„So geht evangelisch – Heinrich Bedford-Strohm im Porträt“ von Wolfgang Thielmann (Rezension)

34237-0_Thielmann_So geht evangelisch_Final_high.inddNeugierig war ich auf das kleine Büchlein von Wolfgang Thielmann über Heinrich Bedford-Strohm.
Dem Ratsvorsitzenden bin ich bislang vor allem über Facebook begegnet.
Da macht er eine gute Figur.
Ich lese gerne, was er postet.
Es gibt mir einen Einblick in die Arbeit eines Landesbischofs und Ratsvorsitzenden.
Der Mensch schimmert da zwar durch.
Aber wo Heinrich Bedford-Strohm herkommt, wo seine biografischen wie theologischen Wurzeln sind, davon wusste ich bislang nichts.
Diese Lücke schließt das Buch.

Thielmann zeichnet den Lebensweg nach, beschreibt die Herkunft und den Werdegang.
Mich hat überrascht, dass wir uns fast begegnet wären.
In Heidelberg im Studium.
Da saß er und war von Wolfgang Huber angeregt, so wie ich zuvor in Marburg.
Aus privaten Gründen konnte ich seinerzeit nicht in Heidelberg einige Semester verbringen.
Nachdem Huber von Marburg nach Heidelberg ging.
Huber´s Art zu Denken und Theologie zu betreiben hat ihn geprägt, ebenso die Schriften Bonhoeffers.
Das beschreibt Thielmann sehr fein und man merkt die große Sympathie, die er für Bedford-Strohm empfindet.
Ausland, Pfarramt, Professur, dann Landesbischof und schließlich Ratsvorsitzender.
Warum tut er sich das an?
„Ich will etwas bewegen“, so zitiert Thielmann den Sozialethiker.
Eine klare Ansage.

Für mich wird nachvollziehbar, was Bedford-Strohm unter „Öffentlicher Theologie“ versteht:

„Öffentliche Theologie erhebt durchaus den Anspruch, über die distanzierte Grundsatzkritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen hinaus Wegweisungen für die Politik zu geben, die auch tatsächlich Politik möglich machen.“ (118)

Dazu gehört zwingend hinzu:

„Öffentliche Theologie will eine Antwort geben, die die Öffentlichkeit auch verstehen kann. Sie kann also weder in der theologischen Binnenrhetorik formuliert werden noch kann sie in ihrem Eingehen auf die Situation der Moderne kritiklos alles nachsprechen, was die säkulare Debatte hervorbringt.“ (118f.)

Und es wird deutlich, wie er versucht, dies in seinen Rollen umzusetzen.
Zum Beispiel durch „transformative Führung“.
Die bedient sich – in der Regel – nicht Vorschriften und Druck.

„Erst muss ich Menschen innerlich überzeugen und mitnehmen. Das geht nicht nur charismatisch, also aus der Person heraus. Dann würde Führung zu sehr an der Person hängen. Sie muss über die Überzeugungskraft der Inhalte funktionieren.“ (67)

Das gilt für ihn auch im Umgang mit der Pfarrerschaft:

„Ich möchte Motivation nicht auf Leistungsmaßstäbe stützen, die sie erfüllen müssen, um gute Pfarrer zu sein. Oft genug führt das nur zur Demotivation. Vielmehr möchte ich so reden, dass sie am Ende sagen: ‚Ja, das will ich tun, das ist super, da mache ich mit.’“ (67)

Gibt es auch Kritikpunkte am Buch?
Vielleicht, dass Bedford-Strohm doch arg sympathisch rüber kommt.
Gibt es nicht auch Kritik an seiner Person, seiner Amtsführung, seinen Positionen?
Öffentlich zumindest ist mir bislang nichts bekannt und auch das Buch schweigt.
Nun, das können wir aber auch getrost noch einige Jahre aufschieben.
Da mag sich ein/e andere/r Biograf/-in später mit beschäftigen.
Aus der Rückschau.

Momentan verkörpert Bedford-Strohm für mich in seiner ruhigen Art gut „das“ Gesicht des gegenwärtigen Protestantismus.
Gesprächsbereit.
Zuhörend.
Positionen beziehend, auch unbequeme.
Wer wissen will, warum Bedford-Strom so und nicht anders denkt, der findet in Thielmann´s Buch Antworten.

Erschienen bei Herder, 12,99 €

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