Solidarität ist Gerechtigkeit ist Gemeinschaftstreue

Normalerweise wäre ich am 1. Mai mit vielen anderen unterwegs auf Straßen und Plätzen. So wie hier im Bild, 2016 in Osnabrück, zusammen mit Domkapitular Reinhard Molitor. Dieses Jahr ist vieles anders. Wir vom KDA Hannover haben eine kleine Andacht zum 1. Mai aufgezeichnet, da ja zur Zeit auch Gottesdienste nicht möglich sind. Hier der Text meiner Ansprache, unten eingebettet der Mitschnitt der Andacht in unserer Hauskapelle.


 

Solidarisch ist man nicht allein

Solidarisch ist man nicht allein – was für ein Motto für den 1. Mai 2020!
Schon vor langer Zeit ausgewählt, könnte es gerade kaum passender sein.
In der Bibel kommt Solidarität als Wort nicht vor.
Verbirgt sich dort aber in einem anderen Wort.
Einem Wort, dass auch für Gewerkschaften sehr zentral ist:
Gerechtigkeit.

Das Wort, das Martin Luther im Alten Testament mit Gerechtigkeit übersetzt, heißt wörtlich übersetzt eigentlich: Gemeinschaftstreue.
Gemeinschaftstreue ist Solidarität ist Gerechtigkeit.
Gemeinschaftstreue ist der Zielrahmen der Gebote, die Gott dem Volk Israel mitgibt.
Lebt danach, sagt er seinem Volk, und dann geht es euch zusammen gut.
Gemeinschaftstreue ist das, was die Propheten im Namen Gottes später immer wieder einklagen.
Gegenüber den mächtigen politischen Führungen und gegenüber den großen Grundbesitzern.
Amos kann sagen:

»Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach« (Amos 5,24)

Gemeinschaftstreu, solidarisch soll der Umgang miteinander und untereinander sein.
Jede und jeder soll erhalten, was zu einem guten Leben notwendig ist.
Arbeit, Einkommen, Wohnung.
Ausbeutung, Übervorteilung und Armut soll es nach Gottes Willen nicht geben.
Und Gott fordert auf:
Schaut genau hin!
Kämpft für Gemeinschaftstreue!
Klare Ansagen in der Bibel.

Wir haben eben einige Frauen und Männer zu Wort kommen lassen.
Sie leisten gerade für die Gemeinschaft viel, werden aber schnell übersehen.
Viele in den jetzt so hochgejubelten »systemrelevanten« Berufen verdienen dort ziemlich dürftig.
Da sind wir an der Seite der Gewerkschaften und fordern Solidarität, Gemeinschaftstreue.
Die darf und wird uns auch etwas kosten.
Jede und jeden nach den eigenen Möglichkeiten.
Das ist die andere Seite der Gerechtigkeit, der Gemeinschaftstreue, der Solidarität.

Das sehen auch viele Unternehmerinnen und Unternehmer so.
Etliche setzen sich gerade jetzt für den Erhalt von Arbeitsplätzen ein.
Oft sehr kreativ.
Sina Trinkwalder zum Beispiel.

Schon lange produziert ihr Modelabel ausschließlich in Deutschland.
Jetzt hat sie die Produktion von Gesundheitsschals hochgefahren.
Die sehen auch noch gut aus und sind so sicher wie Masken.
(Im Video zeige ich an der Stelle einer der Masken, die ich mir bereits besorgt habe.)

Sina ist eine sozial sehr engagierte Unternehmerin.
Vor ein paar Tagen hat sie auf Twitter geschrieben:

»Irgendwie finde ich das Wort ›systemrelevant‹ befremdlich.
Gemeinwohlstützend wäre schöner.
Das trifft es auch besser.«

Finde ich auch.
Gemeinwohlstützend.
So könnte ich Solidarität auch übersetzen.
Dann hieße das Motto für den 1. Mai:

„Gemeinwohlstützend ist man nicht allein.“

Ich bin sicher:
Der Prophet Amos würde dazu wohl so [Daumen hoch in die Kamera recken] sagen.
Amen.


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