Grubenfahrt in Ibbenbüren oder: Meine Geschichte mit dem Steinkohlebergbau von 1992-2016

Grubenlampe, erhalten am 24.12.1996 auf Lohberg-Osterfeld
Grubenlampe, erhalten am 24.12.1996 auf Lohberg-Osterfeld

Abwärts

Ein grauer, stürmischer Februarnachmittag.
Es dämmert schon.
Vor mir eine schmale Öffnung.
Mit den schweren Stiefeln stolpere ich hinein.
Vierzehn Menschen stehen schließlich eng gedrängt.
Die Abdeckung fällt herunter und schon geht es los.
Mit acht Meter in der Sekunde stürzen wir hinab.
Es ist dunkel.
Keiner redet.
Jeder ist mit seinen Gedanken beschäftigt.
Allmählich wird es wärmer.
Nach zwei Minuten bremst der Korb.
Wir sind auf 1300 Metern.
Tief unten im Nordschacht von RAG Anthrazit in Ibbenbüren.

Meine ersten Begegnungen mit dem Bergbau

Laut meinem Kalender bin ich am 24. Februar 1996 in Lohberg erstmals eingefahren, am Tag des Apostels Matthias. Ich weiß noch, wie mich die Größe der Anlage unter Tage faszinierte, die breiten Gänge und die Menge an Technik.

Damals war ich am Niederrhein als Gemeindepfarrer nebenamtlich im KDA tätig. Im Kirchenkreis Dinslaken gab es zwei Zechen, in Dinslaken Lohberg-Osterfeld und in Duisburg Walsum. Der Bergbau war noch allgegenwärtig, ebenso wie die Stahlindustrie. Der Strukturwandel an Rhein und Ruhr war im Gang und er sollte sozialverträglich durchgeführt werden. In unseren synodalen Arbeitskreisen saßen wie selbstverständlich Bergleute und Gewerkschaftler der IGBE (später fusioniert zu IGBCE). Die Bevölkerung hatte große Sympathien mit den Bergleuten, verschiedenste Solidaritätsaktionen wurden von vielen mit getragen, sichtbarster Ausdruck war vielleicht das „Band der Solidarität“, eine Menschenkette durchs Revier im Jahr 1997. Es gab regionale Arbeitskreise Kirche und Kohle und die GSA (Gemeinsame Sozialarbeit von Kirche und Bergbau) war äußeres Zeichen der engen Verbundenheit wie auch manche Barbarafeier. Vielleicht haben einige es bereits geahnt, aber so richtig vorstellen konnte sich damals niemand, dass es knapp zwanzig Jahre später vorbei sein sollte mit dem Steinkohlebergbau in Deutschland.

All das war wichtig für mich als Gemeindepfarrer, denn ich habe etliche Bergmänner zu ihren Geburtstagen besucht und viele von ihnen später beerdigt. Ihre Geschichten ähnelten sich, viele kamen alleine oder mit ihren Familien nach dem Krieg an den Niederrhein, angeworben von den Zechen, die immensen Personalhunger hatten.

Tief unten

Wir verlassen den Förderkorb.
Kein Mensch ist zu sehen, dafür Leitungen, Rohre, Förderbänder, Treppen…
Langsam setzen wir uns in Bewegung.
Mit der um den Hals hängenden Grubenlampe leuchte ich voraus.
Es ist uneben, streckenweise rutschig.
Etwa drei Kilometer liegen vor uns.
Die Füße tun mir jetzt schon weh in den ungewohnten Stiefeln.
Es ist angenehm warm, um die 25 Grad.
Noch haben wir Luft und stellen wir unseren Begleitern Fragen.
Ab und zu machen wir Halt.
Wir bekommen die Belüftung erläutert.
Oder erfahren, wie lange der Notarzt braucht, um im Ernstfall zu einem Verletzten zu kommen.
Ich verliere jedes Zeitgefühl.
Der Schweiß fängt langsam an zu laufen.
Wir begegnen lange keinem Kumpel.
Nur die Maschinen sind zu hören und das Rattern des Förderbands.

Heilig Abend auf Lohberg-Osterfeld

Wenn ich an Heilig Abend 1996 zurückdenke, dann ist der erste Impuls immer: Das wäre heute überhaupt nicht mehr vorstellbar. Auf Lohberg findet auf der vierten Sohle in 845 Meter Tiefe ein Gottesdienst am 24.12. vormittags statt. Selbst der spätere Ministerpräsident von NRW und damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement ist höchstpersönlich angereist. Ein Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit in schwierigen Zeiten. Ein Signal soll von hier aus nach Bonn ausgehen, wo über die Zukunft der Zechen debattiert wird, wieder einmal. Noch ist die Unterstützung für den Bergbau vorhanden, in einigen Jahren wird sich der Wind radikal drehen.

Ein Bergmannschor singt, die Pfarrer Harrro Düx (evangelisch) und Wihelm Lepping (katholisch) zelebrieren die Andacht. Es gibt Grubenlampen für die anwesenden Vertreter/-innen mit der Bitte, diese mit in die Gottesdienste an Heilig Abend zu nehmen und von diesem ungewöhnlichen Gottesdienst zu erzählen. Im Gemeindehaus Rönskenhof steht die Grubenlampe in der Christvesper und anschließend in meinem Arbeitszimmer. Nach meinem Wechsel nach Osnabrück steht sie nun in meinem Büro.

