In diesen Tagen ist mein Buch „Anders im Einklang“ erschienen. Es erzählt von biografischen Erkundungsreisen, die ich in den letzten Jahren unternommen habe.
Im Herbst 2022 wechselte ich noch einmal die Stelle, vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) zur Pestalozzi-Stiftung. Mitten hinein in ein diakonisches Unternehmen mit Werkstätten, Förderschulen, Jugendhilfeeinrichtungen – und einer Berufsfachschule für Pädagogik.
Als mir Schulleiterin Manuela Koteja im Bewerbungsgespräch eröffnete, dass ich den gesamten Religionsunterricht an der stiftungseigenen Ausbildungsstätte übernehmen könne, war ich im ersten Moment sprachlos. Ich an einer Berufsschule?! Ich sagte nach einer Bedenkzeit ja und ging in die erste Stunde mit Furcht und Zittern. Und es wurde toll. Es ist eines der großen Geschenke in meinem Leben, dass ich am Ende meiner beruflichen Laufbahn doch noch als Lehrkraft arbeiten kann. Der Traum war uralt, aber ich hatte ihn über Jahrzehnte vergessen.
Der Stellenwechsel brachte einen Arbeitsweg von einer Stunde mit sich. Ich entschied mich oft fürs Rad und entdeckte eine alte Leidenschaft wieder. Nach unserem Umzug nach Osnabrück und später nach Hannover hatte ich das Rad mit den Laufschuhen vertauscht. Nachdem ich viele Jahre kreuz und quer und immer allein durch die Alpen gefahren war, lief ich jetzt Halbmarathon. Doch jetzt spürte ich, wie sehr ich das Radfahren vermisst hatte – seine ganz eigene Geschwindigkeit, den Wind um die Beine und im Gesicht. Im Herbst 2024 unternahm ich nach mehr als zehn Jahren Pause wieder eine Radreise in die Berge. Diesmal mit meinen Söhnen. Erstmals nicht allein. Auch das wurde überraschend schön.
Etwas früher stieß ich auf die Neurodiversitätsbewegung. Tauchte in ihre Gedanken ein. Wurde Mitglied im Verband Neurodiversität. Begann zu ahnen, dass es für mein Gefühl, anders zu sein, eine Erklärung geben könnte.
So kam eins zum anderen. Nach dem Stellenwechsel verstummte ich zunächst. Zu viele neue Eindrücke und Herausforderungen. Aber unter der Oberfläche gärte es. Ich dachte über pädagogische und theologische Konzepte nach. Und ich fing an, in Gedanken immer wieder durch mein Leben zu gehen. Der Wunsch zu unterrichten ist uralt. Anders habe ich mich immer schon gefühlt. Ich hatte den Beruf des Pfarrers ergriffen, war ganz nah dran an den grundsätzlichen, existenziellen Fragen von Menschen. Viele haben mir ihr Vertrauen geschenkt, mir ihre Geschichten erzählt. Diese Erzählungen wurden zu meiner Lebensschule, einer Schatzkiste, die mich begleitet.
Eines Tages fing ich wieder an zu schreiben. Es wurden drei biografische Reisen durch mein Leben: einmal unter pädagogischen Vorzeichen, dann unter spirituellem Blickwinkel und schließlich vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der Neurodiversitätsbewegung.
Herausgekommen ist „Anders im Einklang“. Ich habe auf jeder der drei Reisen den harmonischen Klang gesucht – und am Ende festgestellt, dass die drei Klänge einen wohlklingenden Akkord bilden.
Doch was hat das alles mit dem neuen Gravel zu tun?
„Anders im Einklang“ ist ein persönliches Buch. Das Gefühl, anders zu sein, hat mich von Menschen ferngehalten, und ich habe mich auch oft von Menschen ferngehalten. Da war Abstand, eine Schutzschicht. Diese habe ich auf den drei Reisen nach und nach abgetragen. Das macht mich leichter. Buchstäblich – ich habe mehr als zehn Kilo abgenommen. Zu dieser neuen Leichtigkeit gehört auch ein leichteres Rad. Mein Gravel wiegt nur noch halb so viel wie das alte Tourenrad.
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Hier geht es zur Seite auf BoD direkt: Anders im Einklang
Und noch der Hinweis: Das Buch ist zunächst nur in der Printversion erschienen. BoD braucht einige Zeit, um die Manuskripte für E-Books aufzubereiten. In einigen Wochen wird das Buch dann auch als E-Book erhältlich sein.