2019: Ein „nachhaltiges“ Krippenspiel

Klimakrise und Dürresommer – Fragen ökologischer Nachhaltigkeit sind aktuell geworden. Von daher habe ich überlegt, wie solche Themen auch in einem Krippenspiel aufgegriffen werden könnten. Nun gab es seinerzeit noch keine menschengemachte Umweltbelastung in nennenswertem Umfang, eine direkte Verarbeitung ist daher nicht möglich. Zwei Ansatzpunkte sehe ich dennoch:
a) das Empfinden von Hitze und Durst, von Leiden in der Schöpfung, von Menschen, die ungut mit sich und der Natur umgehen, diese Stichworte und die damit verbundenen Gefühle lassen sich aufgreifen;
b) heute wird immer mehr darauf verwiesen, dass die Klimakrise nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Aspekte besitzt. Diese Themen sind auch schon in biblischer Zeit als Herausforderungen benannt.
Das Krippenspiel versucht daher, indirekt über die Gefühle heutiges Empfinden (Angst!) aufzugreifen und die Weihnachtsbotschaft der Freude darauf zu beziehen und zu schauen, wie ausgewogene Ökologie, Ökonomie und Soziales eine Perspektive der Hoffnung durch das neu geborene Kind erhalten es vermittelt die Vision einer anderen Welt und ermutigt uns hoffentlich, den ein oder anderen Schritt in diese Richtung zu gehen – trotz allem.

Rollen:
Hirte 1 (jung)
Hirte 2
Hirte 3
Wirt
Knecht
Weiser 1
Weiser 2
Weiser 3
Maria
Josef
Tiere als Requisiten

Szene I: Hirten auf dem Feld

(Hirte 2 und 3 sitzen zusammen)

Hirte 2: (reibt sich den Nacken) Was war das wieder für ein Tag…

Hirte 3: Ein Tag wie viele andere.

Hirte 2: Aber macht dir das Spaß? Frühmorgens raus, mit den Schafen auf die Weide. Aufpassen, dass keins verloren geht. Sonst macht unser Herr Ärger. Hitze, Regen, Wind, völlig egal, niemand interessiert, wie ich mich dabei fühle.

Hirte 3: Was meckerst du? Wir sind Hirten, nicht mehr und nicht weniger. O Mann, tun mir die Füße weh, und der Rücken…

Hirte 2: (mit lauter Stimme) Aber gerecht ist das nicht! Unser feiner Herr isst und trinkt und macht jeden Tag Mittagsschlaf. Und die Hände macht er sich auch nicht dreckig!

Hirte 3: Psst! Bist du verrückt? Du kannst doch hier nicht so auf unseren Besitzer schimpfen! Wenn der das drüben in seinem Haus hört oder irgendwer uns anschwärzt, dann sind wir unsere Arbeit los. Dann sitzen wir morgen in Betlehem auf der Straße und betteln!

Hirte 2: …manchmal denke ich, es wäre kein großer Unterschied zu merken. – Schau mal, da kommt unser Kleiner!

(Hirte 1 nähert sich, hat ein Schaf auf dem Arm)

Hirte 3: Was ist los, warum hast du das Schaf auf dem Arm?

Hirte 1: Es ist noch ganz klein und schwach, seine Mutter hat kaum Milch für es.

Hirte 3: (barsch) Und? Ein Schaf wie vieles, wenn es zu schwach ist, wird es halt sterben.

Hirte 1: (weinend) Wie kannst du so herzlos sein?! Das Schaf ist doch ein Lebewesen wie du und ich, es will einfach nur leben und geliebt werden!

Hirte 2: He, jetzt beruhigt euch mal… (zu Hirte 1) Du hast ja recht, aber schau mal, in dieser Welt überleben nur die Starken. Das ist nicht gerecht, nein.

Hirte 3: (verächtlich) Und Liebe, was willst du denn damit? Mich liebt auch keiner, sonst säße ich nicht hier und müsste Schafe eines anderen Herrn hüten. Den ganzen Tag arbeiten und trotzdem meist hungrig einschlafen. Also kommt mir nicht mit Gerechtigkeit und Liebe.

