Das Schreiben an sich ist für mich eine Art von Exorzismus

Schreiben war schon immer wichtig für mich.
Begriffen habe ich das erst in den letzten Jahren.
Geschrieben habe ich aber schon seit meiner Jugend.
Vor zwanzig Jahren, 1994/95 habe ich aus Tagebüchern und anderen Notizen eine Art Biografie meiner ersten dreißig Jahre verfasst.
In diesen Tagen fiel sie mir wieder einmal in die Hände.
Ich schmunzle, bin nachdenklich.
Veröffentlichen werde ich diesen Text niemals, dafür war er nie gedacht.
Den einzelnen Abschnitten habe ich jeweils ein Zitat voran gestellt.
Eine Auswahl habe ich zusammengestellt.
Eine Mixtur aus Gedanken, die mich beeindruckt hatten und bis heute beeindrucken.
Vor allem das erste Zitat von Paul Bowles, das dem Text von damals voran stand und dass ich als Überschrift für diesen Beitrag gewählt habe.

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Das Schreiben an sich ist für mich eine Art von Exorzismus.
(Paul Bowles)

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..über die eigene Kindheit kann man kein endgültiges Urteil fällen, son­dern nur feststel­len, daß sie Spuren hinterlassen hat und das Vermächtnis klarer Erinnerungen…
(Pat Conroy)

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In Geschichten suchen Kinder das auf, was Mut macht zum Leben. Sie identifizieren sich mit Personen, die sich in Herausforderungen bewähren. Dabei suchen sie nach Bestätigung und Bekräftigung ihres Vertrauens in die sie umgebende Welt. Sie nehmen Anteil an der Anerkennung, welche die Helden ihrer Geschichten erfahren und träumen sich hinein in die wunderbaren Perspektiven, welche die Geschichten ihnen eröffnen.
(Margarete Luise Goecke-Seischab)

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…dies ist die liebste, die ausgesuchteste Wohnstatt der Verzweiflung: im innersten Inneren des Glücks…
(Sören Kierkegaard)

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Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenze meiner Welt. Die Welt und das Leben sind Eins. Ich bin meine Welt.
(Ludwig Wittgenstein)

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…ruhelos ist unser Herz , bis daß es seine Ruhe findet in Dir…
(Augustinus)

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Leg mich wie ein Siegel an dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn stark wie der Tod ist die Liebe.
(Hohes Lied der Liebe)

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Die Fürsten sitzen auf dem Thron, und wir, wir sitzen hier auf bloßer Erde, feucht und kalt, und freun uns über diesen Wald und danken Gott dafür.
(Matthias Claudius)

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Wir müssen es auch riskieren, anfechtbare Dinge zu sagen, wenn dadurch nur lebenswichtige Fragen angerührt werden.
(Dietrich Bonhoeffer)

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Sometimes, hits me in the morning, hits me at night, that I cannot turn back the years, so I look out my window, turn off my light, but I cannot turn back the years.
(Phil Collins)

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Jeder Mensch ist im Traum der Dichter seines Lebens, der Visionär der tiefen Wahrheit seiner selbst.
(Eugen Drewermann)

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…’Sonnenuntergang ist eine traurige Stunde‘, sagte sie schließlich. ‚Wenn ich das Ende eines Tages erlebe – irgendeines Tages -, habe ich immer das Gefühl, es ist das Ende einer ganzen Epoche. Und der Herbst! Er könnte genauso gut das Ende von allem sein‘, sagte er…
(Paul Bowles)

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Die Gestalt Jesu ist für mich absolut und einzigartig dadurch, daß ich auf die Ängste, die mir bekannt geworden sind, im letzten keine andere Antwort weiß, als an Gott so zu glauben, wie Jesus es mich gelehrt hat: Geradeaus zu gehen, obwohl ich nicht mehr weiter weiß.
(Eugen Drewermann)

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Die Welt ist herrlich. Die Welt ist schrecklich. Es lohnt sich zu leben!
(Helmut Gollwitzer, Krummes Holz, aufrechter Gang)

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Mit Blindheit geschlagen, ja. Alles, was wir wissen müssen, wird sich vor ihren Augen abspielen, und sie werden nichts sehen. So ist das eben.
(Christa Wolf)

Ein Gedanke zu “Das Schreiben an sich ist für mich eine Art von Exorzismus

  1. Das Wittgenstein-Zitat gibt mir zu denken. Einerseits denke ich an Luther, der immer wieder Germanismen in seinen lateinischen, und Latinismen in seinen deutschen Schriften hat, weil manches nicht in der anderen Sprache gesagt werden kann.
    Und andererseits an meine eigene Situation. Ganze Gedankenwelten beruhen auf der Sprache, in der sie gedacht sind. Und können nicht übersetzt werden. Man mag versuchen, die Dinge irgendwie zu umschreiben (das b wollte erst nicht geschrieben werden – auch das hätte einen Sinn ergeben…), aber letztlich scheitert das doch immer wieder.
    Das können so Kleinigkeiten sein wie, daß der Franzose nie einfach erwacht, sondern immer geweckt wird, und sei es durch sich selbst – das Wecken (und eben nicht Erwachen) ist stets eine Interaktion. Einer weckt, einer wird geweckt. Und sei es derselbe, der durch seinen Hunger, seinen Biorhythmus oder was auch immer sich aufweckt. Wieder-aufweckt, um genau zu sein.
    Oder auch, wie ich dem Franzosen von Heimat sprechen soll. Das Wort gibt es nicht, sogar die Idee ist dem Franzosen fremd. à domicile oder à la maison, das ist die Wohnadresse oder das Zuhause, es gibt la patrie, aber Heimat? Fragt man einen Deutschen, was Heimat ist, weiß er es nicht unbedingt auszudrücken, aber er weiß doch, daß es nicht Vaterland ist, nicht Blut-und-Boden, aber mehr als Zuhause. Ältere werden vielleicht Archibald Douglas zitieren…
    Aber doch weiß er intuitiv, was es ist, Heimat, und vielleicht auch, was es bedeutet, heimatlos zu sein. Und also ist seine Welt, durch die deutsche Sprache, eine andere Welt als die des Franzosen.

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