Pfingsten – Inbegriff der Vielfalt

Pfingsten, sagt man, sei der Geburtstag der Kirche.
Das ist mir zu wenig.
Pfingsten ist mehr.

Weihnachten und Ostern werfen alles durcheinander.
Jesus kommt, begeistert die einen durch seine grenzenlose Liebe und macht sich so andere zu Feinden.
Die bringen ihn um.
Dann ist er wieder lebendig.
Wieder da, aber anders.
Und seine Freundinnen und Freunde sind verwirrt – und stumm.

Dann kommt der Pfingsttag.
Mit einem Mal wird alles klar.
Keine Sprachverwirrung mehr.
Was trennt, ist wie weggeblasen.
Hunderte teilen am Abend des Pfingsttages die neue Erkenntnis:
Die Welt ist eine andere geworden.
Nichts wird mehr so sein wie früher.

Aber es kam kein Land, in dem Milch und Honig fließen.
Kein Paradies auf Erden.
Für viele folgten Gefängnis.
Verfolgung.
Folter.
Tod.

Doch der Weg zurück ist versperrt.
Eine Erkenntnis kann nicht rückgängig gemacht werden.
Ich kann sie verdrängen, zur Seite schieben.
Aber sie ist in der Welt.
Diktatorinnen und Diktatoren haben diese Wahrheit bekämpft und bekämpfen sie weiter.
Doch mit all ihrer Gewalt:
Sie können Menschen töten, aber nicht Erkenntnisse.
Die Pfingstbotschaft, zugleich Weihnachts- und Osterbotschaft, geht bis heute um die Welt.

Paulus hat diese neue Sicht auf uns Menschen einige Zeit später sprachgewaltig in Worte gefasst:

„Es spielt keine Rolle mehr,
ob ihr Juden seid oder Griechen,
Sklaven oder freie Menschen,
Männer oder Frauen.
Denn durch eure Verbindung mit Christus Jesus seid ihr alle wie ein Mensch geworden.“

(Brief an die Gemeinden in Galatien, Kapitel 3, Vers 28, in der Übersetzung der Basisbibel)

Das ist wunderbar.
Pfingsten verbindet.
Menschen in ihrer Vielfalt.
Denn die Liste des Paulus kann leicht erweitert werden:
Es spielt keine Rolle mehr, ob ihr hochbegabt seid oder minderbegabt.
Körperlich stark oder schwach, neurodivergent oder neurotypisch.
Und so weiter.

Menschen, die vom Pfingstgeist erfüllt sind, sprechen die gleiche Sprache.
Das gefällt nicht allen.
Doch es ist viel zu gewinnen.

Ich habe diese Gedanken in der letzten Woche aufgeschrieben.
Am 23. Mai, am 11. deutschen Diversity-Tag.
Pfingsten ist mehr als der Geburtstag der Kirche.
Pfingsten ist Inbegriff der Diversität, der Vielfalt.
Gott liebt die Vielfalt der Menschen.
Genau dafür hat Jesus gestritten und gelitten.
Das ist gleichermaßen Zusage für mich und Auftrag, gegen alle Barrieren und Grenzen anzugehen, die Menschen trennen.

Einfach ist das nicht.
Denn die Grenzen laufen auch quer durch mich hindurch.
Ich bin – wie alle – geprägt von Barrieren, die Menschen bewusst oder unbewusst errichtet haben.

Doch wenn es einfach wäre, hätte Jesus nicht leiden und sterben müssen, um es platt zu sagen.
Jesus hielt gegen allen Widerstand am Gedanken der wunderbaren und befreienden Vielfalt fest.
Am Pfingsttag begann ein unaufhörlicher Siegeszug des Glaubens an die Diversität.
Mit der Erfahrung, dass unterschiedliche Menschen sich plötzlich verstehen konnten.

Ein Gedanke zu “Pfingsten – Inbegriff der Vielfalt

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