Hirte 1: … aber in den alten Schriften steht doch, Gott liebt die Menschen seines Volkes, also auch dich und mich!

Hirte 3: Ja, Gott vielleicht, aber was hilft mir das…

Hirte 2: Ruhe jetzt! Fehlt noch, dass wir uns in die Wolle kriegen! Wir müssen zusammenhalten, das ist unsere einzige Chance. Und jetzt bring das Schaf zurück zu seiner Mutter!

Hirte 1: (trotzig) Nein, das mache ich nicht. Es bleibt bei mir und ich gebe ihm etwas von meiner Milch zu trinken.

Hirte 2: Wie du willst…

Szene II: Drei Weise unterwegs

(Drei Weise treten auf, mit ihren Kamelen ziehen sie langsam durch die Kirche. Wenn möglich, die Kirche abdunkeln)

Weiser 1: (schaut sich um, zeigt an den Himmel) Seht, der Stern verblasst schon langsam… Bald geht die Sonne auf. Lasst uns hier Rast machen und die Zelte aufschlagen!

Weiser 2: Du hast Recht, das ist eine gute Idee, wir sind wieder ein gutes Stück weiter gekommen heute Nacht. Die Kamele sind müde – und ich bin es auch.

Weiser 3: Schaut, da stehen ein paar Bäume und ich höre auch Wasser gluckern. (Blickt sich um). Ah, da ist ein Bach. Komm, mein gutes und treues Reittier, da kannst du dich satt trinken!

(Die Weisen bringen ihre Kamele zum Wasser und setzen sich zusammen, holen etwas zu essen aus den Taschen und füllen Flaschen mit Wasser am Bach.)

Weiser 1: Weit kann es nicht mehr sein… Wir sind schon so lange unterwegs.

Weiser 2: Aber es war gut, nur in der Nacht zu reisen. Der Stern leuchtet zwar auch am Tag ganz hell, aber so ist es angenehmer. Für uns und unsere Tiere.

Weiser 3: Meine große Lehrerin hat immer gesagt: Wenn du weise sein willst, dann lebe im Einklang. Im Einklang mit dir, der Natur, den Tieren und den Pflanzen.

Weiser 1: (lacht) … jaja, und sie hat auch gesagt, du sollst regelmäßig Pausen machen, und vor allem genug schlafen.

Weiser 3: (schmunzelt) Ja, das hat sie auch gesagt… Und das tut gut, oder? Stell dir vor, wir wären Tag und Nacht geritten, um möglichst schnell das neugeborene Königskind zu sehen und anzubeten! Dann wären wir und die Kamele vielleicht schon am Ziel, aber völlig fertig.

Weiser 2: Gottes Wille ist es nicht, dass wir rast- und ruhelos durch die Welt laufen. Er hat uns den Stern rechtzeitig gezeigt. Er weiß, wir gehen langsam und ruhig. So wie wir es gelernt haben. Und wir kommen zur rechten Zeit an. So wie es richtig ist. Ausgeruht. Dann können wir in großer Freude auch das Gotteskind anbeten.

Weiser 1: Genau so wird es sein. Und jetzt, genug geredet. Die Sonne ist da. Auf, in die Zelte und schnell geschlafen. Heute Abend ziehen wir weiter. Ich freue mich drauf.

Szene III: Ein Wirt und sein Angestellter

(Wirt tritt auf, zieht Knecht am Ohr)

Wirt (laut): Du fauler Nichtsnutz, was habe ich dir gesagt? (brüllt und schüttelt Knecht) Was habe ich dir gesagt?!

Knecht (macht sich klein und wimmert): Au, au, au. Du hast gesagt, ein Ballen Futter und ein Eimer Wasser für jedes Tier im Stall…

Wirt: … und was machst du?! Zwei Ballen Futter und eimerweise Wasser für die Kühe!