Hier einige Zeitungsartikel, die ich noch in meinem Archiv gefunden habe, mit freundlicher Genehmigung der NRZ Dinslaken:

Pause

Irgendwann kommen wir zu ein paar Bänken.
Pause.
Helm runter, Schweiß abwischen.
Trinkflasche raus und ich nehme einen großen Schluck.
Komisch, es fühlt sich nicht so an als seien wir mehr als einen Kilometer unter Tage.
In einer Tropfsteinhöhle bekam ich mal Beklemmungen, hier nicht.
Wie ist das wohl Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr um Jahr hier unten zu arbeiten?
Hochachtung vor der Arbeit der Kumpel macht sich breit.
Nur kurz, es ist keine Zeit für Gedanken.
Unser Begleiter gibt schon wieder das Zeichen zum Aufbruch.

Die Auseinandersetzungen um den Rahmenbetriebsplan Walsum

2001 kippt die Stimmung. Jedes Bergwerk muss Rahmenbetriebspläne für den Abbau der nächsten Jahre einreichen und genehmigen lassen. Walsum hatte keine Chance, zwischen zwei anderen Bergwerken blieb in der Nordwanderung nur der Weg unter die Stadt Voerde und den Rhein. Das löste Angst in der Bevölkerung und eine ungeheure Gegenbewegung aus. Die Anhörung fand in einer riesigen Halle statt. Und ich war überrascht, als ich merkte, dass auch eher konservative Gemeindeglieder Tag für Tag dort saßen. Sicher, der Bergbau hat auch Fehler gemacht und dachte, dieser Plan wird auch wieder wie alle anderen zuvor ruckzuck genehmigt sein. Weit gefehlt, am Ende führte die Geschichte zur „Walsumer Verständigung“ von 2005 und zur vorzeitigen Schließung der Zeche.

Erschreckend war die aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung zwischen Befürwortern und Gegnern. Es gab Beschimpfungen und durch manche Familien gingen Risse. Plakate wurden von hüben und drüben abgerissen. Veranstaltungen gab es unzählige, in denen in der Regel aufeinander eingeprügelt wurde oder nur eine Gruppe zu Wort kam. Eine haben wir vom KDA organisiert und es sollte die einzige sein, in der einigermaßen sachlich miteinander gesprochen wurde (unter diesem Link findet sich mehr zu der ganzen Geschichte der Auseinandersetzungen um diesen Rahmenbetriebsplan). Es war vor allem die Angst vor der Absenkung des Rheins und dessen Folgen (höhere Deiche), aber auch der Wertverlust von Eigenheimen. Dazu meldete sich das Umweltbewusstsein. Naturschutzverbände machten auf die Folgen aufmerksam und Politiker/-innen sprachen von der Notwendigkeit, „die Schöpfung zu bewahren“. Interessanterweise spielte der CO2-Ausstoß und die Folgen für das Klima noch keine Rolle. Es wurde eher kurzsichtig, „egoistisch“, genauer aus einem nationalen Blickwinkel heraus argumentiert. Denn es war klar, wenn die Kohle nicht aus der heimischen Erde geholt wird zur Verstromung, dann kommt sie eben aus China – und wird dort unter menschlich und ökologisch noch ganz anderen Umständen gefördert. Doch das spielte alles keine Rolle.

Im Streb

Irgendwann sehen wir vor uns ein paar Menschen.
Wir sind fast am Ziel.
Wir kraxeln etwas herum und stehen dann vor einem Loch.
76 Zentimeter hoch.
Der Streb liegt vor uns.
Jetzt heißt es auf allen vieren krabbeln.
Erst noch die Lampe am Helm befestigen.
Dann hinein in die Enge.
Rechts von mir und über mir das schützende Schild.
Links das Transportband.
300 Meter soll der Streb lang sein und die Kumpel machen diesen Weg pro Schicht mehrmals.
Kaum zu glauben.
Wir müssen nur 25 Meter uns hindurch winden.
Mir reicht das auch.
Dann heißt es hinsetzen.
Gegenüber an der Wand glitzert es.
Das ist sie, die Kohle.
Ein Moment der Ehrfurcht.
Millionen Jahre lag sie in der Dunkelheit, jetzt wird sie gleich abgehobelt.
Der Hobel kommt von links heran gerauscht.
Ein Riesending, vielleicht fünf Meter lang.
3 cm hobelt er ab pro Vorbeifahrt.
Und kommt nach einer Weile wieder von rechts zurück.
Dann bewegt sich etwas.
Ich erschrecke kurz, dann merke ich:
Das Förderband gleitet nach vorn, 3 cm.
Und das Schild über mir ebenso.
10 Meter pro Tag fräst sich die Maschine durch den Berg.
Und hinter ihr fällt in kürzester Zeit wieder alles zusammen.
Wahnsinn.

Es ist nicht erlaubt, unter Tage Fotos zu machen. Auf Youtube gibt es aber ein Video aus dem Jahr 2002, das die Atmosphäre und die Abläufe gut wieder gibt:

Zehn Jahre KDA in der Lohnhalle des Bergwerks West

2002 feiert die Regionalstelle für den KDA Duisburg-Niederrhein ihr zehnjähriges Bestehen. Auf Einladung der DSK (Deutsche Steinkohle AG) findet die Feier in der Lohnhalle des Bergwerks West in Kamp-Lintfort statt. Ein deutliches Zeichen für die Verbundenheit zwischen Kirche und Kohle und das Engagement der Regionalstelle in diesem Bereich. Jürgen Schmude, damals Präses der EKD-Synode, hält den Festvortrag. Neben Horst Manja als 1. Bevollmächtigter der IG Metall Duisburg und mir als Vorsitzendem des Geschäftsführenden Ausschusses spricht noch Bernd Tönnjes, Vorstandsvorsitzender der DSK . Ein kleiner Auszug aus meiner Rede:

„Wir feiern heute in der Lohnhalle des Bergwerks West in Kamp-Lintfort. Sie haben sich schnell und überaus einsatzbereit bereit erklärt, uns den Raum und auch Ihre Mitarbeiter für diese Feier zur Verfügung zu stellen. Das hat uns sehr gefreut, zeigt es doch, dass z. B. zum Bergbau in diesen Jahren intensive Kontakte entstanden sind, die hier einmal exemplarisch Früchte tragen. Dabei ist es keineswegs so, dass der KDA dem Bergbau unkritisch gegenüber stände. Gerade in den heftigen Auseinandersetzungen um den Rahmenbetriebsplan des Bergwerks Walsum in den letzten beiden Jahren gelang es dem KDA, mit allen Konfliktparteien gleichermaßen im Gespräch zu bleiben. Diese Haltung hat dem KDA nicht nur Freunde, sondern auch Kritiker eingebracht. Aber in manchen Situationen muss man vermitteln, in anderen ohne Wenn und Aber Partei ergreifen, so wie es der KDA in vielen Auseinandersetzungen um Arbeit auch getan hat.
Also: wir sind gerne Ihrer Einladung gefolgt, heute hier in Kamp-Lintfort zu feiern. In einer Stadt, in der 1995 Bergarbeiterfrauen mehrere Wochen lang Zuflucht in der Christuskirche gesucht und gefunden haben.“

Rückmarsch

Wir kriechen zurück.
Das geht ganz flott.
Überraschenderweise.
Aufrichten, strecken, durchatmen.
Das war schon eng…
Kurze Pause.
Zunächst geht es eine Weile zurück durch die endlosen Gänge.
An einer Aufstiegstation machen wir halt.
Unser Begleiter stoppt das Förderband.
Wir steigen auf und legen uns auf den Bauch.
Mit einem kleinen Ruck geht es los und wir rasen durch den Berg.
Das macht Laune!
Zweimal steigen wir um.
Stoppen, runter vom Band.
Ein paar Meter weiter bis zum nächsten laufen, hochklettern und weiter.
Das ist echt irre.
Viel zu schnell ist es vorbei und wir sind wieder kurz vor dem Förderkorb.

Der Bergbau gerät aus dem Blick

Mit den Auseinandersetzungen um den Rahmenbetriebsplan und den Vereinbarungen zu den Zechenschließungen setzen zwei Entwicklungen ein, die für mich als KDAler dazu führen, dass der Bergbau nach und nach aus dem Fokus gerät.

Einerseits werden viele Kumpel durch die sozialverträgliche Abwicklung der Schließungen von hier nach dort versetzt. Sie wohnen nicht mehr dort, wo sie einfahren. Das lockert die vormals engen Beziehungen zu den Orten und auch die Verbindung Kirche und Kohle. Und die Schließung von Lohberg und Walsum gehen auch verhältnismäßig geräuschlos über die Bühne. In Lohberg entsteht unter Einbeziehung etlicher Gebäude ein Kreativpark auf dem ehemaligen Zechengelände, ein Naherholungsgebiet und ein Neubaugebiet. Der Schacht Voerde, zur Zeche Walsum gehörend, wird zurück gebaut, dadurch werden auch Flächen frei, die einst meine Kirchengemeinde an die Ruhrkohle verpachtet hatte. Unvergessen bleibt mir ein Geburtstagsbesuch, wo zum 85. Jubelfest eines Kumpels der Bergmannchor kommt und im Garten drei Lieder singt, mit Stolz und Wehmut gleichermaßen in der Stimme.

Andererseits ziehen wir im KDA am Niederrhein aus den Diskussionen die Konsequenz, uns mit anderen Formen Energieversorgung und -gewinnung zu beschäftigen. Eng damit verbunden ist die Frage nach Ersatzarbeitsplätzen, denn nicht jeder Bergmann kann z.B. bei der Tunnelbaustelle am Gotthardt eine neue Beschäftigung finden. So besuchen wir u.a. die Firma Winergy in Voerde, die rasant wächst und mittlerweile ein Beschäftigungsmotor in der Stadt ist mit ihren Antriebskomponenten für Windkraftanlagen.

Aufwärts

Müde und hungrig quetschen wir uns erneut in den engen Korb.
Abdeckung runter und es geht hinauf.
Es wird schnell kälter.
Schnell ist es vorbei, der Korb hält, wir steigen aus.
Dunkel ist es geworden.
Es regnet und ist ziemlich frisch.
Unsere Grubenfahrt hat ein Ende.
Es geht zurück zum Hauptgelände.
Foto, klar, das muss sein.
Stiefel aus, Helm runter, Gürtel ab.
Dann Imbiss, mit ungewaschenen Händen.
Und viel trinken.

Ende 2018

Neu kommt der Bergbau erst wieder Ende 2014 in mein Blickfeld, als ich nach Osnabrück ziehe und nun als Referent im KDA der hannoverschen Landeskirche arbeite. Ibbenbüren liegt nur ein paar Kilometer jenseits der nahen Landesgrenze. Ich erinnere mich daran, dass der heutige Arbeitsdirektor Jörg Buhren-Ortmann 1992 Gründungsmitglied des synodalen Fachausschusses des KDA im Kirchenkreis Dinslaken war. Und den Öffentlichkeitsbeauftragten Uwe Reichow kenne ich auch noch vom Niederrhein her. So entstand die Idee einer Grubenfahrt speziell für Menschen, die an verschiedenen Stellen in Kirche tätig sind, aber noch nie unter Tage waren. Erst später, als die Grubenfahrt längst ausgemacht war, stoße ich auf die reichhaltige Bergbautradition in Osnabrück und Georgsmarienhütte und besuche das Industriemuseum am Piesberg.

