beispiel schlagartig deutlich wird, warum sich die protestantische Kirche in Frankreich, vor allem der reformierte Flügel, überall intensiv Flüchtlingen und Migrant/-innen zuwendet: Die Erfahrung von Verfolgung, Vertreibung oder Tod ist im kollektiven Gedächtnis tief verankert, bis heute.

Natürlich, auch Essen und Trinken kommen nicht zu kurz, und hier und da kann auch ein wenig Sightseeing mit einfließen, warum denn auch nicht. Wir sind immerhin in Paris, und hier kann das Sinnvolle und Hilfreiche sehr gut mit dem Schönen und Angenehmen kombiniert werden.
Denn es gibt natürlich immer wieder mal Stimmen, die fragen: Wie, ihr fahrt nach Paris? Und dann noch mit Zuschüssen aus dem Kirchenkreis, also mit Kirchensteuermitteln?! Wie könnt ihr das vertreten? Reicht nicht auch die Eifel? Oder jetzt aus Sicht der hannoverschen Landeskirche (die ja nicht solche Zuschüsse wie die rheinische gibt): Wäre es nicht angemessener, in den Harz oder meinetwegen nach Thüringen oder Wittenberg zu fahren? Muss es denn Paris sein, wie sieht das denn nach außen aus?

Ich antworte auf solche Fragen, indem ich die Geschichten von Begegnungen in Massy erzähle. Oder von Frau von Kirchbach und ihrer kleinen Gemeinde. Oder ich halte entgegen: Ist es nicht sinnvoll, vielleicht sogar notwendig, wenn wir in dem großen (und grad recht gefährdetem) Projekt Europa uns untereinander besuchen? Ich habe gerade in Paris gelernt, wie riesengroß die Unterschiede zwischen den Ländern sind und dass es eigentlich völlig falsch ist, den Blick allein darauf zu richten, wie kompliziert das alles in Brüssel und Straßburg ist. Ja, das ist es. Und es ist für mich kein Wunder, wenn ich nur mal Frankreich und Deutschland vergleiche (und mittlerweile kenne ich auch Griechenland aus eigener Erfahrung ein wenig). Das Wunder ist, dass es überhaupt möglich ist, dass sich so unterschiedliche Staaten auf so etwas wie ganz aktuell die Abschaffung der Roaming-Gebühren zu verständigen. Natürlich, es gibt noch viel zu tun und sicher auch zu reformieren. Aber es ist zumindest meine Erfahrung, dass ich einen Hauch von Verständnis für Chancen, Risiken und Herausforderungen erst und gerade bei diesen Studienfahrten ins Ausland erhalten habe. Wenn sie dann noch so professionell, engagiert und freundlich begleitet werden von den Mitarbeiterinnen aus dem Foyer le Pont, dann ist der Lerneffekt groß und es macht darüber hinaus noch richtig Spaß. Wer einmal nachts bei einem Glas Wein mit anderen zusammen die Eindrücke das Tages auf der Dachterrasse reflektiert, weiß, wovon ich rede.

Das Foyer le Pont in der Rue de Gergovie

Paris, im August 2016 – Studienfahrt des KDA Duisburg-Niederrhein

Paris, im August 2016 – Studienfahrt des KDA Duisburg-Niederrhein

Die Fahrt versprach heiß zu werden.
37 Grad waren angekündigt für den Samstag, am Freitag kaum weniger.
Und das Thema der diesjährigen Studienreise des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) Duisburg-Niederrhein war auch heiß:
Wie sieht es in Frankreich aus, nach Terroranschläge und vor Wahlen?

Um es kurz zu sagen, die Hitze forderte ihren Tribut.
Die Diskussionen waren nicht so leidenschaftlich wie sonst.
Verteiltes Papier wurde vornehmlich zum Fächeln verwendet.
Und die erste Frage lautete zumeist:
Habt ihr auch Wasser?

Aber nichtsdestotrotz:
Interessant war es schon.
Benjamin Schreiber von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Paris vermittelte uns kursorisch einen Eindruck.
Seine Quintessenz:
Die Menschen in Frankreich verlieren mehr und mehr das Vertrauen, dass die politischen und gesellschaftlichen Institutionen Lösungen finden und umsetzen können.
Bei aller Verschiedenheit zwischen Deutschland und Frankreich, das klang doch sehr vertraut.