Knecht: Aber es ist doch so heiß im Stall! Wann warst du zuletzt da drin? Das hält doch kein Mensch und kein Tier aus da drin ohne Wasser! Und schau dir die Kühe an, die sind ganz dünn und wackelig auf den Beinen.

Wirt (droht mit dem Arm und spricht mit drohender Stimme): Willst du mit erzählen, wie ich mit meinen Tieren umzugehen habe? Hauptsache, sie geben noch Milch! Hast du mal ausgerechnet, was das ganze Futter kostet?! Und du vertust deine kostbare Arbeitszeit! Hast du schon den Hof gekehrt? Die Mülleimer in der Wirtsstube ausgeleert? Nein? Dann mal los!

(Knecht rennt verängstigt davon, Wirt setzt sich, schaut ihm nach, wendet sich dann an die Gemeinde)

Wirt: Wisst ihr, wie das ist? Tagein, tagaus mit Sorgen zu leben? Ob genügend Gäste in mein Gasthaus kommen? Ob meine Tiere im Stall genug Milch geben? Ob ich meine Steuern bezahlen kann? Es ist ein endloser Kampf. (schaut kurz zu Boden, dann wieder hoch) Ja, ich weiß, ich hätte den Jungen nicht so anschreien sollen. Eigentlich hat er ja recht. Den Tieren sollte es auch gut gehen. Aber im Ernst, wem geht es eigentlich in dieser Welt richtig gut? Vielleicht dem König und den Priestern im Tempel und ein paar von den großen Bauern mit ihren riesigen Höfen. Aber uns anderen? Arbeit, Arbeit, Arbeit. Irgendwer will immer etwas von mir. So macht das Leben keinen Spaß. (Pause) Genug gejammert, zurück an die Arbeit.

Szene IV: Maria und Josef erreichen Betlehem

(Maria und Josef nähern sich dem Wirtshaus. Wenn möglich, die Kirche leicht abdunkeln.)

Josef: Jetzt sind wir endlich in Betlehem, nach so einer langen Reise, und nirgendwo öffnet sich für uns eine Tür.

Maria (leise): Josef, hab Mut. Es ist Gottes Sohn in meinem Bauch, Gott weiß, was er tut.

Josef: Bist du dir da ganz sicher? Ich weiß es nicht. Ich habe heute Nachmittag an so viele Türen geklopft. Heute früh sind wir so fröhlich losgezogen. Obwohl uns alles weh tat und auch unser lieber Esel wunde Pfoten hat. Betlehem, wir konnten es in der Ferne schon ahnen. Und es kam Schritt für Schritt näher. Doch dann das.

Maria (zuckt zusammen): Josef…!

Josef: Was ist?

Maria: Ich glaube, die Wehen setzen ein…!

Josef: O nein, das darf doch nicht wahr sein! Was machen wir denn jetzt?

Maria: Schau, dort hinten ist doch noch ein Gasthaus, lauf voraus und frag dort noch einmal!

Josef: Ich kann dich doch nicht hier alleine lassen!

Maria: LAUF!

(Josef läuft voraus zum Gasthaus. Der Wirt öffnet. Josef gestikuliert, zeigt auf Maria. Der Wirt schüttelt den Kopf. Josef gestikuliert heftiger, der Wirt zuckt mit den Armen und Achseln. Der Knecht nähert sich, zieht dem Wirt am Arm. Der blickt sich verärgert um. Der Knecht zeigt auf den Stall. Der Wirt schaut Josef fragend an. Der bittet händeringend, schließlich nickt der Wirt. Hält die Hand auf. Josef legt Geld hinein. Der Wirt will mehr Josef legt noch mehr Geld in die Hand, der Wirt nickt. Knecht und Josef laufen zu Maria.)

Josef: Schau Maria, ich habe eine Unterkunft gefunden, im Gasthaus ist zwar nichts frei, aber wir dürfen hinten bei den Tieren im Stall übernachten!

Maria: Das ist wunderbar Josef, siehst du, Gott hat doch eine Lösung, ich habe es dir doch gesagt.

(Josef stützt Maria, sie gehen zum Stall.)