Noch einmal einfahren zu können, war für mich eine Reise in die Vergangenheit. Vieles stand mir wieder vor Augen, was ich seit 1992 erlebt habe, seit ich im KDA anfing. Zuhause habe ich nachgelesen in meinen Aufzeichnungen und fand auch die verschiedenen Zeitungsartikel. Während ich das nun aufgeschrieben habe, war ich beeindruckt von der Fülle der Ereignisse und Diskussionen, die sich für mich in der Begegnung mit dem Steinkohlebergbau und den Kumpels ergeben haben.

Die Grubenfahrt im Februar 2016 war eine der letzten Einfahrten für Besuchergruppen, da die Abbaugebiete demnächst noch weiter vom Nordschacht entfernt sein werden und nicht mehr erreicht werden können. Aber die Idee kommt auf, die Schließung der Zeche in Ibbenbüren 2018, die zugleich das Ende des deutschen Steinkohlebergbaus bedeutet, zum Anlass nehmen, dies aufzugreifen und mit der Tradition in Niedersachsen zu verbinden. Den Spuren finden sich sowohl in der Landschaft als auch in den Köpfen und Herzen – und auch die Zeche in Ibbenbüren gehörte einst zur Preussag bzw. zu TUI, also Konzernen mit niedersächsischer Geschichte. Wir werden diese Idee weiter verfolgen.

Mit dem, was ich wirklich, wirklich will zur Rettung der Welt beitragen

Ein Essay über ureigenste Motivationen und den Sinn plakativer Rede

Finden Sie das in Ordnung?

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber stellt seit Jahren bei Veranstaltungen drei Fragen: 1. Glauben Sie, dass es Ihnen heute besser geht als damals Ihren Großeltern? 2. Glauben Sie dass, es Ihren Enkeln einmal besser gehen wird als Ihnen heute? 3. Finden Sie das in Ordnung? Die Antworten liegen für ihn auf der Hand: Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, weiß, dass sich das Menschheitsprojekt in die falsche Richtung bewegt. Aber dies gelangt nur selten und eher zufällig ins Bewusstsein „und wird von den Kräften des Jetzt rasch wieder in die Tiefe gedrückt. Noch.“ (547)

Noch, genau. Denn offenbar ändert sich gerade etwas. Auf dem 1. CSR-Kommunikationskongress im November in Osnabrück sprach ein Referent davon, dass vermehrt Kund/-innen von Unternehmen wissen wollen, was diese zur „Rettung der Welt“ beitragen. Das Vertrauen ins Unternehmen und dessen Produkte steige, wenn der entsprechende Beitrag sachlich verbunden ist mit dem Produkt. Immer mehr Frauen und Männer erwarten also, dass Unternehmen etwas zur „Rettung der Welt“ beitragen. Das ist nur ein Hinweis darauf, dass Fragen von Nachhaltigkeit zunehmend Eingang in den Mainstream der Ökonomie finden. Noch lange nicht genug, aber immerhin.

Die Lücke im „wirklich, wirklich wollen“

„Es gibt kaum etwas, was den Menschen zufriedener macht als eine Arbeit, die er wirklich, wirklich will“ – so lautet die Kernthese von Frithjof Bergmann. Seit meine Frau und ich ihn auf dem Kirchentag 2007 kennen lernen ist (nicht nur) unsere Erfahrung: Viele Frauen und Männer, denen diese Frage gestellt wird, antworten überrascht: „Das hat mich ja noch keine/r gefragt!“ Ein erschreckender Befund, stellt sich hier doch die Frage nach den tiefen inneren Motivationen in unserem Arbeiten.

Bergmann vergleicht den gegenwärtigen Lohnkapitalismus mit einem dem Abgrund entgegen rasenden Zuges, aus dem niemand aussteigen kann. Die hier vorherrschende entfremdete Arbeit macht viele unglücklich, weil ihre Tätigkeiten nicht mit ihrer inneren Motivation übereinstimmen. Mit der Frage nach Arbeit, die ich „wirklich, wirklich will“, hat Bergmann eine einfache und eingängige Formel gefunden, die auch als „Mantra der Neuen Arbeit“ bezeichnet wird.

Allerdings kann Bergmann nur in Ansätzen deutlich machen, wie der Bruch mit dem Lohnkapitalismus praktisch vollzogen werden kann. Bildlich gesprochen: Der Ausstieg (aus dem Zug) ist so ohne weiteres nicht möglich. Wer in den Industriestaaten lebt, ist verpflichtet, durch Arbeit, Steuern und Beiträge zum Gestaltung des staatlichen Gemeinwesen beizutragen. Ein Leben ohne Geld ist nur bedingt realisierbar, spätestens im Krankheitsfall zeigt sich die unaufhebbare Verbindung mit dem Sozialsystem. Dennoch ist die Frage nach der ureigensten Motivation, nach dem, was ich „wirklich, wirklich tun will“, ein wichtiger Impuls für viele Frauen und Männer, ihre Arbeit zu überdenken und zu verändern. Es macht Sinn zu fragen, welche Tätigkeiten sind zentral für mein Wesen? Was muss ich tun können, damit ich zufrieden bin? Und wie kann das konkret aussehen im System des entfesselten Kapitalismus?

Es kommt im Horizont der eingangs beschriebenen Beobachtung ein weiterer Schritt hinzu: Ich will nicht nur „einfach“ etwas tun, das mir entspricht, ich will auch wissen, in welcher Weise meine Arbeit zum guten Leben (aller) beiträgt. Hier erkenne ich eine Lücke im Ansatz von Bergmann, denn er fragt nicht so konsequent nach dem Woraufhin einer mit mir übereinstimmenden Arbeit. Vermutlich würde er antworten: Das ergibt sich von selbst aus dem Prozess, wenn ich nach meinen ureigensten Motivationen frage. Ich bin dagegen der Meinung, dass es Kriterien für gute Arbeit und gutes Leben braucht. Gute Arbeit (die ich „wirklich, wirklich will“) ist nicht zwingend ein Beitrag zum guten Leben (aller). Gute Arbeit bedeutet nicht zugleich gutes Wirtschaften. Mag sein, dass mich das Entwickeln von Waffen fasziniert und zufrieden stellt, ich bezweifle trotzdem, dass diese „gute“ Arbeit zum guten Leben aller beiträgt.

