Sommer und Sonne. Reisen, Wärme, draußen sein. Lange hell, kurze Hose. Ich liebe diese Zeit. Seit Kindertagen.
Aber meine Seele kann sich nicht mehr ungetrübt freuen. Dürresommer, Hitze, Überschwemmungen, Insektensterben haben Spuren hinterlassen. Ein ungutes Gefühl macht sich breit und der Drang, etwas zu tun, irgendetwas. Doch was ist richtig?
In der Nachkriegszeit gab es den streitbaren evangelischen Pfarrer Martin Niemöller. U-Boot-Kapitän im Ersten Weltkrieg, in den Nazijahren im KZ, später einer der Wortführer gegen die Aufrüstung in der jungen Bundesrepublik. Er pflegte die Frage zu stellen: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Ich habe mich gefragt: „Was würde Jesus zur Klimakrise sagen?“
Einmal kommt ein Mensch zu Jesus kommt und fragt: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erhalten?“ Dem jungen Mann antwortet Jesus seinerzeit mit einer Gegenfrage: „Was liest du in der heiligen Schrift?“ Der Mann sagte: „Du sollst Gott lieben, deinen Nächsten wie dich selbst.“ „Du hast gut geantwortet“, bekam er zu hören, „handle so und das klappt mit dem ewigen Leben.“
„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erhalten?“ Das ist eher keine Frage, die wir heute so stellen. Heute fragen Menschen eher: „Was muss ich tun, um ein gutes Leben zu führen, eins, das vor Gottes Augen bestehen kann?“ In dieser Zeit, mit ihren Abgründen und Widersprüchen, den vielfältigen Konflikten?
Ich kann mir gut vorstellen, dass Jesus heute mit einem vierfachen Liebesgebot antwortet. Also: „Liebe Gott, deine Nächsten und deine natürliche Umwelt wie dich selbst!“
Das dreifache Liebesgebot beschreibt ein Dreieck in Balance. Die Zerstörung unserer natürlichen Ressource war vor zweitausend Jahren noch kein Thema. Aber heute. Orientierung könnte daher ein vierfaches Liebesgebot, ein Viereck in Balance. Das ist keine konkrete Handlungsanweisung, aber ein Rahmen, in dem ich mich, wir uns bewegen können.
Die Geschichte mit dem jungen Mann geht noch weiter. Er lässt nicht locker und fragt Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“
Jesus erzählt daraufhin das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Ein Mensch fällt in der Wüste unter die Räuber, nur ein Ausländer hilft ihm. Nachzulesen im Lukasevangelium im Kapitel 10 ab Vers 25. Ich frage mich: Welchen Kontext und welches Beispiel würde Jesus heute wählen, um Menschen auf ihre Nächsten hin anzusprechen? Den zunehmenden Wassernotstand? Grausam behandelte Tiere in unseren Fleischfabriken? Die aufgrund von Hitze und Trockenheit flüchtenden Menschen auf dem Mittelmeer? Aussterbende Insekten? Wer sind meine Nächsten? Zunehmend wird mir bewusst, dass dazu auch Pflanzen und Tiere gehören. Mit denen wir auf einem Planeten zusammenleben.
„Liebe Gott, deine Mitmenschen und deine natürliche Mitwelt wie dich selbst!“ Ein vierfaches Liebesgebot kann eine Brille sein, mit der ich mich in meiner Welt umschauen und bewegen kann. Perfekt und fehlerfrei wird es mir dennoch nicht möglich sein zu leben, weil alles mit allem verbunden und verstrickt ist. Aber ich bin nicht orientierungslos unterwegs.
PS: Wesentliche Anregungen, meine/unsere natürlich Mitwelt als Nächste anzusehen, habe ich durch das Buch: Geflochtenes Süßgras von Robin Wall Kimmerer erhalten. Hier habe ich dazu vor längerer Zeit schon mal auf meinem Blog etwas geschrieben: Selbst eine verwundete Welt nährt uns, hält uns, schenkt uns Momente des Staunens und der Freude