Knecht: Hier könnt ihr bleiben und hier kannst du dein Kind zur Welt bringen. Es ist kein toller Ort, aber besser als unter freiem Himmel.

Maria: Hab tausenddank und es ist ein wundervoller Ort.

(Maria lässt sich auf einen Strohballen fallen, hält sich den Bauch.)

Maria: Lange dauert es nicht mehr…

Knecht: Ich hole euch noch ein paar Decken und einen Ballen Stroh. Soll mich mein Herr doch wieder anschreien. Und wenn das Kind geboren ist, dann könnt ihr es ja hier in der Futterkrippe legen, da liegt es gut und kann nicht herausfallen. Und ihr könnt euch dann ausruhen, Ochse, Esel, die Kühe, die Hühner und die Katze passen schon auf (lacht).

Szene V: Hirten auf dem Weg nach Betlehem

(Hirten nähern sich dem Stall, Hirte 1 hat das kleine Schaf auf dem Arm)

Hirte 3: Schaut, hier muss es sein, der Stern steht still über diesem Stall da!

Hirte 2: Ja, der Engel hat uns ja gesagt, wir werden das Kind in einer Krippe finden!

(Hirten betreten den Stall. Maria und Josef schauen auf. Hirten treten zur Krippe, Hirte 1 setzt das Schaf behutsam bei den anderen Tieren ab. Sie knien zu dritt stumm vor dem Kind. Maria steht auf, nimmt das Kind aus der Krippe. Alle setzen sich in einen Halbkreis.)

Maria: Erzählt, wie habt ihr uns gefunden?

Hirte 2: Wir waren bei unseren Schafen, haben geschlafen.

Hirte 1: Plötzlich wurde es taghell und ein Engel erschien uns.

Hirte 3: Und er sagte zu uns: Lauft sofort nach Betlehem, dort werdet ihr den neugeborenen König der Welt finden.

Hirte 2: In einer Futterkrippe, zwischen Stroh und Heu und all den Tieren im Stall.

Hirte 3: Und er hat noch gesagt: Das Kind wird der sein, auf den ihr schon so lange wartet. Gerechtigkeit wird er bringen.

Hirte 1: Und das die Tiere miteinander spielen werden hat er gesagt und die Menschen auch. Und wir werden alle gemeinsam spielen und Frieden wird sein, endlich Frieden.

Josef: Noch ist es ein kleines Kind, aber ich spüre schon, dass es wahr ist, was du sagst.

Maria: Und ich sehe es auch, schau doch, das kleine Schaf, dass du mitgebracht hast, spielt ganz vergnügt mit den anderen Tieren hier im Stall.

Hirte 1: Dabei war es so schwach auf den Beinen, dass ich es tragen musste. Und jetzt springt es mit dem Kälbchen hier durchs Stroh. Ja, der Engel hat recht, von diesem Kind strahlt etwas aus, ich spüre es auch!

Hirte 2: Doch jetzt müssen wir wieder gehen, wir können unsere Schafe nicht so lange alleine lassen.

Hirte 3: Aber wir nehmen mit, was wir gesehen haben. Hoffnung, endlich Hoffnung. Hoffnung, dass doch noch einmal etwas wird in dieser Welt. Dass eine Kraft kommt, die mächtiger ist als Geld und Macht und Schwerter. Danke, vielen Dank!

(Hirten gehen, Hirte 1 nimmt sein Schaf wieder auf den Arm).

Szene VI: Drei Weise erzählen an der Krippe von Herodes

(Wirt steht vor seinem Gasthaus, die Weisen nähern sich.)

Weiser 1: Hier muss es sein, Herodes hat gesagt, in Betlehem und der Stern scheint auch genau hier über dem Haus zu stehen.

Weiser 2: Fragen wir doch den Wirt!

Weiser 3: Guter Herr, wir kommen aus Jerusalem. Wir suchen ein neugeborenes Kind.

Weiser 1: Den Retter der Welt, das Gotteskind, es bringt Gerechtigkeit und Frieden.