Die Rettung der Welt als mögliche Zukunft

Die Stimmen mehren sich, dass die Menschheit mit ihrer heutigen Wirtschaftsweise dabei ist, diese Welt in weiten Teilen für Frauen, Männer und Kinder unbewohnbar zu machen. Auch hier passt das Bild von einem Zug, der dem Abgrund entgegen rast und aus dem niemand aussteigen kann. Eine Neuausrichtung ist allerdings (noch) möglich, das zeigt Schellnhuber in seinem in jeder Hinsicht schwergewichtigen Werk auf. Die vielfachen Aktivitäten um den Klimagipfel in Paris im Dezember 2015 haben diese doppelte Einsicht weiter verbreitet. Es bleibt zu hoffen, dass von dort aus langfristige Impulse zur „Rettung der Welt“ ausgehen und die Prioritäten in nächster Zeit richtig gesetzt werden. Ein Erfolg ist keineswegs sicher, ganz im Gegenteil. Den Kopf in den Sand zu stecken ist für viele allerdings nicht vorstellbar. Es widerspricht ihren Werten und Überzeugungen, oft auch ihren religiösen Grundeinstellungen. So fragen sie: Wie kann mein Beitrag zur „Rettung der Welt“ aussehen, angesichts einer unendlichen Fülle von Herausforderungen und Lösungsansätzen, die sich an etlichen Stellen auch widersprechen und/oder nicht kompatibel sind? Wie wähle ich aus, wo ich mich engagieren will?
Harald Welzer setzt hier auf Szenarien, die auf Vorerinnerungen beruhen. Dies sind mentale Vorgriffe auf die Zukunft und spielen als Orientierungsmittel für die Ausrichtung von Entscheidungen und Handlungen in der Gegenwart eine wichtige Rolle. Denn „jeder Entwurf, jeder Plan, jede Projektion, jedes Modell enthält einen Vorgriff auf einen Zustand, der in der Zukunft vergangen sein wird. Und genau aus diesem Vorentwurf eines künftigen Zustands speisen sich Motive und Energien.“ (136f.) Aus meinen/unseren Vorerinnerungen ergeben sich Ziele und Schritte.

Das Bild von der „Rettung der Welt“ denkt also Motivation vom Ziel her, vom guten Leben in einer Zukunft, welche die Herausforderungen der Gegenwart gemeistert hat. Das „Wirklich, wirklich wollen“ fragt hingegen nach meinen Motivation aus mir und meiner Geschichte heraus. Beides zusammen führt mich heraus aus der Position des Kaninchens vor der Schlange. Mit dem, was ich „wirklich, wirklich will“, kann ich zur „Rettung der Welt“ beitragen. Ganz einfach. Oder doch zu plakativ?

Vom Sinn des Plakativen

Franz-Josef Radermacher hat einmal geschrieben, dass es den Marktfundamentalisten gelungen ist, ihre Position über manipulierte Bilder tief in unseren Gehirnen zu verankern. Es gilt daher Gegenbilder zu finden, die anschaulich, eingängig, offen und anschlussfähig, kurz: plakativ sind. Das Bild von der „Rettung der Welt“ erfüllt diese Kriterien. Finde ich hier über meine Vorerinnerungen für mich Antworten, motiviert mich dies im Blick auf das große Ziel, das sich in viele tausend Einzelschritte entfalten lässt. Vielleicht erkenne ich, welche Zwänge ich akzeptieren muss, aber auch, wo sich Handlungsalternativen für mich ergeben und das ist entscheidend. Mag sein, dass es hier zwischen der Vielzahl von Personen und Ansätzen zu Widersprüchen kommt und kommen muss, aber ich stimme Schellnhubers Auffassung zu, dass wir uns in diesem Jahrhundert so oder so durchwursteln müssen, der große politische Wurf wird nicht gelingen können angesichts der disparaten Erscheinung der Welt. Hier ist jeder Schritt nach vorn ein Schritt heraus aus Angst und Lähmung, eröffnet Zukunft, macht Hoffnung. Reboundeffekte und andere Widersprüche sind dabei unvermeidlich, aber immer noch besser als auf dem Weg der Aufheizung und Vergiftung unseres Planeten „einfach so“ weiter zu machen.

Aber klingt „Rettung der Welt“ nicht zu negativ und demotiviert daher eher? Oder zu dramatisch und löst eher Abwehr und Spott aus? Oder zu groß und überfordernd? Mag alles sein, aber wer so argumentiert und das Plakative wie ich grundsätzlich für hilfreich und sinnvoll hält, muss dann andere Vorschläge machen. Klimawandel, Nachhaltigkeit, Transformation – alles richtig, aber nicht eingängig. Der von französischen Intellektuellen (neu) ins Spiel gebrachte Begriff „Konvivialismus“ trifft es zwar thematisch und ist positiv besetzt, er ist aber ebenfalls nicht eingängig und ohne Erklärung unverständlich. Das „gute Leben aller“ ist zu allgemein und enthält keinerlei Dringlichkeit. Bei Abwägung der Für und Wider bleibe ich (zunächst) bei der „Rettung der Welt“ als Zielvorgabe und Rahmen.