Der Höhepunkt für mich war der Besuch der protestantischen Gemeinde in Houilles, einem Vorort von Paris.
Der aus Deutschland stammende Pfarrer Rüsen-Weinhold arbeitet dort seit zwei Jahren.
Vorher war der ehemals zur rheinischen Kirche gehörende Kollege in Südfrankreich als Pfarrer tätig.
Es war überhaupt nicht spektakulär, was wir hörten und sahen.
Aber es war wieder einmal dieser große Kontrast zwischen einer Minderheiten-Kirche und unserer Volkskirche.
250 gelistete Familien zählt die Gemeinde.
Sie lebt in einem Gebiet, in dem 130.000 Menschen leben.
Die Gemeinde hat Glück:
Aus Paris ziehen viele in die Vororte.
So konnte vor kurzen der Kirchssaal vergrößert werden, weil die Gemeinde wächst.
Und doch…

Gespräche mit den Kolleg/-innen der evangelischen Kirche in Frankreich halten mir immer den Spiegel vor.
Diakonisches Engagement?
Ja, aber strikt getrennt vom Rest der Gemeinde.
Dazu braucht es einen eigenen Diakonie-Verein.
Religionsunterricht?
Gibt es nicht, das müssen wir selber in den Gemeinden machen.
Und so weiter und so fort.

Nachdenklich hat mich die Bemerkung gemacht:
Flüchtlingskrise in Europa?
Kein aktuelles Thema, ganz anders als bei uns in Deutschland.

Den Abschluss bildete der Besuch des Gottesdienst in der Christuskirche in der rue blanche, in der deutschen Auslandsgemeinde.
Und ein anschließendes, leider viel zu kurzes Gespräch mit einem ehemaligen Kirchenvorstandsmitglied.
Seine Antwort auf die Frage, ob er seit den Terroranschlägen mehr Angst hat:
Nein.
Und das empfinden seiner Meinung nach viele Französinnen und Franzosen ähnlich.
Aber er wäre vor einiger Zeit in München gewesen.
Dort hätte ihn die durch Medien und Politiker geschürte Hysterie entsetzt.

Wie gesagt, es war heiß, sehr heiß.
Wir haben diesmal wenig diskutiert.
Interessant war es trotzdem.
Und das Essen war wieder hervorragend.
Genauso wie die Betreuung durch das Foyer le Pont.

Und hier noch ein paar Eindrücke vom Samstagnachmittag, vom geführten Stadtrundgang:

Was macht eigentlich ein KDA-Referent?

Titelbild Pageflow: Was macht eigentlich ein Referent im KDA?

Diese Frage ist mir in meinem ersten Jahr als Referent im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt immer wieder gestellt worden. Dazu habe ich auf stories-e.de ein Pageflow erstellt und versucht, dort eine Antwort auf diese Frage zu geben. Viel Spaß beim Durchklicken!

Arbeiten 4.0 – solidarisch und selbstbestimmt. Veranstaltung zur neuen Denkschrift der EKD in Osnabrück

Anfang Juli lud der KDA der hannoverschen Landeskirche zu zwei Veranstaltungen zu der im April von der Sozialkammer der EKD erarbeiteten Denkschrift: „Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt“. Die erste fand in Hannover statt (hier ein Bericht), die zweite hatte ich in Osnabrück in der Marienkirche organisiert. Als Gäste konnte ich Traugott Jähnichen, Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Ruhr-Universität Bochum und Cornelia Coenen-Marx, Oberkirchenrätin i.R. gewinnen. Beide sind langjährig mit der Sozialkammer verbunden: Jähnichen als Mitglied und stellvertretender Vorsitzender, Coenen-Marx als Geschäftsführerin.

Traugott JähnichenTraugott Jähnichen führte zunächst in die Grundgedanken ein. Er verwies darauf, dass diese Denkschrift die dritte in einer Reihe ist, die mit „Gerechte Teilhabe – Befähigung zu Eigenverantwortung und Solidarität“ 2006 begann und mit der Denkschrift „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive “ 2008 fortgeführt wurde. Nun also geht es im Kern um Solidarität und Selbstbestimmung in der Arbeit. Zwei Pole, die in einer Balance stehen sollen. Hergeleitet wird dies aus dem lutherischen Verständnis, welches den Beruf und die Arbeit in einen weiten Horizont stellt:

Es war Martin Luthers tiefste Überzeugung, dass alle Menschen von Gott berufen sind, in der Gesellschaft für sich selbst und vor allem im Dienst für den Nächsten tätig zu sein. Darin haben alle Menschen einen Beruf. Sie sollen nicht nur irgendwie arbeiten, sondern ihr Arbeiten erfüllt sich von daher mit Sinn. Nicht das rastlose Tätigsein als solches ist das Ideal des Christlichen, sondern die sinnvolle Einbeziehung aller Menschen in eine Wirtschaft, die mit allen geschieht und in der die Arbeit als ein großes Gemeinschaftswerk erbracht wird. Auch in diesem Denken spielen Märkte und der Wettbewerb eine große Rolle – aber sie sind nie ein Selbstzweck, sondern dienen immer dem Ziel, alle am dadurch geschaffenen Wohlstand teilhaben zu lassen. Die Wertschätzung der Arbeit liegt in ihrem Beitrag zum Gemeinwohl begründet. Gleichzeitig ist eine Wirtschaft, die dem Gemeinwohl dient, ohne Wertschätzung der Arbeit gar nicht möglich. (S. 10)