Weiser 2: König Herodes hat gesagt, es muss in Betlehem geschehen sein, so steht es in den alten Schriften.

Weiser 3: Und dieser Stern (zeigt zum Stern) steht über deinem Gasthaus. Also, für uns zum Kind!

Wirt (zu sich): Haben die getrunken? Mitten am Tag? Der, auf den wir so lange gewartet haben soll geboren worden sein? Hier bei mir?! (reibt sich das Kinn) Sollte ich da einen Fehler begangen haben und die hochschwangere Frau gestern war am Ende die Mutter des Gotteskindes? Wie peinlich wäre das denn! (wendet sich zu den Weisen): Werte Herren, Betlehem ist wegen der Volkszählung rappelvoll, ein Paar mit einem neugeborenen Kind habe ich zwar hier bei mir zu Gast, aber die mussten im Stall übernachten, weil alle Zimmer…

Weiser 3 (unterbricht): Dann führ uns zu dem Stall!

Wirt (ruft) He, Knecht!

Knecht: Ja?

Wirt: Führ mal die drei Herren hier zum Stall und dann mach sofort drei Zimmer frei für unsere neuen Gäste!

Weiser 1: Nein, nein, wir brauchen keine Zimmer, wir wollen nur zum Kind!

Knecht: Dann kommt!

(Knecht führt die Weisen zum Stall. Maria und Josef sitzen da, Maria hat das Kind auf dem Schoß. Der Knecht bleibt an der Tür stehen. Die Weisen knien nieder, holen ihre Geschenke aus den Taschen. Der Wirt ist hinterher geschlichen und schaut – durch ein Fenster, auf jeden Fall aus gewisser Entfernung staunend zu.)

Weiser 3: Für diesen Augenblick haben wir viele Jahre den Himmel beobachtet.

Weiser 2: Einen Stern gesucht, denn wir haben von unseren Lehrerinnen und Lehrern gelernt:

Weiser 1: Eines Tags wird ein Stern aufgehen, heller als alle anderen Sterne am Himmel.

Weiser 2: Und wer diesem Stern folgt, wird das Kind aller Kinder finden.

Weiser 3: Den Sohn Gottes, den Heiland aller Menschen, Hoffnung für die ganze Schöpfung.

Weiser 1: Nimm dies als Zeichen unserer Freude und Dankbarkeit, Gold…

Weiser 2: …Weihrauch…

Weiser 3: …und Myrrhe.

(Die Weisen legen ihre Geschenke vor Maria und dem Kind ab.)

Maria: Danke, aber kommt, steht auf, setzt euch zu uns und erzählt. Wo kommt ihr her?

Weiser 1: Wir kommen aus dem Osten, sind wochenlang unterwegs gewesen.

Weiser 2: Es war eine wunderbare Reise. Nachts sind wir hinter dem Stern hergezogen, voller Vorfreude.

Weiser 3: Wir haben gelacht und erzählt, Lieder gesungen.

Weiser 1: Dann kamen wir in Jerusalem an. Wir sind direkt zum Palast gegangen, zum König Herodes.

Weiser 2: Da haben wir einen Augenblick nicht auf unser Herz geachtet und auf den Stern geschaut. Sondern wir dachten, solch ein Kind kann doch nur im Königshaus geboren worden sein.

Weiser 3: Als wir Herodes sahen, wussten wir sofort, wir sind hier falsch.

Weiser 1: Ja, was für ein unangenehmer Mensch. Übel gelaunt, kommandierte seine Dienerinnen und Diener umher.

Weiser 2: Er war gerade beim Essen, schmiss auf den Boden, was ihm nicht schmeckte, spülte seinen Mund mit Wein aus und spuckte ihn auf den Boden. Und gerülpst hat er, grässlich.

Josef: Und was hat er gesagt, als ihr ihn nach dem Kind gefragt habt?

Weiser 1: Erschrocken ist er. Rief sofort nach seinen Schriftgelehrten.