Natürlich, die Frage nach dem „wirklich, wirklich wollen“ gerät schnell ins Fahrwasser esoterischer Strömungen. Und „Rettung der Welt“ klingt leicht moralisch oder überheblich weltfern. Aber das Plakative ist immer auch missverständlich und dennoch hilfreich. Wenn ich weiß, was ich „wirklich, wirklich will“ und wohin ich „wirklich, wirklich will“, schafft dies Klarheit in meinem Auftreten, ermöglicht Transparenz und zieht Vertrauen nach sich.

Zwischen Angst und Aufbruch

Meine These lautet daher: Die Frage nach meinem Beitrag zur „Rettung der Welt“ kann ähnlich faszinierend und motivierend sein wie die Frage, was ich „wirklich, wirklich“ tun will. Allerdings lösen beide Fragen häufig auch Widerstände aus und/oder konfrontieren mich mit eigenen Ängsten. Diesen muss ich ins Angesicht schauen, sonst wirken sie im Untergrund und halten mich in mir selbst gefangen.

Kari Norgaard ist der Frage nachgegangen, warum so viele Menschen den Klimawandel nicht wahrhaben wollen: „Menschen haben erstens Angst um die Welt und ihre Zukunft. Zweitens haben sie Schuldgefühle, weil sie wissen, dass unsere hohe Lebensqualität, die auf dem Einsatz fossiler Brennstoffe basiert, direkt mit dem Problem verbunden ist. Dazu kommt ein Gefühl der Hilflosigkeit, weil das Problem so riesig erscheint und die Politik nicht reagiert.“ Aber es kommt noch dicker: Naomi Klein beschreibt ihre Erfahrung bei der Recherche für ihr Buch über Klima versus Kapitalismus und kommt zu der Einsicht, dass die Angst nicht mehr weichen wird: „Sie ist die vollkommen rationale Reaktion auf die unerträgliche Tatsache, dass wir in einer untergehenden Welt leben (…) zu deren Tod viele von uns beitragen, indem sie Dinge tun wie Tee kochen und zum Lebensmittelmarkt fahren.“ (42) Diese Einsicht steckt aus meiner Sicht hinter dem Verstummen auf Schellnhubers Frage: Finden Sie das in Ordnung?

Auch die Suche nach einer Antwort auf die Frage, was ich „wirklich, wirklich will“, ist riskant. Um dies herauszufinden, muss ich mich mit mir befassen. Es ist keineswegs einfach, hier eine Antwort zu finden, das sagt auch Bergmann selbst. Meine Frau hat mittlerweile dazu das „Wesenskernspiel“ entwickelt. Es hilft Frauen und Männern in spielerischer Weise im Durchgang durch die je eigene Biografie diese Frage in Übereinstimmung mit den eigenen Motivationen, Fähigkeiten und Interessen zu beantworten. Daraus ergeben sich oft überraschende und/oder inspirierende Einsichten. Andere Methoden kommen zu ähnlichen Ergebnissen, das „Mantra der Neuen Arbeit“ wirkt dabei häufig wie ein Antreiber. Frauen und Männer erhalten eine Ahnung oder gar Gewissheit darüber, was sie wirklich tun wollen. Und setzen es zufrieden und motiviert um. Allerdings kann die Frage nach den ureigensten Motivationen auch Unsicherheit auslösen. Eventuell offenbart sich mir die unbequeme Einsicht in meine eigene Geschichte, dass ich viel zu lange getan habe, was andere von mir wollten oder für mich richtig hielten. Vielleicht werde ich konfrontiert mit meiner Angst vor Veränderungen, Widerstand und Ablehnung. Oder ich erkenne, dass ich als Frau oder Mann in einer Industrienation viel zu verlieren habe, wenn ich mich darauf einlasse, das zu tun, was ich „wirklich, wirklich will“. Sicherheit ist ein hoher Wert und ein starkes Motiv. Der positive Effekt – ich finde heraus, was mich wirklich antreibt – beinhaltet häufig, der eigenen Angst ins Gesicht schauen. Gleiches gilt – und noch verstärkt, weil die Faktoren viel weniger von mir selbst beeinflusst oder gar bearbeitet werden können – für den Zustand der Welt, die es gilt, zu retten: Die schiere Größe der Aufgabe(n) lässt mich erzittern. Dennoch lohnt es sich ungemein, Antworten auf die Frage zu bekommen, was ich „wirklich, wirklich tun will“ und in welcher Weise dies ein Beitrag zur „Rettung der Welt“ darstellt.

Denn das „Wirklich, wirklich wollen“ zielt darauf, die tiefen Motivationen im Blick auf meine Fähigkeiten, Interessen, Erfahrungen zu finden. Die Frage nach der „Rettung der Welt“ macht mir hingegen deutlich, welche Vision (Vorerinnerung) ich vom guten Leben, Arbeiten und Wirtschaften aller habe. Antworten auf beide Fragen müssen sich in konkrete Handlungsschritte übersetzen lassen – aber sie zeigen die Richtung an und sind entlastend, oft ernüchternd und zugleich realistisch, denn ich kann nur an meiner Stelle etwas tun. Und es hilft, das Konglomerat von Schuldgefühlen und Ängsten aufzurollen, dass mich sonst schnell in inneren Endlosschleifen gefangen hält.