All das entfaltet die Denkschrift auf dem Hintergrund vielfältiger Umbrüche der Arbeitsgesellschaft: Digitalisierung und Globalisierung sind hier die Stichworte. In besonderer Weise widmet sich die Denkschrift der Rolle der Gewerkschaften und kommt in der Spitze zu der Aussage:

Die Mitarbeit in den Gewerkschaften (ist) für christliche Arbeitnehmer wesentlicher Ausdruck ihres Berufsethos. (S. 136)

Zugleich aber macht die Denkschrift deutlich, dass Arbeit mehr ist als Erwerbsarbeit:

Im lutherischen Verständnis des Berufs ist Arbeit aber nicht nur Erwerbsarbeit. Vielmehr baut im Grunde genommen die gesamte Erwerbsarbeitswelt auf Sorgearbeit, wie Familienarbeit, Erziehung, Pflege, aber auch auf den Aktivitäten der Zivilgesellschaft auf. (S. 98)

Cornelia Coenen-MarxCornelia Coenen-Marx beschrieb den aktuellen Rahmen, in dem diese Denkschrift erscheint. Die verschiedenen Streiks, die Situation in Europa. So wurde deutlich, dass eine Denkschrift, an der die Kammer vier Jahre gearbeitet hat, nur selten tagesaktuell sein kann. An einer Stelle gelingt der Denkschrift einmal, wenn sie schreibt:

Die Entwicklung von Spartengewerkschaften … ist für Gewerkschaften wie für Arbeitgeberverbände besorgniserregend, da kleine Spartengewerkschaften oftmals ein erhebliches Erpressungspotential zu Lasten der Gesamtbelegschaften einsetzen können … Ohne Tarifeinheit drohen Eigeninteressen von Berufsgruppen die betriebliche Solidarität auszuhöhlen. (S. 88f.)

Letztlich aber, und das konnte die ehemalige Geschäftsführerin der Kammer (seit kurzem befindet sie sich im Ruhestand) anschaulich machen, geht es in der Kammer immer um den Versuch, einen Konsens zu formulieren. Hält man sich vor Augen, dass in der Kammer neben Kirchenleuten und Professor/-innen auch Vertreter/-innen von Verbänden, Gewerkschaften und Parteien sitzen, kann dies nicht verwundern.

Matthias JungEs folgte eine angeregte Fragerunde unter Einbeziehung des Publikums. Natürlich wurde auch kritisch angemerkt, dass sich die Kammer um konkrete Aussagen „drückt“. Aber die Referent/-innen erzählten auch selbstkritisch aus den Debatten in der Kammer, in der es an vielen Stellen auch sehr kontrovers zuging. Und an vielen Stellen führte dies nicht zu einem Konsens, sondern die Ansichten blieben nebeneinander stehen, so ist es kein Wunder, dass das Wort „umstritten“ so häufig gewählt wurde.

Zugestanden wurde, dass es sich bei dem Text (nach dem Wirbel um die Unternehmer-Denkschrift von 2008) in gewisser Weise um Wiedergutmachung im Blick auf die Gewerkschaften handelt (so die Vermutung von Matthias Jena aus dem DGB Bayern, nachzulesen hier: Kommentar Matthias Jena). Es bleibt die Frage, ob und wie die Gewerkschaften die Einladung – so versteht die Kammer den Text – wahr- und annehmen. Bietet der Text dafür genug Impulse? Wie groß ist das Vertrauensverhältnis? Welche Belastung ist und bleibt der in weiten Teilen Deutschlands nach wie vor favorisierte „Dritte Weg“? Fragen, die an diesem Abend offen blieben.

Cornelia Coenen-Marx brachte am Ende die Idee einer europäische Zivilgesellschaft ins Gespräch, in der sich Menschen auf unterschiedlichen Ebenen begegnen und austauschen. Die Erfahrungen, die wir gerade in Europa mit dem Streit um Griechenland, aber auch in der Frage des Umgangs mit dem nicht enden wollenden Flüchtlingsstrom machen, legen diesen Gedanken nahe. Die Verwirklichung ist allerdings ein ähnlicher steiniger Weg wie der Versuch der politischen Einigung. Lohnenswert ist er sicher.

Was könnte, sollte mit der Denkschrift nun geschehen? Traugott Jähnichen äußerte als Antwort seine Hoffnung, dass der Text zunächst und vor allem innerhalb der evangelischen Kirche gelesen, diskutiert und im Blick auf die eigenen Arbeitsverhältnisse ernst genommen wird. Wenn das geschieht, könne von dort aus eine Strahlkraft in die Gesellschaft entstehen.