Weiser 2: Die kamen auch ganz verschüchtert. Er hat sie gefragt nach Hinweisen in den Schriften auf solch ein Gotteskind. ‚In Betlehem soll es einst zur Welt kommen‘, haben die gesagt.

Weiser 3: Da wurde König Herodes plötzlich ganz freundlich zu uns. ‚Geht doch nach Betlehem‘, sagte er, ‚und wenn ihr es gefunden habt, dann kommt zurück zu mir und erzählt, damit ich auch hinfahren und anbeten kann.‘

Weiser 1: Ich wusste sofort, das war gelogen. Dieser Schleimer. Vermutlich würde er sofort seine Soldaten losschicken.

Maria (ängstlich): Soldaten? Warum?

Josef: Das ist doch klar, das Kind bedroht ihn und seine Macht, das hat er sofort gespürt.

Weiser 2: Wahrscheinlich hast du recht. Deswegen werden wir auch direkt nach Hause zurück reisen.

Weiser 3: Mit ganz viel Freude im Herzen. Wir werden singen und lachen und jubeln, denn wir haben dieses Kind gesehen, wir sind so beschenkt!

Szene VII: Hirten auf dem Feld

(Die Hirten sitzen wieder auf dem Feld bei ihren Schafen. Es ist Nacht – wenn möglich, die Kirche wieder abdunkeln.)

Hirte 2: Schaut, der Stern ist schon ganz verblasst. Sieben Tage ist das jetzt her, dass uns der Engel hier überrascht hat.

Hirte 3: Wo das Kind und seine Eltern jetzt wohl sind? Sind sie auf dem Weg zurück in ihre Heimat? Oder sind sie noch dort in Betlehem? Oder führt ihr Weg sie ganz woanders hin?

Hirte 1: Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass dieses Kind etwas ganz Besonders war. Der ganze Stall war von ihm erfüllt. Und schaut, mein kleines Schaf, es geht ihm seit dieser Nacht so viel besser. Die Nähe zu dem Kind hat es geheilt.

Hirte 2: Vielleicht, Vielleicht aber war es deine Nähe, die ihm gut getan hat. Du hast es bei dir getragen, Tag und Nacht, es gewärmt und gehalten. Liebe hast du ihm geschenkt.

Hirte 3: Wer will das schon sagen… Aber eins weiß ich ganz genau: Von diesem Kind werden wir noch viel hören, wenn es große geworden ist. Ob ich das noch erleben werde? Wer weiß, so Gott will und ich lebe. Aber du, Kleiner, du wirst es noch erleben.

Szene VIII: Noch einmal der Wirt

(Der Wirt steht vor seinem Gasthaus, wendet sich an die Gemeinde)

Wirt: Liebe Kinder, liebe Erwachsene, ich weiß immer noch nicht, was da in meinem Stall genau geschehen ist. Es ging ja alles so schnell! In der ersten Nacht kam das Kind und dann standen schon Hirten im Stall, sagte mein Knecht. Das habe ich gar nicht mitbekommen, da habe ich geschlafen. Und dann diese drei Männer mit ihren Kamelen und ihren schönen Kleidern! Ihr habt ja gesehen, ich bin zum Stall geschlichen und habe hinein geschaut und zugehört. Ich hab das nicht alles verstanden. Aber es ging eine so schöne Stimmung von dem Kind und seinen Eltern aus, so friedlich und klar. Es hat mein Herz berührt. Ich wollte dann am nächsten Morgen noch mal hin und mir das alles genauer anschauen. Aber da war der Stall schon leer, die müssen mitten in der Nacht abgereist sein…! Vielleicht wisst ihr ja mehr als ich… Aber eins kann ich euch noch sagen: ich kann meinen Knecht nicht mehr so anschreien wie früher, es geht nicht. Wenn merke, ich werde wieder ärgerlich, dann steht mir das Kind vor Augen und der Zorn ist weg. Das ist doch merkwürdig, oder? Naja, mal schauen, ich muss wieder an die Arbeit. Und euch wünsche ich einen schönen Abend, ihr seht so aus, als würdet ihr ein großes Fest feiern. Stimmt das?