Mir das verwickelte „Gewebe“ der eigenen Beziehungen und Bezogenheiten (Hannah Arendt) bewusst zu machen, lindert auf der einen Seite irrationale Ängste, macht aber zugleich die Schrecken in der Welt umso deutlicher. Ihnen gilt es ins Auge zu sehen. Gefahrenabwehr war schon immer ein hohes Gut, das Frauen und Männer motiviert hat zu handeln. Oft einhergehend mit eigenen Gefährdungen und Nachteilen, denken wir nur an Feuerwehr oder Katastrophenschutz. Aber genau dort wird erkennbar, dass hier Güterabwägungen stattfinden, die Engagement zur Folge haben. Die Motivation zu solchem Engagement erwächst aus der Verbundenheit mit der Natur, einem grundlegenden Humanismus, aus der eigenen Religion oder aus einer Mischung aus allen drei Faktoren. Kurz: Sie entspringen einer spirituellen Basis meiner Existenz, die weiter reicht als die Grenze meine eigenen Individualität. Die Folge ist die Fähigkeit zur Empathie und zu Begegnungen auf Augenhöhe.

Sehe ich meiner Angst ins Auge, werde ich frei, Pfade zu erkennen, die gangbar sind. Schellnhuber zum Beispiel nennt sieben technisch-gesellschaftliche Handlungsfelder, in denen im 21. Jahrhundert Neuerungen sinnvoll bzw. notwendig erscheinen. Zu diesen „Kardinalinnovationen“ zählen: die Integration erneuerbarer Energiequellen, Häuser zu Kraftwerken zu entwickeln, neue Mobilität, Mehrfachnutzung und Wiederverwendung, nachhaltiges Siedlungswesen, aktives Kohlenstoffmanagement und regenerative Wasserwirtschaft. (622ff.) Deutlich wird die große Bandbreite und damit verbunden eine Vielfalt von Möglichkeiten des Engagements, auch in kleinen und überschaubaren Schritten, eingeordnet ins große Ganze. Hier gilt es zu schauen, was passt zu mir, meinen Fähigkeiten, Interessen und Erfahrungen, was ist konkret möglich, je nachdem, an welchen Stellen ich stehe? Was motiviert mich so sehr, dass ich trotz und in meiner Angst losgehe und handele? Was ist „mein Ding“ in der gemeinsamen Herausforderung, die Welt zu retten?

Kooperation statt K(r)ampf

Wenn ich diese Fragen für mich jetzt, in aller Vorläufigkeit, beantwortet habe, gleichzeitig aber nicht davon ausgehe, dass ich damit die allein selig machende Wahrheit in Händen halte, begegne ich anderen auf Augenhöhe. Ich bin bei mir und kann daher bei der/dem Anderen sein und gemeinsam mit ihr/ihm auf dem Weg nach vorn. Die Frage nach der „Rettung der Welt“ und dem Weg dorthin beschäftigt bereits viele Frauen und Männer, diesseits und jenseits der vorherrschenden Ökonomie. Bedingungsloses Grundeinkommen, Gemeinwohlökonomie, Solidarische Ökonomie und Commons, postpatriarchaler Ansatz, Care-Revolution, der vielfache Aufstand indigener Völker, Genossenschaftsbewegungen und unzählige Umweltschutzinitiativen – sie alle gehen von der Vision einer „besseren“ Welt aus. Sie alle setzen darauf, dass die Welt nicht nur gerettet werden muss, sondern auch kann. Sie entwickeln Szenarien und Narrative, erzählen Geschichten von einer gelingenden Zukunft. Jede und jeder kann sich hier beteiligen gemäß ihrer/seiner eigenen Perspektive und dem, was sie/er „wirklich wirklich will“. Die Aufgabe besteht nicht in erster Linie darin, der Politik Vorschläge zu machen, sondern eine alternative Weltsicht zu beschreiben, zu entwickeln, anschaulich zu machen. Eine Weltsicht, bei der, wie Naomi Klein schreibt, „Wechselbeziehungen statt Hyper-Individualismus im Mittelpunkt stehen, Gegenseitigkeit statt Dominanz und Kooperation statt Hierarchie.“ (554f.) Uns eint die Hoffnung, dass sich hier im besten Sinne der „Marktwirtschaft“ im Wettbewerb Ideen entwickeln und gestalten lassen. Das macht zufrieden und unruhig zugleich und führt zu Gelassenheit und Mut.

Literatur

Franz-Josef Radermacher, Global Marshall Plan
Frithjof Bergmann, Neue Arbeit, neue Kultur
Hans-Joachim Schellnhuber, Selbstverbrennung. Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff
Harald Welzer, Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand
Kari Norgaard, zitiert nach: Warum wir den Klimawandel nicht wahrhaben wollen
Les Convivialistes, Das konvivialistische Manifest
Naomi Klein, Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima

Was macht eigentlich ein KDA-Referent?

Titelbild Pageflow: Was macht eigentlich ein Referent im KDA?

Diese Frage ist mir in meinem ersten Jahr als Referent im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt immer wieder gestellt worden. Dazu habe ich auf stories-e.de ein Pageflow erstellt und versucht, dort eine Antwort auf diese Frage zu geben. Viel Spaß beim Durchklicken!

Jahresrückblick 2015 in Bildern

2014 war schon aufregend durch meinen Stellenwechsel und den damit einhergehenden Umzug. 2015 ging es dann in meiner neuen Stelle so richtig los und es wurde wahr, mein Chef bei der Einführung sagte: “Sie werden viel unterwegs sein!”
In der Tat, je weiter das Jahr voran schritt, desto seltener sah ich mein Büro. Ich glaube, es gab kein Jahr in meinem Leben, in dem ich so viele Kilometer zurücklegte, zu Fuß und mit dem Rad, mit PKW und vor allem der Bahn, und, ja, nach vierzig Jahren war auch wieder eine Flugreise dabei. Und im privaten Bereich war es auch nicht langweilig.

Januar

Kurz nach Jahresbeginn bin ich endlich im Zoo in Osnabrück! Das war noch im Urlaub und es war ein milder Januartag.

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Januar

Zur Armutskonferenz fahre ich bei traumhaftem Wetter nach Ostfriesland, die erste von etlichen Fahrten nach Emden. Es bleibt Zeit für einen kurzen Blick ins Hafenbecken.

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Februar

Ein erster Besuch auf der Meyer-Werft in Papenburg, bei eisigen Temperaturen. Die Ausmaße der Anlage sind gigantisch, das Gespräch mit Betriebsräten ist spannend.

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März

Ich beginne nach dem Winter wieder damit, die Umgebung von Osnabrück mit dem Rad zu erkunden. Es dauert noch eine Weile, aber dann habe ich eine neue “Standard-Strecke” ausfindig gemacht. Sie ist 23 Kilometer lang, ermöglicht zahlreiche Varianten und vor allem, ich muss nicht an einer Ampel halten. Dafür führt sie durch hügeliges Gelände, das ist der Unterschied zur alten Strecke am Niederrhein.

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April

Ich besuche erstmals die Hannovermesse. Ziemlich beeindruckend, aber auch erschlagend.

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Mai

Gottesdienste sind seltener geworden, dafür komme ich aber immer wieder in andere Kirchen. Das macht mir viel Spaß. Am 3. Mai war ich z.B. in Osnabrück-Hellern. Da ging es um die Frage: Gott oder dem Geld dienen?

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Mai

Auch in diesem Jahr fand über Himmelfahrt die Offene MentorInnen Akademie (OMA) der “Neuen Arbeit” statt. 2015 in Potsdam, eine Gesprächsrunde findet an der Havel statt.

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Mai

Ich fliege mit dem KDA Duisburg-Niederrhein zu einer Studienreise nach Thessaloniki. Das ist die Unternehmung, die mich am nachhaltigsten in diesem Jahr beschäftigt hat. Nicht nur, weil ich fliege. Ich habe dazu etliches gebloggt, im Herbst mehrere Vorträge gehalten und bin in der noch noch jungen Solidaritätsgruppe Griechenland in Osnabrück aktiv.

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Juni

Kirchentag in Stuttgart. Das war eine zwiespältige Erfahrung, über die ich hinterher auch geschrieben habe: Irritationen, Überraschungen. Kirchentag. Meiner. Schön war, dass ich einige Menschen mal “in echt” kennen lernen konnte: Brigitte Becker und Birgit Mattausch, Christoph Breit und Dietrich Sonnenberger…

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Juni

Im Juni trifft sich der bundesweite KDA-Fachausschuss Arbeit und Technik in Hamburg. Ich nutze eine freie Stunde und wandere an der Elbe entlang.

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Juli

Über meinen Geburtstag hinweg mache ich ein Versprechen war und wir besuchen Mechthild Werner auf der Landesgartenschau in Landau.

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Juli

Auf der Rückfahrt von Landau schauen wir kurz in Speyer vorbei und beschließen, wieder zu kommen.

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August

Ende August unternehme ich eine längere Radtour durch den Teutoburger Wald. Wunderbare Landschaft!

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September

Wir machen Urlaub im Lassaner Winkel und sind mehrfach auf Usedom unterwegs. Vor allem die Ruhe fasziniert, im Winkel noch mehr als auf der Insel.

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September

Anklam und das Otto-Lilienthal-Museum. Was für ein spannender Mensch, der noch viel mehr “drauf” hatte als fliegen. Später lese ich eine Biografie über ihn und seinen Bruder und bin noch mehr beeindruckt über den sozialen Unternehmer und seine Hoffnung auf Frieden unter der Völkern.

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September

Nach Usedom kommen wir – über einen kurzen Zwischenstopp in Hetzdorf bei Ulrich Kasparick – nach Berlin. Unter anderem gehen wir den Mauerweg ab. Bedrückend.

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September

In Paris war ich schon bestimmt 15x mit dem KDA Duisburg/Niederrhein. 2015 war die Anreise etwas weiter, aber ich ließ es mir nicht nehmen, dabei zu sein. Es ging diesmal um “Wirtschaft 4.0”, aber wir machen auch einen Ausflug in die Industriegeschichte und besuchen das Musée des Arts et Métiers. Und völlig überraschend stand ich dann vor dem Foucaultschen Pendel.

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September

Und auch das war noch im September, in meinem Urlaub: das barcamp kirche online in Essen. U.a. mit dem Twittergottesdienst zu #Refugees Welcome

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September

Kurz nach dem Urlaub bin ich schon wieder unterwegs. Erst bin ich in Heidelberg auf einer Tagung, dann fahre ich zum Usertreffen vom Weltfussballmanager in Kitzingen. Beim Kicktipp-Turnier hole ich als Dritter erstmals einen Pokal. yeah

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Oktober

Bildungsurlaub auf Baltrum. Mein erster Besuch an der Nordseeküste bzw. auf einer der Inseln. Thema: “Zufrieden im Job – aber wie?” Die Woche wird eine spannende Erfahrung, von der Insel sehe ich nur etwas in den Mittagspausen.

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November

Erneut bin ich mit dem Fachausschuss Arbeit und Technik unterwegs, diesmal besuchen wir VW in Wolfsburg. Die Größe der Anlage ist unglaublich. Eine zwiespältige Erfahrung: Autostadt, Werksrundfahrt, Gespräch mit Betriebsräten zu Industrie 4.0, aber auch zum Skandal um die Abgaswerte.

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November

Ein erster Besuch an der Bremer Straße. Der VfL Osnabrück gewinnt gegen Chemnitz.

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Dezember

Die letzte Reise geht nach Hildesheim. Weihnachtsausflug des Fachbereichs mit einer Führung im Dom. Beeindruckend fand ich vor allem die Bronzetüren.

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